Mittwoch kommt der Möbelwagen

Pastor Johannes Rehr geht in den Ruhestand und zieht in die Heide

Zu der Orgel, die in der Kirche stehen wird, hat Pastor Johannes Rehr einen besonderen Bezug, denn er war vor mehr als einem Vierteljahrhundert am Bau beteiligt.
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Zu der Orgel, die in der Kirche stehen wird, hat Pastor Johannes Rehr einen besonderen Bezug, denn er war vor mehr als einem Vierteljahrhundert am Bau beteiligt.

Sottrum – Beim Kirchenneubau der Sottrumer Zions-Gemeinde, die der Selbständigen Evangelisch-Lutherischen Kirche (SELK) angehört, läuft der Endspurt. Maßgeblich an der Planung beteiligt war Pastor Johannes Rehr, der neben Sottrum auch die Gemeinde in Sittensen betreut. Wenn am 4. Juli die Kirchenweihe erfolgt, wird der 65-Jährige jedoch nur als Gast dabei sein, denn nach 37 Jahren als Pastor, davon 14 als Propst in der Kirchenleitung der SELK, geht er in den Ruhestand.

Am Mittwoch steht der Möbelwagen vor dem kleinen Pfarrhaus am Kreuzweg. „Es ist das erste Mal, dass wir ein Umzugsunternehmen in Anspruch nehmen“, erzählt Johannes Rehr. Und Umzüge gab es in seinem Leben schon viele. Als Pastorenkind in Berlin geboren und in Frankfurt aufgewachsen, verbrachte er die Jugendzeit bis zum Abitur in Uelzen. Das Studium absolvierte er an der SELK-Hochschule in Oberursel und an der Universität in Göttingen, wo er auch am kirchenmusikalischen Seminar die C-Prüfung ablegte.

Vor seinem Studium in Göttingen heiratete 1978 er seine Ehefrau Christine, die dort an der Pädagogischen Hochschule Musik und Mathe studierte. Anschließend ging es für die junge Familie für ein halbjähriges Praktikum nach Witten in die dortige SELK-Gemeinde, nach dem ersten Theologischen Examen ins Vikariat nach Nordhessen. Nach dem zweiten Examen folgte die erste Pfarrstelle in Marburg. Nach fünf Jahren ging es weiter nach Lüchow-Dannenberg, damals noch Zonengrenzgebiet. Nur wenige Wochen später öffnete sich der eiserne Vorhang.

Noch sind einige Arbeiten an der Kirche der Zions-Gemeinde zu erledigen. Die Weihe am 4. Juli wird Johannes Rehr als Gast miterleben.

„Es war der Hammer“, wird Rehr die Ereignisse wohl nie vergessen. 14 Jahre wirkte er dort als Pastor, bevor er die Berufung nach Bad Essen in die SELK-Gemeinde in Rabber annahm.

2011 nahm er eine Berufung in die SELK-Gemeinde in Sottrum an. Ein Schwerpunkt lag hier auf der Arbeit mit Kindern- und Jugendlichen. Dazu gehörte auch die Musik. Die Resonanz war überwältigend: „Wir konnten für unsere Jungbläser 2012 28 neue Blasinstrumente anschaffen. Das habe ich vorher noch nicht erlebt“, erklärt Rehr begeistert, weil in jedem Gottesdienst eine Bläsergruppe – derzeit unter Einhaltung der Coronavorschriften – aktiv ist. Zeitgleich wuchs die Zionsgemeinde immer weiter an. „Es zogen viele junge Familien nach Sottrum“, erzählt der Pastor nicht ohne Stolz. Durch die steigende Anzahl der Gemeindeglieder, die nicht nur auf dem Papier vorhanden sind, sondern auch die Gottesdienste besuchen, wurde aber die Kirche zu klein. „Wo erlebt man das in der heutigen Zeit schon?“, fragt Johannes Rehr.

Daher wurde vor acht Jahren die erste Idee für eine Vergrößerung entwickelt, die derzeit in Form des Neubaus an der Marconistraße umgesetzt wird. Als einen Grund für das Wachstum sieht er die Suche nach Orientierung, besonders unter jungen Leuten. „Im Gottesdienst werden wir reich beschenkt. Als Pastor kann ich den Weg weisen durch den Tod zum ewigen Leben. Dafür hat Gott seinen Sohn auf die Erde gesandt.“

Für die Zeit in der Wiestegemeinde ist Johannes Rehr „unwahrscheinlich dankbar“. Großen Anteil hat seine Ehefrau: „Christine hat mir in all den Jahren den Rücken freigehalten. Sie war und ist mir eine wunderbare Hilfe“, schwärmt er auch nach weit mehr als 40 Ehejahren. In Erinnerung bleiben wird sicherlich die große Anzahl der Gottesdienste in der Coronazeit. „Um allen Platz zu bieten, trotzdem aber die Hygienevorschriften einzuhalten, gibt es derzeit jedes Wochenende vier Gottesdienste in Sottrum und zwei in Sittensen“, so Johannes Rehr. Obwohl im Frühjahr 2020 für einige Wochen alle Gottesdienste ausgesetzt waren, summierte sich so die Anzahl im vergangenen Jahr auf seinen persönlichen Rekordwert von 175.

Dieser Umzug wird Christine und Johanes Rehr in die Lüneburger Heide nach Wriedel führen. Dort steht seit längerem ein Pfarrhaus leer, denn die dortige SELK-Gemeinde hat keinen Pastor mehr vor Ort. „Wir sind froh und dankbar für diese Gelegenheit“, sagt Rehr, den das Glockengeläut der benachbarten Kirche alles andere als stört. Vor dem Ruhestand ist ihm nicht bange. „Ich werde mich wieder der Kirchenmusik widmen und eine Chorleitung übernehmen sowie in der neuen Gemeinde Orgel spielen“, erzählt er. Dazu benötigt nicht nur der große Garten des Pfarrhauses regelmäßig Pflege, sondern Pastoren im Ruhestand werden gerne gefragt, wenn Vertretungen für Gottesdienste benötigt werden. „Wir werden Aufgaben finden, von denen wir noch gar nichts wissen. Dafür braucht man nur mit offenen Augen durch den Ort zu gehen“, meint Johannes Rehr, der aber auch keine Probleme damit hat, „sich mit gutem Gewissen in die Sonne zu setzen.“

Mit dem Umzug in die Heide nähert sich das Ehepaar nicht nur Johannes Rehrs Wohnort in der Jugend: „Wir kommen auf E-Bike-Entfernung zur Heimat von Christine“, sagt Johannes Rehr. Auch Winsen, wo ein Sohn des Paares wohnt, ist nicht weit entfernt. „Zu unseren sechs Kindern haben wir sechs Schwiegerkinder“, so der Pastor und fügt schmunzelnd hinzu: „Und 15,5 Enkelkinder“.

Die Nachfolge für ihn ist schon geklärt, denn der Wunschkandidat der Zionsgemeinde, der derzeit in Ostwestfalen wirkt, hat die Berufung angenommen. Trotzdem wird die Pfarrstelle etwa ein Jahr vakant bleiben. „Er bildet bis zum kommenden Jahr noch einen Vikar aus“, begründet der 65-Jährige die Vakanz.

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