Virtuose begeistert Publikum

Pavel Steidl eröffnet Rotenburger Gitarrenwoche mit Meisterkonzert

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Der tschechische Musiker Pavel Steidl spielte den Auftakt der Gitarrenwoche in der Ahauser Kirche. Mehr als zwei Stunden zeigte er dem Publikum sein Können an der Romantikgitarre.

Ahausen - Von Heidi Stahl. Die letzten Sonnenstrahlen dieses schwülwarmen Sommerabends fielen durch die farbigen Bleiglasscheiben der St.-Marienkirche zu Ahausen, als der ganz in Schwarz gekleidete, nicht sehr große Musiker aus Tschechien mit seiner kostbaren Gitarre im Altarraum Platz nahm. Was dann geschah, kann man nur mit einer Art Verzauberung vergleichen.

Mucksmäuschenstill waren die zahlreich erschienenen und fachkundigen Zuhörer, und das nicht nur, weil Radio Bremen dieses Konzert als Livemitschnitt aufzeichnete.

Rotenburger sind Steidls zweite Familie

Bevor Pavel Steidl mit einer Menuettfolge von Fernando Sor (1778-1839) sein Meisterkonzert eröffnete, hatte Hans-Wilhelm Kaufmann, Leiter der Rotenburger Gitarrenwoche, bescheiden darauf hingewiesen, dass „das Konzept ja wohl stimmen müsse“, wenn die Gitarrenwoche, die gleichzeitig Akademie und Festival ist, in diesem Jahr bereits zum 35. Mal seit 1982 stattfindet. Auch für Steidl ist es schon die fünfte Teilnahme an dieser Veranstaltung. Er bezeichnet die Rotenburger Musikfreunde liebevoll als seine zweite Familie und sagt über die Gitarrenwoche mit ihren Workshops, Seminaren und Konzerten: „It is really a part of my life“ („Es ist wirklich ein Teil meines Lebens“).

Der 1961 geborene Steidl lebt mit seiner Frau Jana, die ebenfalls Musikerin ist, in dem kleinen Dorf Skryje zwischen Prag und Pilsen auf einem Bauernhof mit den Hunden Dorinca und Fedorca, einigen Pferden, Gänsen und Hühnern. Oft kann er diese ländliche Idylle aber nicht genießen, da der international renommierte Gitarrist das Jahr über Konzerte in aller Welt gibt und schon mehr als 40 Länder auf allen Erdteilen kennengelernt hat. Zusätzlich unterrichtet er, wie auch seine Frau, an der Akademie der musischen Künste in Prag und hat mit ihr in Skryje eine Musikschule.

Mittwoch kostenloses Konzert von Luis Manuel Molina

Seine Konzerte sind nicht nur ein musikalischer Genuss, er versteht es auch, mit seiner ausdrucksvollen und unvergleichbaren Mimik ein Zwiegespräch mit seiner schmucklosen und doch so kostbaren Romantikgitarre, die ein Nachbau von 1820 ist, zu führen, das die Zuhörer in ihren Bann zieht. Wie Sektperlen stiegen die klaren und weichen Kadenzen und Töne in unwahrscheinlich schneller Abfolge hoch unter das gewölbte Kirchendach und erfüllten die Zuhörer mit staunender Begeisterung. Mit einer Auswahl von Sonaten von Nicolo Paganini und Luigi Legnani wagte er einen Vergleich zwischen den beiden Komponisten, indem er abwechselnd und mit leisem Humor die unterschiedliche künstlerische Handschrift des einen und des anderen demonstrierte.

Kein anderes Instrument hat so viele Ausdrucksmöglichkeiten wie die Gitarre. Sie kann das ganze Spektrum der Instrumente in einem Orchester zum Klingen bringen, wenn sie so meisterhaft beherrscht wird, wie es bei Steidl der Fall ist. Das bewies er explizit mit einem Stück von Carlo Domeniconi (*1947), der ihm mit dieser „Steidleriana“ genannten Komposition, ein persönliches Geburtstagsgeschenk gemacht hatte. Hier konnte er alle Register seines Könnens ziehen und mit der eigenen Stimme mit lautmalerischen, an Didgeridoos erinnernden Tönen oder leisem Pfeifen die Melodie der ihm gewidmeten Komposition untermalen. Kein Wunder, dass es dafür wirklich minutenlangen Beifall gab und ihn das fachkundige Publikum selbst nach einem über zweistündigen Konzert nicht ohne Zugabe gehen lassen wollte.

Am Mittwoch gibt es in der Ahauser Kirche um 15 Uhr noch ein zusätzliches, nicht angekündigtes Konzert mit dem kubanischen Gitarristen Luis Manuel Molina. Hans-Wilhelm Kaufmann ist es tatsächlich gelungen, in dem vollgestopften Stundenplan dieses, von vielen ersehnte Einzelkonzert Molinas noch unterzubringen und zudem kostenlos den Musikbegeisterten anzubieten.

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