Gebiet unter Naturschutzgebiet

Saunafässer und Partys an der Wümme: Der Fluch der Fischtreppen seit Corona

Müll im Naturschutzgebiet
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Manche haben es sich im Naturschutzgebiet zu gemütlich gemacht.

Seit Corona treibt es mehr Menschen in die Natur – und immer wieder auf illegale Wegen oder an verbotene Orte. Das bekommen auch Bereiche wie die Ahauser Wümmeniederung in Form von Partyhinterlassenschaften und abgesägten Ästen und Bäumen zu spüren.

Ahausen – Party pur hieß es diesen Sommer in der Ahauser Wümmeniederung. Besonders viel los war im Bereich der Hassendorfer Schleuse, aber auch an der alten Sanderburg flussaufwärts Richtung Unterstedt. Die Wümme selbst wurde durch unendliche viele Kanuten befahren, sogar ein Boot mit Außenbordmotor war unterwegs. Seit Corona sind hier wie anderswo mehr Naturnutzer anzutreffen.

Ein schönes Fleckchen Erde ist die Wümmeniederung in Ahausen. Besonders rings um die Hassendorfer Schleuse gefällt es Menschen. So sehr, dass sie sich sogar mit einem Saunafass in ein kleines Wäldchen stellen, Taufe feiern oder einfach an der Sohlgleite in der Sonne liegen und dort baden – was verboten ist. Äste und Bäume fallen dabei durchaus der Säge zum Opfer – ebenfalls verbotenerweise.

2014, als hier die Durchgängigkeit der Wümme hergestellt wurde, freuten sich Beteiligte, einen Ort für Naturbegeisterte geschaffen zu haben. Bereits kurz darauf hatte die Kommune „Ärger“ mit Grillpartys und Müll am Ufer, das auch zur Hundeauslauffläche mit entsprechenden Hinterlassenschaften wurde. Die Wiesen werden zu jeder Jahreszeit querfeldein heimgesucht. In den Folgejahren entwickelte sich die Ecke zu Partymeile, Sonnenterrasse und Badestelle, genauso wie die alte Sanderburg. Dort gab es in diesem Jahr ebenfalls lautstarke Partys mit Heavy Metal und, laut Zeugen, harter Genussmittel. Für Kontrollen ist der Landkreis zuständig, doch der ist laut Kreissprecherin Christine Huchzermeier am Wochenende nicht im Dienst.

Die Durchgängigkeit der Wümme geriet von unberührter Naturlandschaft zu einem Fluch. Gegen 22 Personen wurde laut Landkreis Anzeige erstattet, die mit einem Bußgeld zu rechnen haben. Laut Polizei, die „draußen“ war, handelt es sich dabei um „verbotenen Aufenthalt im Naturschutzgebiet“.

Gebiet an der Wümme steht unter Naturschutz

Obwohl die Durchfahrt mit Kraftfahrzeugen von Ahausen nach Hassendorf (und umgekehrt) verboten ist und Schilder darauf hinweisen, sind seit Jahren Autos und Campingfahrzeuge in den Wiesen anzutreffen. Fröhlich wird der Tisch für das Frühstück auch einfach zwischen geschwadetes Heu gestellt. „Das machen wir schon seit Jahren“, ist eine geläufige Antwort. „Google hat uns hierher geführt“, ist ebenfalls keine seltene Aussage von Campern im Naturschutzgebiet. Die Verkehrsregelung gilt laut Landkreis auch für Kanuverleiher, die gerne bis an die Badestelle beziehungsweise den Kanuausstieg vor der Hassendorfer Schleuse mit ihren Anhängern heranfahren.

Vormals Landschaftsschutzgebiet beziehungsweise FFH-Gebiet „Wümmeniederung“, fiel das eine oder andere sicher nicht ins Gewicht. Doch seit vergangenem Jahr ist die Niederung Naturschutzgebiet („Wümmeniederung mit Rodau, Wiedau und Trochelbach“ ), Nummer 49 im Landkreis, und es gelten andere, weitergreifende Regeln. Doch, ob die roten Schilder zu klein sind, Menschen aus Gewohnheiten handeln, sie die Unterschutzstellung nicht mitbekommen haben oder ignorieren, wird sich niemals abschließend klären lassen.

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Der Großteil der Besucher weist auswärtige Kennzeichen auf, da liegt nahe, dass vielen von ihnen entgangen ist, dass sich der Schutzstatus geändert hat. „Das hat der Eigentümer erlaubt“, ist eine Antwort Beteiligter eines Zeltlagers im Wald, einer Frühstückstafel und einer Kinorunde auf der Wiese oder der jährlichen Taufveranstaltung. Die ganzjährige Anleinpflicht im Schutzgebiet ist den Hundehaltern oft unbekannt. Aber selbst während der Brut- und Setzzeit (1. April bis 15. Juli) ist das ein wiederkehrender Diskussionspunkt; auch außerhalb der freien Landschaft.

Schilder zu klein?

Ein Problem, wie andernorts auch, ist der Müll, der hinterlassen wird oder mitunter in der Wümme schwimmt, wie Bierdosen der Kanuten, die die Tour zum Feiern nutzen. Mancher Unrat, den Feiernde hinterlassen, wird dann mitunter von den nachfolgenden Partymachern mitgenommen. Doch oft genug bleibt an den Badestellen, die in der Regel keine offiziellen sind, welcher liegen.

Zur Größe der „kleinen“ Schilder, die auf das Naturschutzgebiet hinweisen, schreibt Kreis-Pressesprecherin Christine Huchzermeier, „dass das Design der Schilder durch das Niedersächsische Umweltministerium vorgegeben wird“. Auf die Frage, ob ein QR-Code darauf möglich wäre, heißt es aus dem Kreishaus, dass die Urfassung des Erlasses aus 2009 stammt. Damals seien noch keine QR-Codes thematisiert worden. „Ob eine Abweichung von diesen Vorgaben überhaupt zulässig ist, müsste in einem ersten Schritt mit dem Ministerium geklärt werden. Im zweiten Schritt wären dann die technische Umsetzbarkeit sowie die daraus entstehenden Kosten zu ermitteln“, so Huchzermeier. Und, natürlich bleibt die Frage, wer von den Spaziergängern sich tatsächlich die Mühe machen würde, ihn zu scannen und sich mit den Details des NSG zu befassen. Huchzermeier: „Derzeit sieht der Landkreis aber nur einen geringen zusätzlichen Nutzen. Mittels Smartphone kann die Verordnung von Interessierten über einschlägige Suchmaschinen ohne größeren Aufwand aufgerufen werden.“

Spuren des Bibers

Da auf den Schildern ein Fischotter abgebildet ist: Wie ist Stand der Dinge? „Der Fischotter kommt überwiegend in den schmaleren Oberläufen sowie Nebengewässern vor“, heißt es von Huchzermeier. Der Betrieb tagsüber störe den Räuber nicht, solange er ruhig ablaufe. Wenn sich alle an die Kanu-Verordnung halten, klappe es mit dem Marderartigen. Biber wurden ebenfalls genannt, als es darum ging, die Niederung unter Schutz zu stellen. Wo er sich aufhalte, wollte damals die Naturschutzbehörde im Rahmen der Informationsabende nicht verraten. Aus Artenschutzgründen.

Erst hieß es in diesem Jahr von Kreis, dass ein Vorkommen nicht bekannt sei, später dann: „Spuren wurden an der Kreisgrenze zum Landkreis Verden auf Rotenburger Gebiet vorgefunden. Nach aktuellen Informationen sind weitere Spuren zwischen Scheeßel und Rotenburg vorhanden, die aber noch nicht abschließend von Experten ausgewertet wurden. Eine dauerhafte Ansiedlung des Bibers im Landkreis ist also noch nicht bestätigt.“ In Fischerhude wurden vor einigen Jahren schon durch Biber gefällte Bäume entdeckt, in Hellwege waren vor wenigen Jahren gleichfalls angenagte Bäuem gefunden worden. Der Niedersächsische Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz hatte bei der Ausspülung an der Sohlgleite in Hellwege 2019 ebenfalls nicht ausgeschlossen, dass Biber oder Nutria dafür verantwortlich sind. „Wenn ein Bibervorkommen bestätigt wird, ist zu prüfen, ob und welche Regelungen erforderlich sind. Dies gilt nicht nur für Kanuten, sondern auch für die zuständigen Unterhaltungsverbände“, so Huchzermeier.

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