Auf Personensuche in Sottrum:

Mit der Spürnase unterwegs

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Molly hat Daniela Fritsche (l.) gefunden und darf sich von ihr und Sabrina Behling feiern lassen.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Es ist sehr warm an diesem Tag. Da gilt es, die Hunde in den Autos ganz besonders zu schützen. Das berichtet Corinna Schlageter während sie ihr Auto unter einer Plane verhüllt. Sie ist Trainerin für Mantrailing – also die Suche nach Personen. Das Alu-Auto, wie sie es scherzhaft nennt, sorgt dafür, dass die Luft sich im Inneren nicht zu stark erwärmt, und die Hunde sich eine Zeit lang bei geöffneten Fenstern in dem Auto aufhalten könne.

Alexandra Coldewey macht sich mit ihrem Beagle Bella auf Spurensuche im Sottrumer Ortskern.

Ein bisschen Geduld brauchen die tierischen Freunde nämlich an diesem Tag. Denn beim Maintrailing ist immer ein Hund nach dem anderen dran. Die Teilnehmer trudeln nach und nach im Sottrumer Ortskern ein und schon geht es los. Heute sind Daniela Fritsche mit Boma (Rhodesian Ridgeback), Alexandra Coldewey mit Bella (Beagle), Sabrina Behling mit Molly (Mini-Bullterrier) und Elmo (Dackel) und Corinna Schlageter mit Kalle Wirsch und Lilo (beide Beagle) mit dabei – und ich.

Beim Mantrailing, dass für Trainerin Corinna Schlageter und ihre Begleiter nur ein Hobby ist – geht es darum, dem Vierbeiner beizubringen, einen Menschen zu suchen. Und das ist gar nicht so einfach – obwohl für den Hund vermutlich schon. Jeder Mensch hat einen sogenannten Individualgeruch. Diesen kann das Tier verfolgen. Und dabei ist es egal, ob auf Sand, Kies oder Asphalt. Der Individualgeruch ist so einzigartig, wie der Finderabdruck eines Menschen, erklärt Schlageter.

Den Anfang macht Daniela Fritsche mit Boma. Einer aus der Fünfer-Gruppe ist die Person, die es zu finden gilt. Dafür bringt jeder ein Kleidungsstück oder einen Gegenstand, den er oft bei sich hat, mit zu den Übungen. An diesem haftet der Individualgeruch des Menschen. Schon nach kurzer Zeit hat Boma das Ziel ausgemacht und bekommt seine Belohnung: Käsewürfel.

„Die Hunde bekommen beim Training immer etwas ganz Besonderes zu fressen als Jackpot“, sagt die Trainerin. Und da kommen ganz ausgefallene Sachen zusammen. Leberwurst in Quark, Frikadellen und Lachscreme aus der Tube wartet da auf die Feinschmecker. Dabei darf es auch gerne ein bisschen mehr sein – ist ja schließlich eine Belohnung.

Corinna Schlageter macht deutlich, dass es sich bei dem Training um Hundesport handelt. Daher benutzt sie auch lieber den Begriff „Sporttrailer“, um zu verdeutlichen, dass die Teilnehmer beim Mantrailing nicht für einen realen Einsatz trainieren. „Nur geprüfte Hunde kommen im Ernstfall zum Einsatz“, erklärt die gebürtige Mannheimerin. Die Gesetzeslage in Niedersachsen sei da sehr streng, und Privatpersonen dürfen eine professionelle Personensuche nicht anbieten. Damit der Hund überhaupt für Rettungseinsätze infrage kommt, muss das Tier eine Sichtungsprüfung bei der Polizei ablegen – und dabei fallen eine ganze Menge durch das Raster. „Deshalb gibt es in Niedersachsen wenige Mantrailer“, berichtet Schlageter, die die strenge Regelung in Niedersachsen aber begrüßt und betont: „Nur fünf Prozent der Einsätze enden bei realen Einsätzen mit einem Fund, und das nicht immer lebend.“

Das ist beim Training in Sottrum zum Glück anders. Nach der ersten – noch recht einfachen – Runde soll es jetzt ein wenig schwieriger zugehen, also auf zu Runde zwei. Jetzt kommt mein Einsatz. Mit Lilo, der Beagle-Hündin von Schlageter, mache ich mich auf den Weg. Sabrina Behling übergibt mir ihren Geruchsartikel – ein Schlüsselbund –, den ich Lilo unter die Nase halten muss, und verschwindet. Ich sehe wohin sie geht, Lilo aber wird abgelenkt und hat keine Ahnung. Ich bin gespannt, ob sie mich an den richtigen Ort führt. Kurz einmal am Schlüsselbund geschnuppert und los geht die rasante Tour, den Blick starr auf die Spur gerichtet, die für uns Menschen unsichtbar ist. In diesem Moment ärgere ich mich, dass ich nicht doch meine Turnschuhe angezogen habe. Die wären jetzt deutlich hilfreicher als Sandalen, denn Lilo legt ein ordentliches Tempo vor. Es sei wichtig, ein Team mit dem Hund zu bilden, ihn lesen zu können und nicht nur hinten an der Leine zu hängen – ein Glück, dass Lilo schon so gut ausgebildet ist, dass sie meine Hilfe nicht mehr braucht, denn eine wirkliche Ahnung, worauf sie los will, habe ich nicht. Schon nach kurzer Zeit haben wir Sabrina Behling gefunden, die sich hinter einer Hausecke versteckt, und Lilo macht sich über ihre Belohnung her. Ihrer Besitzerin ist anzusehen, dass sie mit der Leistung der Beagle-Dame zufrieden ist.

Schlageter betont, wie wichtig dieses Training für die Hunde ist. „Sie lieben jede Form der Nasenarbeit. Das Training ist eine super Auslastung für die Hunde.“ Es gebe zwar Unterschiede zwischen den Rassen – Jagdhunde sind besser als die Französische Bulldogge ausgestattet –, aber jeder liebt die Arbeit mit der Nase.

Boma liebt die Arbeit an diesem Nachmittag ganz besonders und so darf sich der Rhodesian Ridgeback auf die Suche nach mir begeben. Corinna Schlageter nimmt mich mit zu meinem Versteck. Vorbei am Sottrumer Heimathaus geht es rüber zur Kirche, einmal über den Vorplatz und an der Eingangstür links vorbei. Dort warte ich geduldig, ob Boma mich findet. Das dauert dieses Mal ganz schön lange. Gut, ich bin auch nicht dabei, und hetze hinter einem Hund hinterher. Doch nach ein paar Minuten höre ich das mittlerweile vertraute Bellen. Boma hat mich gefunden. Schon saust er um die Ecke und stürzt sich auf die Käsewürfel in der Brotdose auf meinem Schoß.

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