Wahl im Herbst

Sottrumer Parteien setzen auf Wolf Linne als Bürgermeisterkandidaten

Wolf Linne ist der gemeinsame Kandidat von CDU, SPD, Grüne und FDP.
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Wolf Linne ist der gemeinsame Kandidat von CDU, SPD, Grüne und FDP.

Die Parteien in der Samtgemeinde Sottrum haben einen Kandidaten für das Bürgermeisteramt gefunden. Wolf Linne, bisher Leiter des Rechnungsprüfungsamtes, wird gegen Direktbewerber Holger Bahrenburg antreten.

  • Wolf Linne kandidiert als Bürgermeister der Samtgemeinde Sottrum.
  • Bisher war er Leiter des Rechnungsprüfungsamtes im Landkreis Rotenburg.
  • Der Unterstedter wird von CDU, SPD, Grüne und FDP getragen.

Sottrum – Das lange Reden hat ein Ende, zumindest intern. Die CDU, SPD, Grünen und FDP haben ihren am Ende doch recht langen Suchprozess nach einem gemeinsamen Kandidaten für das Bürgermeisteramt in der Samtgemeinde beendet. „Ab heute sollen es alle wissen“, kündigt Gerd Helms, Sottrums SPD-Chef, an. Fündig wurden sie in Unterstedt. Mit Wolf Linne schicken sie den aktuellen Leiter des Rechnungsprüfungsamtes des Landkreises ins Rennen.

Mit ihm und Sottrums Gemeindedirektor Holger Bahrenburg, der als Einzelbewerber kandidiert, haben die Wähler am 12. September dann auch wirklich eine Wahl.

Wobei es eine kleine Hürde noch zu überspringen gibt für Wolf Linne. Der 54-Jährige muss erst noch durch die Mitglieder aller beteiligten Parteien bestätigt werden. Die bei der Vorstellung am Donnerstagabend im Sottrumer Heimathaus anwesenden Vorstände äußerten sich alle sicher, dass Linne die Zustimmung auch bekommen würde. Er selbst habe, nachdem er im vergangenen Jahr angesprochen wurde, die Rückendeckung aller Parteien zur Voraussetzung gemacht.

SPD hat schon vor Jahren einmal Kontakt aufgenommen

Bereits bei zur letzten Kommunalwahl 2016 sei er von Wolfgang Harling (SPD) kontaktiert worden, ob er nicht als Samtgemeindebürgermeister kandidieren wolle. Er sei kein sehr politischer Mensch, so die Begründung für seine Absage damals. „Kommunalpolitik sollte Sachpolitik sein“, sagt er. Die Rückendeckung aller hatte es damals aber nicht gegeben. Er wolle aber ergebnisorientiert etwas voranbringen.

Nun wagte Harling im Auftrag des Auswahlkomitees, das aus drei Vertretern je Partei bestand, einen weiteren Versuch – mit Erfolg. Linne hat im Januar 2008 seine Arbeit im Rechnungsprüfungsamt aufgenommen, hat als dessen Leiter ab 2011 die Abteilung so aufgestellt, dass er „sie jetzt für sich nicht mehr weiter optimieren kann“, sagt er. Nach zehn Jahren als Leiter im Kreishaus habe der Routineanteil seiner Arbeit stark zugenommen, und diese sei nicht sein Steckenpferd. Er suche eine neue Herausforderung.

Linne hat das Optimieren gelernt. Vor seiner Arbeit im Kreishaus war er bei der Otto Group in Hamburg unter anderem als Projektleiter Controlling tätig. Der Familie wegen (Linne ist verheiratet und hat zwei Töchter) hat er sich damals ein Job in der Nähe gesucht – und ist im Kreishaus gelandet.

Parteien sind sich einig: Linne ist der „ideale Kandidat“

In einem Pressetext heißt es: Linne habe „die Befähigung zur Führung von Personal sowohl in der freien Wirtschaft als auch in der Verwaltung eindrucksvoll bewiesen.“ Für die Lokalpolitik der ideale Kandidat, angesichts seit der Doppik-Umstellung 2012 vor sich hinsiechenden Jahresabschlüssen oder der angestrebten Verwaltungsreform – Schnittstellenoptimierung genannt.

„Es wäre zu kurz gedacht, wenn ich nur für die Jahresabschlüsse geholt werden würde“, schickt Linne sicherheitshalber voraus, denn dieser Teil der Arbeit sei für die Bürger kaum relevant. Dieser erwarte von einer Samtgemeinde letztendlich die Erbringung Dienstleistungen. Das Bürgermeisteramt vergleicht er mit dem des Geschäftsführers eines „gut geführten Familienunternehmens“.

Die Kommune als Familienunternehmen

Die Familie als Anteilseigner sei dabei die Politik, er wäre die Schnittstelle zur Verwaltung. Für ihn spreche zudem, dass er als Amtsleiter auf Kreisebene alle 13 Kreisrotenburger Hauptverwaltungen gut kenne. Man könne sich Best-Practice-Beispiele abschauen, von den anderen Kommunen lernen. Man sehe auch, wo es woanders Schwierigkeiten gibt.

Der CDU-Ortsvereinsvorsitzende Marvin Heinrich freut sich, dass man einen gemeinsamen Kandidaten gefunden hat, der auch von allen getragen werde, dass man so die spätere Ratsarbeit zukunftsorientiert gestalten könne und man sich nicht „mit irgendeinem Hauptverwaltungsbeamten ,rumärgern‘ muss“. Die Parteien würden natürlich weiterhin im Wahlkampf ihre Schwerpunkte setzen, hätten mit Linne aber eine gemeinsame Basis.

CDU-Chef: „Linne als gemeinsame Basis“

„Er ist hoch qualifiziert“, so Harling, „gerade vor dem Hintergrund, dass wir erhebliche Probleme mit den Jahresabschlüssen haben.“ Man habe den richtigen Mann gefunden. Grünen-Chefin Simone Facktor betonte nochmal Linnes Erfahrungen in Verwaltung und Wirtschaft. „Der gemeinsame Wille war da, den besten Kandidaten zu finden, um der Samtgemeinde was Gutes zu tun“, so ihr Co-Vorsitzender Joris Immenhauser.

Das lange Reden beginnt also von Neuem, nur halt nach außen. Der Wahlkampf hat in der Samtgemeinde endgültig begonnen. Seine Töchter, so Linne schmunzelnd, hätten ob seiner Entscheidung in erster Reaktion gelacht. Ob er das als schlechtes Omen sieht, ist nicht bekannt.

Kommentar: Gute Wahl – für Politiker:

Mit Wolf Linne treffen CDU, SPD, Grüne und FDP in der Samtgemeinde Sottrum eine recht offensichtliche Wahl. Als Chef im Rechnungsprüfungsamt scheint er die ideale Galionsfigur zu sein, um einen Schlussstrich über die ewige Doppik-Umstellung beziehungsweise -Problematik zu ziehen. Er wäre schon der dritte Bürgermeister, der sich damit rumschlagen muss. Der aktuelle Chef im Rathaus, Peter Freytag, hat diesen Schlussstrich schon nicht geschafft; dessen Vorgänger, Markus Luckhaus, ist daran politisch sogar zerbrochen.

Aus Sicht der Parteien wirkt Linne wie die Lösung für das verwaltungsseitig drängendste Problem. Das neue Problem ist aber: Im Wahlkampf taugt die Doppik rein gar nichts. Umso mehr gilt es für Linne, zu beweisen, dass er mehr kann als Zahlen und dass er ein Gespür für echte Bürgerbelange besitzt. Und die Parteien müssen beweisen, dass ihnen diese Themen (zu denen diese Schnittstellenoptimierung übrigens auch nicht gehört) genauso wichtig sind. Die Bürger werden wenig mit dieser Art von Finanzpolitik anfangen können und wollen.

Linne muss zudem schnell in der Samtgemeinde ankommen. Sein Konkurrent Holger Bahrenburg kann zwar nicht auf die Unterstützung der Politik setzen, hat aber mit seiner Bekanntheit in der Samtgemeinde im Moment einen Vorteil. Zudem muss er als Sottrumer Gemeindedirektor nicht mehr nachweisen, dass er als Verwaltungsmann vielseitig ist. Controller Linne ist das noch schuldig. Die Parteien machen mit Wolf Linne also klar, wo die Prioritäten für sie liegen. Alle Beteiligten im „Lager Linne“ müssen nun gemeinsam und proaktiv weitere Schwerpunkte setzen. Dann würde sich das „neue Problem“ von selbst lösen.

Matthias Röhrs

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