Ohne erhobenen Zeigefinger

„KlarSicht-Mitmach“-Parcours an der Oberschule thematisiert Sucht

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Beim „KlarSicht-Mitmach“-Parcours können die Schüler der achten Klasse mit einer Brille selbst erleben, wie es sich anfüllt, stark alkoholisiert zu sein. Mit eingeschränktem Sichtfeld ist es nicht so leicht, mit dem Schlüssel das Schloss zu treffen.

Sottrum - Von Inken Quebe. Bier, Wein und Sekt dürfen 16-Jährige kaufen, Zigaretten und Getränke mit hohem Alkoholgehalt sind ab 18 Jahren erlaubt. So gibt es der Gesetzgeber in Deutschland vor.

Allerdings hält sich nicht jeder daran – zu verlockend ist oft gerade für Jugendliche das Verbotene. Damit schon 14-Jährige wissen, welche Probleme dadurch entstehen können, haben die Achtklässler der Oberschule in Sottrum am Freitag den „KlarSicht-Mitmach“-Präventionsparcours durchlaufen.

„Wichtig ist uns: Wir wollen das Thema nicht mit erhobenem Zeigefinger vermitteln“, sagt Kriminalhauptkommissarin Karin Stabbert-Flägel vom Präventionsteam der Rotenburger Polizei, die das Projekt in Zusammenarbeit mit der Rotenburger Verkehrswacht anbietet und Pädagogen weiterbildet. Stattdessen, betont sie, sollen die Schüler selbst als Experten in Erscheinung treten. „Wir lassen sie das Thema selbst erarbeiten“, schildert die Kommissarin.

Schulsozialarbeiterin Silvia Heinzelbecker erklärt den Schülern, welche Folgen Zigarettenkonsum haben kann.

An fünf Stationen des „KlarSicht-Mitmach“-Parcours’ haben sich die Achtklässler in Gruppen mit dem jeweiligen Thema auseinandergesetzt. Eingebunden ist auch Schulsozialarbeiterin Silvia Heinzelbecker. Sie hat die jeweiligen Gruppen im Gespräch unter anderem über Inhaltsstoffe der Zigaretten – zum Beispiel Arsen – und die Folgen für Nichtraucher aufgeklärt. Wie viel kostet eine Schachtel? Was könnte man mit dem Geld sonst machen? Die Schüler sollen ins Grübeln kommen.

An einer anderen Station erarbeiten sie Lösungen für eine selbst ausgedachte Suchtgeschichte, sollen sich Anlaufstellen überlegen, an die sich die fiktive Person mit ihren Problemen wenden könnte. „Sie haben schon viele Informationen. Die Frage, mit der sich die Schüler beschäftigen, ist: Was würdet ihr machen?“, erklärt Stabbert-Flägel.

Wie es ist, stark alkoholisiert zu sein, können die Jugendlichen ebenfalls selbst nachempfinden, denn es gibt auch einen richtigen Parcours, mit verschiedenen Brillen, die unterschiedliche Promille-Stufen simulieren. Dunkelheit, Gleichgewichtsstörungen, eingeschränktes Sichtfeld – das können die 14- und 15-Jährigen hautnah erleben, durchlaufen einen Parcours und müssen zum Beispiel mit einem Schlüssel ein Schloss treffen. „Das soll zeigen, was man alles an wichtigen Fähigkeiten verliert, wenn man alkoholisiert“, sagt Stabbert-Flägel. Gleichzeitig sehen die anderen Gruppenmitglieder, wie Betrunkene wirken.

15 Minuten pro Station, dann geht es zur nächsten. Das hat einen guten Grund, sagt die Polizistin: „Wir wollen die jungen Leute dort abholen, wo sie sind. Methodisch ist es nicht mehr angesagt, lange über ein und dasselbe Thema zu sprechen.“ Die Schüler würden sonst schnell das Interesse verlieren. Und gerade das will das Präventionsteam verhindern.

Stabbert-Flägel freut sich besonders, dass die Schule an der Wieste das Projekt mitträgt: „Einige Schulen haben das in ihrem Programm festgeschrieben, in einem Präventionskonzept. Es ist toll, wenn Schulen das Projekt jedes Jahr anbieten und Nachhaltigkeit gewünscht ist.“

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