Ein Amt als Herzensangelegenheit

Peter Freytag blickt auf sechs Jahre als Samtgemeindebürgermeister zurück

Peter Freytag Samtgemeinde Sottrum
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Peter Freytag lässt seine Amtzeit Revue passieren.

Sein Nachfolger Holger Bahrenburg bezieht in dieser Woche sein Büro, denn seit Montag ist Peter Freytag nicht mehr Sottrumer Samtgemeindebürgermeister. Für uns blickt er auf die vergangenen sechs Jahre zurück: „Es war eine Herzensangelegenheit“, sagt er.

Sottrum – Seit Montag ist der Name Peter Freytag als Sottrumer Samtgemeindebürgermeister Geschichte, gestern bezog sein Nachfolger Holger Bahrenburg sein Büro. Wir haben mit Freytag noch einmal einen Blick auf die vergangenen sechs Jahre seiner Amtszeit geworfen.

Mit welchem Gefühl haben Sie das Rathaus verlassen?

Mit sehr gemischten Gefühlen, weil ich nicht nur nach sechs Jahren als Samtgemeindebürgermeister aus dem Dienst ausscheide, sondern auch nach 36 Jahren als Kollege im Rathaus. Nach so einer langen Zeit geht man dann natürlich – vor allem, wenn man sich wohlgefühlt hat – mit gemischten Gefühlen.

Also das klassische lachende und weinende Auge?

Mit Sicherheit, ja.

Welche Baustellen von Markus Luckhaus haben Sie übernommen?

Von Baustellen will ich gar nicht sprechen, denn auch ich werde Dinge meinem Nachfolger übergeben müssen, die nicht abgeschlossen sind. Das ist ein ganz normaler Prozess. Wir sind als Verwaltung in einem ständigen Fluss. Wir haben in den vergangenen Jahren auch Dinge umgesetzt, die bereits von Markus Luckhaus auf den Weg gebracht worden sind.

Welches Vorhaben hätten Sie gerne noch umgesetzt oder zu Ende gebracht?

Ja, ich wäre natürlich gerne weiter mit den Jahresrechnungen. Aber als ich gestartet bin, musste mich auch erst einmal um die Eröffnungsbilanzen kümmern, die wir 2018 fertiggestellt haben. Ich wäre gerne etwas weiter im Prozess der Schnittstellen-Optimierung gewesen, aber was wir alle nicht vergessen dürfen: In meine Amtszeit ist einmal die Flüchtlingskrise gefallen und dann haben wir aktuell Corona. Und ich wäre gerne weiter bei der Veränderung der Arbeitsplätze bei uns im Rathaus gewesen, um die Bedingungen für die Kollegen zu verbessern. Das wäre noch wirklich so eine Herzensangelegenheit gewesen. Genauso, wie ich das das damals in den 90er-Jahren für mich erlebt habe.

Was war das für Sie wichtigste Projekt, dass Sie in Ihrer Amtszeit umsetzen konnten?

Beim Gymnasium sind wir durch die veränderte Oberstufe und dem Abschluss des Baukörpers mit Mensa dabei, unser Ganztagsangebot auf ein vernünftiges Niveau zu heben. Für mich ist gerade dieser Schulstandort einer, den ich auch für mich immer sehr emotional gesehen habe. Ich durfte als Leiter der Schulabteilung diesen Standort mitentwickeln und habe das Gebäude vom ersten Spatenstich bis zur Erweiterung begleiten dürfen. Ein weiterer ganz großer Bereich, der immer ein bisschen eine Nische darstellt, ist unsere Kläranlage. Die haben wir in den vergangenen Jahren noch einmal technisch aufgewertet, um auch zukunftsfähig zu sein. Und es ist vermutlich auch kein Geheimnis, dass mir die Feuerwehren immer sehr am Herzen gelegen haben. Ich hoffe, dass die Feuerwehrkameradinnen und -kameraden das auch immer anhand meiner Entscheidungen der vergangenen sechs Jahre gespürt haben. Von daher hat mich das kleine Abschiedsgeschenk von unserem Gemeindebrandmeister sehr gefreut. Das macht mich schon stolz.

Sie „vererben“ Ihrem Nachfolger Holger Bahrenburg wie schon bereits angesprochen mit der sogenannten Schnittstellen-Optimierung und weiterhin mit den Jahresabschlüssen einige Baustellen, dazu stehen Investitionen in Schulen, bei der Feuerwehr und der Verwaltung an. In welchem Zustand ist die Samtgemeinde Ihrer Ansicht nach?

Grundsätzlich sehe ich die Samtgemeinde als sehr gut aufgestellt. Ich hatte ja eingangs gesagt, dass es bei vielen Themen ein laufender Prozess ist. Wir haben bei den Feuerwehren in den vergangenen Jahren große Schritte gemacht, so bei den Fahrzeugen und wir haben neue Gerätehäuser bauen können. Dagegen wird die Ganztagsschule im Grundschulbereich noch mal eine Herausforderung für die Samtgemeinde sein. Und da hoffe ich, dass alle die, die jetzt politisch in Verantwortung treten von Bund und Land mit Fördermitteln ausgestattet werden.

Sie mussten lange ohne Allgemeinen Stellvertreter und Ersten Samtgemeinderat auskommen. War die Belastung zumutbar?

Der Ausfall meines Kollegen Jürgen Schlusnus, der dann ja auch krankheitsbedingt ausgeschieden ist, war natürlich nicht nur der Ausfall einer Arbeitskraft: Mit ihm habe ich viele Jahre eng zusammengearbeitet, wir haben fünf Jahre die Gemeinde als Gemeindedirektor und Stellvertreter geleitet. Wir haben sehr eng zusammengearbeitet, von daher war das eine emotionale Belastung, wenn ein so enger Kollege und Freund erkrankt. Wenn das auch noch jemand ist, der eine so wichtige Position innerhalb des Rathauses innehat, führt das unstrittig zu einer Mehrbelastung im gesamten Leitungsbereich. Ich hatte immense Unterstützung von den Kollegen insgesamt, aber auch auf der Abteilungsleiterebene, die das ein oder andere natürlich abfedern mussten. Aber da ist natürlich auch relativ viel auf meinem Schreibtisch liegen geblieben, sodass ich da schon an manchen Tagen an meine Grenzen gegangen bin. Die zwei Jahre waren schon sehr kräftezehrend.

Sie sind aus privaten und persönlichen Gründen nicht mehr angetreten. Hätten Sie ansonsten gerne weitergemacht?

Ich werde die Aufgaben, die jetzt anstehen, mit Interesse verfolgen. Es ist jetzt nicht so, dass ich mich jetzt hundertprozentig aus den Themen rausziehe. Dafür habe ich dieses Amt immer sehr emotional auch gelebt. Ich bin in der Samtgemeinde groß geworden, ich komme aus Horstedt, ich habe mein ganzes Leben hier verbracht, und es war daher für mich auch immer eine Herzensangelegenheit. Und von daher habe ich versucht, meine Sichtweise zu Themen in politische Mehrheiten umzuformen.

Ist es für Sie daher in Ordnung, sich nun zurückzuziehen?

Ich hatte mich im vergangenen Jahr schon entschieden und auch frühzeitig bekannt gegeben, dass ich nicht mehr kandidieren werde. Und diese Entscheidung ist mir auch nicht leicht gefallen. Aber ich habe es als Fairness den politischen Parteien und allen Interessenten gegenüber gesehen, dass sie sich damit in Ruhe auseinandersetzen können. Aber das war mehr als eine schlaflose Nacht, um sich da zu entscheiden.

Aber Sie können mit dieser Entscheidung nun leben?

Ich kann mit dieser Entscheidung gut leben.

Welchen guten Rat geben Sie Holger Bahrenburg noch mit auf den Weg?

Ich werde Holger Bahrenburg einen Rat geben, wenn er mich nach einem Rat fragt – und ansonsten ist es Anstand und Fairness, sich soweit zurücknehmen zu können und die Dinge aus der zweiten Reihe zu betrachten – und nur zu reden, wenn man gefragt wird.

Wie geht es jetzt für Sie weiter, worauf freuen Sie sich jetzt besonders?

Ich freue mich jetzt erst einmal auf mehr Freizeit, und ich glaube, das geht allen Kollegen und Kolleginnen im Landkreis so, die jetzt ihren Dienst beenden. Die letzten Jahre, ob nun die Flüchtlingskrise oder Corona, waren für uns alle noch mal eine Schippe obendrauf. Und jetzt ist für mich die Zeit, wo ich die Zeit für meine Familie nutzen werde. Unsere Kinder sind weitestgehend groß und wohnen außerhalb, daher wird jetzt der ein oder andere Besuch auch mal häufiger sein. Dazu werde ich im Januar 60 Jahre alt, da bin ich mir sicher, nochmal das ein oder andere finden, wo ich sage: Das ist noch mal eine sinnvolle Aufgabe für mich. Aber soweit bin ich noch nicht.

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