Redakteur vs Leser: Rauchende Köpfe beim schriftlichen Teilen in der Sottrumer Oberschule

Die ominöse Null

Lehrer Martin Plotzki überprüft unter wachsamen Blicken, ob die Ergebnisse richtig sind. - Fotos: Diercks

Sottrum - Von Jessica Tisemann. „Mach sie fertig, Nico.“ Die Fronten sind an diesem Morgen schnell geklärt. Ich habe die ganze Oberschulklasse von Nico Thorhauer gegen mich. Doch es gibt kein Zurück mehr, es gilt, in unserem Redakteur-vs-Leser-Wettbewerb die Ehre zu verteidigen – und das ausgerechnet im schriftlichen Teilen. Auf was hab ich mich da nur eingelassen?

Zeitgleich geht es an die Matheaufgaben. Wer wohl am Ende die Nase vorne hat?

Während Nico von seinen Mitschülern fleißig angefeuert wird, entscheide ich mich nach einem kurzen Schock zu kämpfen. Nach einem anfänglichen, „Hey, das ist voll gemein, ich bin eigentlich voll nett“, denke ich ein paar Minuten später: „Gut, denen werde ich es zeigen.“ Der Euphorie folgt aber recht schnell Ernüchterung. Lehrer Martin Plotzki hat sich gut vorbereitet und kommt mit einem komplett ausgearbeitetem Test um die Ecke. „Schriftliche Division“ springt mir dickgedruckt sofort ins Auge, und ich sehe mich direkt wieder auf der Schulbank über komplizierten Matheaufgaben hocken, das katastrophale Ergebnis meiner schriftlichen Mathe-Abiklausur taucht vor meinem geistigen Auge auf.

Gut, genug auf die Tränendrüse gedrückt. Plotzki gibt den Startschuss. Mein Herausforderer fängt gleich an die ersten Zahlen aufzuschreiben, während ich noch überlegen muss, wie genau schriftliches Teilen, oh Entschuldigung, schriftliche Division, eigentlich ging. 936 geteilt durch 4. Gut, dass klappt noch ganz gut, und ich bin froh, als ich merke, dass die Rechnung sogar aufgeht und kein Rest übrig bleibt.

Nico hat unterdessen schon die erste Aufgabe fertig und geht zügig zur nächsten über, und das obwohl er auch noch total sauber arbeitet und die Striche mit dem Lineal zieht. Dafür habe ich gar keine Zeit. Abgucken ist übrigens leider auch nicht, dafür sitzen wir zu weit auseinander, da hat Plotzki genau drauf geachtet. Also muss ich das alleine schaffen.

Redakteurin vs. Leser: Oberschule Sottrum

Problematisch wird es auch erst, als auf einmal eine Null übrig bleibt. Mist, wo muss die denn jetzt hin? Das 52 mal 6 nicht 3 120 ergeben kann, ist mir zumindest recht schnell klar. Mein Herausforderer blättert zur nächsten Seite um. Keine Zeit, weiter über die ominöse Null und ihren Platz in der Lösung nachzudenken, Nico liegt zu weit vorne.

Völlig konzentriert geht Nico Thorhauer zur Sache – und hat sogar noch Zeit, die Striche mit dem Lineal zu ziehen.

Der nächste Schock lässt nicht lange auf sich warten, er folgt auf Seite 2. Textaufgaben?! Die habe ich schon in der Grundschule verabscheut. Die Frage ist immerhin schon vorgegeben. Wie viel Geld bekommt jedes Kind? Ich frage mich, wie viel ich wohl dem Lehrer bezahlen muss, damit ich doch noch eine Chance auf den Sieg habe – doch er sieht unbestechlich aus. Also muss es auf die ehrliche Weise funktionieren. Bei den verhassten Textaufgaben kann ich dann tatsächlich noch etwas Zeit gut machen und bin etwa gleichzeitig mit Nico fertig. Jetzt kommt die Stunde der Wahrheit. Wirklich glücklich sieht allerdings auch Nico nicht aus. Ob ich vielleicht doch gewonnen habe?

Plotzki kommt mit dem Lösungszettel um die Ecke, Nico und ich rücken unsere Tische näher zusammen – na toll, jetzt bringt das auch nichts mehr. Die ersten Häckchen kommen auf beiden Seiten, auch die ersten Fehler haben Nico und ich an der gleichen Stelle gemacht. Das sieht noch sehr gut aus für mich. Doch die ominöse Null, die ich nicht zuordnen konnte, bricht mir am Ende das Genick und Nico siegt mit einem Punkt Vorsprung. Er freut sich, die Klasse jubelt und ich? Ich mache ein trauriges Gesicht.

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