Optimistisch und kritisch zugleich

Volksbanken Bundesverbands-Vorsitzender Fröhlich in Hellwege zu Gast

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Uwe Fröhlich, Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken, machte in seiner Festrede den Zuhörern Mut, sprach aber auch von unsicheren Zeiten.

Hellwege - Von Joris Ujen. Hoher Besuch in der 1100-Seelen-Gemeinde Hellwege: Uwe Fröhlich, seit 2008 Präsident des Bundesverbandes der Deutschen Volksbanken und Raiffeisenbanken (BVR), hat am Mittwochabend Prüsers Gasthof besucht. Nicht des Spargelessens wegen, sondern um der Volksbank Wümme-Wieste zum 125-jährigen Jubiläum zu gratulieren.

„Eigentlich dürfen wir heute noch gar nicht feiern“, begann Fröhlich seine Festrede vor rund 180 geladenen Gästen. Denn der eigentliche Termin ist der 12. Oktober. Neben der BVR-Historie, der Wirtschaftskrise sowie der aktuellen Geldpolitik ging der Präsident auch auf regionale Herausforderungen ein.

Als „Highlight des heutigen Abends“, kündigte der Aufsichtsratvorsitzende der Volksbank Wümme-Wieste, Wilfried Rogge, den „höchsten Repräsentanten“ des BVR an. Der nahm sich die Zeit, die „gewaltige Historie“ der Genossenschaftsbanken mit ihren Gründervätern Friedrich Wilhelm Raiffeisen und Hermann Schulze-Delitzsch vorzutragen. „Was einer alleine nicht schafft, dass schaffen viele“, zitierte Fröhlich Raiffeisen, „und das ist sicher die Erfolgsstory unserer Organisation.“ Die sehe der Präsident auch bei der Volksbank Wümme-Wieste, die aktuell rund 11 000 Mitglieder zählt. „Eine stolze Zahl. Wer hat in ihrem Geschäftsgebiet schon so viele Mitglieder?“

Bank zahle mittlerweile Strafzins bei der EZB

Neben den Belobigungen riss Fröhlich aber auch gegenwärtige nationale Probleme an und sprach „von unsicheren Zeiten“: Damit meinte er nicht nur die Politik des US-Präsidenten Donald Trump, sondern auch die Entwicklung innerhalb der EU, den Brexit und die Eurozone. „Doch was hat das alles mit einer Kreditgesellschaft zu tun?“, fragte Fröhlich und schob die Antwort gleich nach: „Wir sind auf stabile politische und wirtschaftliche Verhältnisse angewiesen. Wir wollen unseren Teil dazu beitragen, dass es auch in den Regionen der Fall ist.“ Dies sei aber eine große Herausforderung, die mit der Wirtschaftskrise 2007 begonnen hatte, so der BVR-Präsident. 

„Wenn man es sich genauer überlegt, sind wir in extrem schwierigen Zeiten, was die grenzenlose Geldpolitik der Europäischen Zentralbank (EZB) angeht.“ Ab 2012 seien die Zinsen immer weiter gesenkt worden und gingen bis heute unter die Nullgrenze. Wenn zum Beispiel die Volksbank bei der EZB Geld einliefert, dann zahle die Bank inzwischen einen Strafzins von minus 0,4 Prozent. „Das ist sozusagen die Strafe dafür, Geld zu haben. Eine denkwürdige Situation“, so Fröhlich. Der eigentliche Realzins sei dadurch deutlich negativ und jeder, der Geld hat, verliere Vermögen. Diese Situation werde laut dem BVR-Präsidenten noch einige Jahre anhalten.

„Beratung darf auch etwas kosten.“

Deswegen sei auch die Volksbank Wümme-Wieste dazu aufgerufen, darüber nachzudenken, wie zum Beispiel Vermögensanlagen anders strukturiert werden könnten, als es bisher der Fall gewesen sei. Diese Herausforderung könnte auch ein gesellschaftliches Problem werden. „Das dürfen wir nicht unterschätzen“, betonte Fröhlich, beschwichtigte seine Zuhörer aber im sogleich: „Machen Sie sich aber keine Sorgen. Wir als Volksbank stehen solide da.“

Fröhlich erwarte nicht, dass Privatkunden mit Negativzinsen belastet werden, wie es beispielsweise bei einem Kämmerer einer großen Kommune der Fall sei: „Der zahlt heutzutage schon Negativzinsen, wenn er Geld anlegt.“ Der BVR-Präsident möchte sich und seine 927 unabhängigen Genossenschaftsbanken zudem von der „Umsonstkultur“ lösen. „Beratung darf auch etwas kosten, wenn sie das wert ist.“ Ein für die Gegenwart und Zukunft signifikantes Geschäftsmodell ist die Digitalisierung. „Gerade durch unsere regionale Verwurzelung und Präsenz vor Ort ist es unsere Pflicht, unsere digitalen Zugangswege auszubauen. Dazu habe der BVR das Verhalten ihrer knapp 30 Millionen Kunden angeguckt. 50 Prozent seien davon im Internet über Online-Banking unterwegs und nutzen Beratungen in den Filialen. Fröhlich: „Dieser Anteil wird immer größer.“ Einen alleinigen Fokus auf den digitalen Service werde der BVR laut seinem Präsidenten aber nie setzen. Er sehe die digitale Komponente als Mehrwert für das Bankenwesen.

Bilanzsumme um 34 Millionen auf 560 Millionen Euro angestiegen

Fröhlichs Festrede war vorbei und läutete somit das Spargelessen im Gasthof ein. Der Abend war aber auch als Vertreterversammlung der örtlichen Volksbank gedacht und so kam auch Vorstandsmitglied Stefan Hunsche zu Wort. Er trug die Bilanzsumme des zurückliegenden Geschäftsjahres vor, die um 34 Millionen Euro auf insgesamt 560 Millionen Euro angestiegen sei. „Von unserer heutigen Stärke profitiert die Region“, so Hunsche.

Auch er ging auf die Herausforderungen ein, wie die zunehmende Regulatorik, Niedrigzinsen und Digitalisierung: „Während die außergewöhnlich niedrigen Zinsen unsere Ertragssituation in den nächsten Jahren weiter deutlich belasten werden, binden uns immer mehr Regularien und Dokumentationspflichten.“ Bei der Digitalisierung nehme die Volksbank die Herausforderung an, einerseits persönlicher Ansprechpartner zu bleiben. Und andererseits „mit den modernen Medien komfortable und zeitgemäße Lösungen für die Mitglieder und Kunden anzubieten“, so Hunsche abschließend.

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