Mit offenen Augen 

Claudia Koppert widmet sich den Vögeln in ihrem Garten

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Claudia Koppert aus Stapel hat sich mit dem Buch „Im Vogelgarten“ eine neue Welt erschlossen.

Stapel - Von Matthias Röhrs. Irgendwann hat Claudia Koppert die Augen aufgemacht, und sie hat eine für sie neue Welt gesehen. Eine Welt, die gar nicht soweit entfernt ist. Die Welt vor ihrem Küchenfenster, die Welt ihres Gartens. Die Welt der Vögel, die dort leben. Über sie hat die Stapelerin ein Buch verfasst. 16 Erzählungen, die dem Leser selbst die Augen dafür öffnen, was um sie herum eigentlich passiert. Nach der Lektüre von „Im Vogelgarten“ merkt der: Diese Welt wird unterschätzt.

Kopperts Garten ist im wahrsten Sinne ein Lebensraum. Kaum ein Baum, an dem kein Nistkasten hängt – 50 Stück sind es mittlerweile. Die Büsche sind so ausgesucht, dass Vögel sich darin verstecken und Nahrung finden können. Am Vogelhaus im Kräutergarten herrscht reger Betrieb – flinke Kohlmeisen kommen und gehen, ein Domspatz-Pärchen legt dagegen beim Fressen Ruhe an den Tag. Ungestört, Koppert beobachtet alles vom Fenster ihres Arbeitszimmers aus.

Mit „Im Vogelgarten“ wolle sie den gewöhnlichen Vogel neu erlebbar machen, sagt Koppert über ihr mittlerweile drittes Buch. Vertrautes solle beim Lesen neu gesehen werden – so wie sie es nach langen Beobachtungen der Tiere in ihrer unmittelbaren Nähe selbst erlebt hat. Sie holt ein Nest hervor, dass sie nach dem Ausräumen der Nistkästen behalten hat. Verschiedene Schichten von Materialen, alles wirkt von den Vögeln durchdacht – fast schon eine Ingenieursleistung wie bei Menschen. Vermenschlichen soll Kopperts Erzählband die Tiere aber nicht.

Seit 2009 hat sie immer wieder an den Texten über die Vögel gefeilt, und immer mehr sind in der Zeit dazugekommen. Bis zum vergangenen Herbst, dann war sie zufrieden mit dem Werk, bereit für die Veröffentlichung. Koppert wurde 1958 in Heidelberg geboren. Sie studierte dort Sozialarbeit, später auch im Berliner Westen, arbeitete danach als Lektorin für verschiedene Verlage. Das macht sie heute noch, aber freischaffend. 2003 hat sie ihr literarisches Debüt mit dem Roman „Allmendpfad“ veröffentlicht, 2014 folgte „Sisterhood“. Andere Veröffentlichungen, an denen sie mitgearbeitet hat, zählen ebenfalls zu ihrem Portfolio.

Viele Vogelarten – hier ein Erlenzeisig – sind im Garten von Koppert zuhause.

Das Irgendwann, als Koppert ihre Augen für diese Welt öffnete, kam nicht von ungefähr. Für eine Lesung in der Schweiz vor zehn Jahren hatte sie sich gefragt, welches Verhältnis sie zur Natur hat. Inspiration fand sie in den Nistkästen vor ihrer Nase. Die hatte sie einst aufgehängt, um den kleineren Vögeln Schutz vor Eulen zu bieten. „Ich fing an, zu beobachten und mich zu wundern.“ Etwa, dass der Kleiber die Öffnungen der Nistkästen mit Lehm so verengt, damit auch wirklich nur der Kleiber durchpasst. „Die Oberflächen sind dabei so glatt, dass man sich nicht vorstellen kann, dass ein Vogel das gemacht hat“, sagt Koppert. „Die Schönen kommen“, heißt die Erzählung über den Kleiber.

Aber es ist nicht alles schön oder gar von der heilen Welt, was Koppert schreibt. Es ist nicht nur der Anblick gewaltsamer Tode durch andere Tiere, in einigen Geschichten weist sie auf die Dinge hin, die die Welt in ihrem Garten – und natürlich darüber hinaus – gefährden. Vogelgrippe, der Rückgang des Vogelbestands sind beispielsweise Themen, die sie aufgreift und kommentierend einordnet. „Ich versuche, diese Dinge so zu erzählen, dass sie leichter fallen, ohne sie dabei zu beschönigen“, sagt Koppert.

16 Erzählungen umfasst das Buch.

Der Leser jedenfalls merkt schnell: Das genaue Beobachten der Vögel hat Kopperts Sinn für Details geschärft. Gekonnt hat sie es ins Schriftliche übertragen. „Das Schreiben über die Tiere ist im Grunde, über das Leben an sich zu schreiben“, sagt sie. Das Ansinnen, eine neue Perspektive auf die sonst so selbstverständlich wahrgenommenen Tiere einzunehmen, geht auf. Das löst Faszination aus. Es ist eine Einladung, selbst die Augen zu öffnen und sich Zeit zu nehmen, sich intensiver mit der Welt im Garten auseinanderzusetzen. „Ich hab mich schnell reingefuchst“, sagt Koppert. Die Vögel habe sie mit der Zeit immer stärker als die Lebewesen wahrgenommen, die sie sind. Aber dazu musste sie die Augen erst öffnen.

Das Buch

Der Erzählband „Im Vogelgarten“ von Claudia Koppert ist im Verlag Atelier im Bauernhaus in Fischerhude erschienen. Es hat 164 Seiten und mit Illustrationen von Viola Konrad und Tilman Koppert versehen. Es kostet 16,80 Euro. ISBN: 978-3-96045-025-2

Lesungen

 In den kommenden Monaten hält Claudia Koppert mehrere Lesungen in der Region. Die Premiere findet am Donnerstag, 4. April, von 19.30 Uhr an in der Galerie & Dorfbuchhandlung Fischerhude statt. Mit dabei sind auch die Illustratoren des Buches, Viola Konrad und Tilman Koppert. Weitere Termine sind am Donnerstag, 9. Mai, ab 19 Uhr in der Cohn-Scheune Rotenburg und am Mittwoch, 15. Mai, von 19.30 Uhr an in der Verdener Buchhandlung Heine. Zum Abschluss gibt es eine Lesung im Rahmen der „KulturLandKultur“-Tage am Sonntag, 19. Mai, ab 11 Uhr am oder im Alten Forsthaus (Moorweg 4) in Stapel.

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