Pago Balke begeistert das Publikum bei der „Flett-Kultur“ im Heimathaus

Hommage im Dirndl

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Mit Sandalen bei Männern kann Kabarettist Pago Balke nichts anfangen.

Sottrum - Von Bettina Diercks. Die Kulturinitiative Sottrum verbucht es als großen Erfolg, dass Künstler von sich aus wieder zur „Flett-Kultur“ kommen wollen. So wie Pago Balke: Er hat den Gästen im Heimathaus erneut einen äußerst kurzweiligen, unterhaltsamen Abend beschert. Mit dabei: Meinrad Mühl am Piano und Peter Dahm mit seinen Saxophonen.

Schon fast huldvoll im schwarzen Livree betritt Balke den Flett des Heimathauses, begrüßt die Presse mit Händedruck beziehungsweise formvollendeten Handkuss – und sorgt damit für den ersten Überraschungsmoment. Neugierige Spannung ist im Raum fühlbar. „Was für den Edelstein die Politur ist, ist für den Menschen das gute Benehmen“, so Balke, der mit seinem Programm „Gutes Benehmen von A bis Z“ angereist war. Sein Ziel des Abends in Sottrum: „Ich will mit einleuchtenden Hinweisen und Fallbeispielen helfen, ihre Kinderstube aufzufrischen.“ Denn wer kenne „in unser chemisch gereinigten Natur noch die Höckerige Blasentrüffel oder den anständigen Dickschenkelweichflügler“? So ein Wissen gehöre doch dazu.

„Demut: ausgestorben. Höflichkeit: wegrationalisiert. Hilfsbereitschaft: Fragezeichen“, erklärt Balke seinen Zuschauern. Wer im Publikum hätte denn zuletzt einem alten Mütterchen die Kohlen aus dem Keller hochgeschleppt? Lacher bei den Gästen. Erst recht, als der Künstler das gute Benehmen damit auflöst, dass die Mütterchen es einem aber auch unmöglich machen würden ihnen zu helfen, mit ihren Zentralheizungen. Balke lässt sich bitten, als es um seine Gesangseinlage zum Thema sich aneinander drängelnder Gleichgeschlechtlicher geht. „Trau Dich“, rufen Heidemarie Stahl und Renate Köster, die am Nachmittag die Proben verfolgt hatten. Der Kabarettist zerrt einen Mann auf die Bühne und tanzt mit seinem Kopf an dessen Schulter mit ihm.

Immer wieder sucht Balke Kontakt zum Publikum und bezieht es mit ein. Klar, dass er bei seinem gewählten Thema die Beurteilung von Aussehen (Bärte) und Bekleidung auch die Zuschauer unter die Lupe nimmt. Offenbar wirklich ein Dorn im Auge ist ihm – neben glatt rasierten Wangen – aber nur eines: Sandalen an Männerfüßen. „Dieser Herr hier gehört eindeutig zur Grünenfraktion“, sagt Balke und reißt das Bein eines bärtigen Mannes in die Höhe, damit auch alle anderen das Schuhwerk sehen können.

Er rezitiert, singt und – ganz ein Herr mit Lederschuhen und -sohlen – steppt über die Bühne. Balke behält den ganzen Abend eine würdevolle Haltung – und nimmt sich selbst gleichzeitig trotzdem nicht so ganz ernst. So scheint es zumindest. Seine wundervollen, oftmals gereimten Chansons offenbaren lebensnahe Surrealitäten. Manchmal ist es vielleicht einfach nur sein wundervoll bewegender warme Timbre, der seinen gesungenen Worten Nachdruck verleiht. Balke unterhält und regt gleichzeitig mit seinen satirischen und gedankenreichen Beiträgen sowie den wirren Wortkompositionen zum Nachdenken an. Vieles ist wie aus dem Leben gegriffen, wie Nachbars preisgekrönter Rammler, den der Hund blutverschmiert vor seine Füße legt. Anstatt dem Nachbarn zu gestehen, wäscht und föhnt er ihn ganz feige, und bringt ihn zurück in seinen Stall. Das wiederum verwundert den Hasenzüchter: Hatte er den Bock nach seinem natürlichen Ableben im Garten vergraben und jetzt liegt er geschniegelt auf dem Stroh. Immer noch tot, selbstverständlich.

Irre komisch und sehr gut an kommt der Auftritt im Dirndl, in dem er eine amüsante, wortgewitzte und -verschachtelte Hommage an die „Flett-Kultur“ – teilweise auf plattdeutsch -– vorträgt. Den Damen von der Kulturinitiative gefällt es, dem Publikum ebenfalls.

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