„Organisierte Kriminalität“

Wenn Diebe Autoteile stehlen, kann die Polizei in der Regel wenig tun

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Multifunktionslenkräder, Navigationsgeräte und Mittelkonsolen sind unter anderem begehrte Beute für Autodiebe. Beim Ausbau gehen sie schnell und professionell vor.

Sottrum/Rotenburg - Von Matthias Röhrs. Das nervt doch: Man verlässt morgens das Haus, will ins Auto steigen, doch am Auto herrscht das Chaos. Die Scheibe ist eingeschlagen, das Lenkrad fehlt. Das passiert immer wieder, dieses Szenario zum Beispiel erst Anfang des Monats mitten in Sottrum.

Die Polizei spricht dabei von organisierter Kriminalität – und kann in der Regel nicht viel gegen die professionell vorgehenden Diebe ausrichten. „Die Ermittlungserfolge sind eher bescheiden“, sagt der Sprecher der Polizeiinspektion Rotenburg, Heiner van der Werp. Häufig bleibt den Beamten nur, den Schaden aufzunehmen. 

Denn: Ortsbekannte Kriminelle sind es nicht, die derartige Taten in der Region begehen. Die Zahlen legen nahe, dass sie stattdessen über die Autobahn 1 ankommen, schnell ihre „Arbeit“ machen und genauso schnell verschwinden.

Rund 20 Mal in diesem Jahr haben Unbekannte bisher Teile von Autos gestohlen. Eine Zahl, die in etwa auf dem Niveau der Vorjahre liegt. Begehrte Beute sind in der Regel Navigationsgeräte, aber auch Lenkräder, Scheinwerfer und anderes. Die meisten Taten gab es in autobahnnahen Kommunen: Fünf in Sottrum, sieben in Rotenburg, sechs in Sittensen. 

Gelegentlich kommt es zu regelrechten „Schlachtfesten“, bei denen nicht nur einzelne Teile, sondern das Auto regelrecht ausgeschlachtet wurde. Erst vergangene Woche haben Diebe von einem Auto, das auf dem Pendlerparkplatz Stuckenborstel abgestellt war, alle vier Räder, die Frontscheinwerfer und die Motorhaube abgebaut. Es war der zweite Fall dieser Art auf diesem Parkplatz. Van der Werp: „Der passt komplett ins Schema.“ Bei etwa 1 500 bis 2 000 Euro liegt die Schadenssumme im Durchschnitt pro Fall.

Täter durchweg organisiert

„Den Tätern geht es um eine gute An- und Abreise“, sagt der Polizeisprecher. Sie seien durchweg organisiert und würden sich auch so verhalten. In Teams kundschaften sie die Gegend nach möglicher Beute und bestimmten Automarken aus. Finden sie etwas, nehmen sie sich durchaus Zeit für ihre Tat. Sie gehen fachmännisch vor – selbst eine Alarmanlage schreckt sie nicht ab. Unbeeindruckt würden sie dann weitermachen und sie einfach abstellen. „Das können sie“, so van der Werp. „Sie sind schnell.“

Die Ermittler können wenig machen. Dafür stehen sie in engen Kontakt mit anderen Polizeidienststellen – etwa in Hamburg, Bremen und anderen Bundesländern –, deren Kommissariate sich mit organisiertem Verbrechen befassen. In Rotenburg ist für diese Fälle das Kommissariat Eigentumsdelikte zuständig. Gerät den Beamten aus der Wümmestadt mal eine Bande ins Netz, liegt das eher an „Kommissar Zufall“ – zum Beispiel bei Verkehrskontrollen. Weiter ist die Polizei auf Zeugen angewiesen, die ihr mitteilen, wenn sie ortsfremde und verdächtige Personen sehen. Dazu rufen wir auf, so van der Werp, und wirke die Beobachtung „noch so dumm“.

Einen hundertprozentigen Schutz für Autos gibt es nicht. „Eine Alarmanlage ist nicht schlecht, aber kein Ausschlusskriterium“, sagt der Polizeisprecher. Ansonsten kommt es auch auf den Abstellplatz an. Der ist dort am besten, wo es hell und das Auto unter Beobachtung ist.

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