Pastor Olaf Feuerhake über die Besonderheiten des Konfirmandenunterrichts in Sottrum

„Der Höhepunkt sind die Freizeiten“

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Olaf Feuerhake kümmert sich um die Sottrumer Konfirmanden.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Mit dem Thema Kirche beschäftigen sich viele Jugendliche nur im Religionsunterricht in der Schule oder in ihrer Zeit als Konfirmanden. Pastor Olaf Feuerhake aus Sottrum erzählt, was er und sein Kollege Diakon Volker Renke machen, um den Unterricht besonders zu gestalten und wie viele der Jugendlichen sie nach der Konfirmation noch einmal wiedersehen.

Herr Feuerhake, warum werden Jugendliche überhaupt konfirmiert?

Olaf Feuerhake: In der Bibel und den ersten Jahrhunderten war es üblich, dass sich Erwachsene taufen ließen. Dann kam die Tradition der Kindertaufe und damit die Frage, ob der Jugendliche sich zur Kirche bekennt. Die Reformation hat die Konfirmation erfunden, weil es hieß, wir müssen Jugendlichen in einem Alter, in dem sie anfangen selbst zu entscheiden, die Gelegenheit geben, zu lernen, was es mit dem Glauben auf sich hat.

Die Jugendlichen müssen also vorher getauft sein, um überhaupt an der Konfirmation teilnehmen zu dürfen?

Feuerhake: Es gibt einen Prozentsatz von nichtgetauften Konfirmanden – der liegt so zwischen zehn und 15 Prozent in Sottrum. Mit denen reden wir natürlich noch einmal besonders über die Bedeutung der Taufe. Und seit einigen Jahren haben wir einen zentralen Taufgottesdienst für die gesamten Region, Horstedt, Ahausen und Sottrum.

Gibt es auch Jugendliche, die zum Unterricht kommen, deren Eltern gar nicht mehr in der Kirche sind?

Feuerhake: Ja, die gibt es. Die Situation ist die: Wir schreiben vor jedem Jahrgang die Jugendlichen an und laden sie zur Konfirmation ein. Erfassen in unserem Mitgliederbestand aber nur die Familien, in denen mindesten eine Person in der Kirche ist. Dann spricht es sich natürlich unter den Jugendlichen herum. Und es kommen auch andere, die sagen, ich habe gar keine Einladung gekriegt. Denen erklären wir, dass wir sie nicht anschreiben konnten, aber sie natürlich herzlich eingeladen sind.

Sind es denn merklich weniger Jugendliche, die sich konfirmieren lassen?

Feuerhake: 2011 hatten wir in der Region 153 Konfirmanden. Dieses Jahr 109. Wir beobachten gerade, wie sich das entwickelt. Es könnte sein, dass es einen Abwärtstrend gibt, aber da muss man auch hinterfragen, wie die demographische Situation ist.

Was machen Sie, um den Unterricht attraktiver zu gestalten?

Feuerhake: Wir haben 2009/10 ein neues Konfirmandenmodell etabliert. Das umfasst wenig Wochenunterricht, weil die Konfirmanden, gerade vom Gymnasium, viel mit der Schule zu tun haben. Zusätzlich haben wir Projekttage am Samstag, wo die Konfirmanden etwas miteinander erleben können. Und ganz wichtig ist das Wegfahren. Der Höhepunkt sind wirklich die Freizeiten. Der zweite, ganz wichtige Punkt ist die Arbeit mit Teamern. Das ist dann nicht mehr so, dass ich als Pastor oder mein Kollege, der Diakon Volker Renke, vor einer großen Klasse sitzen, sondern die Jugendlichen. Die Teamer sind so 16 bis 17 Jahre alt und arbeiten in Kleingruppen mit den Konfirmanden. Die Teamer haben auch eine Art Vorbildfunktion. Und man erlebt, dass sind nicht nur die alternden Pastoren, die Spaß daran haben, mit uns zu arbeiten.

Wie viele der Jugendlichen sehen Sie denn tatsächlich nochmal in der Kirche wieder, wenn die Konfirmation gelaufen ist?

Feuerhake: Konfirmandenunterricht ist das Angebot, mit Jugendlichen als Kirche ins Gespräch zu kommen. Und dann gucken die Jugendlichen, wie das auf sie wirkt. Wenn dann einer sagt, danke für das Jahr, aber ich merke gerade, das interessiert mich nicht so, finde ich das völlig legitim. Wenn ein Konfirmand entscheidet, nach der Konfirmation muss ich erstmal nicht mehr in der Kirche auftauchen, dann habe ich nicht das Gefühl, er ist hinten runtergefallen. Ich habe die Hoffnung, dass er eine gute Erfahrung gemacht hat, die ihn in seinem Leben begleitet. Zum Beispiel dann, wenn er sich bewusst entscheidet, kirchlich zu heiraten oder sein Kind zu taufen.

In Sottrum gibt es ja eine Art „Punktesystem“ für die Konfirmanden. Was genau hat es damit auf sich?

Feuerhake: Klassischer Konfirmandenunterricht war früher so, dass der Jugendliche jeden zweiten Sonntag zur Kirche gehen musste. Wir haben gesagt, es ist offenkundig, dass der normale Sonntagsgottesdienst nicht das angemessene Format für Jugendliche ist, da brauchen wir uns gar keinen Illusionen hinzugeben. Und deswegen haben wir gesagt, sie brauchen den in ihrem einen Jahr Konfirmandenunterricht nur zwölf Mal zu besuchen. Zusätzlich müssen sie aber noch Aktivpunkte sammeln. Wir machen ihnen Angebote, wo sie sich an verschiedenen Orten in der Kirchengemeinde engagieren können. Zum Beispiel können sie in der Lebensmittelausgabe oder der Hausaufgabenhilfe mithelfen. Dann müssen sie sich attestieren lassen, dass sie anwesend waren.

Sind noch Jugendliche dabei geblieben und helfen weiter in den Einrichtungen?

Feuerhake: Ja, das gab es.

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