Nikolajs Sokolovs wagt den Schritt für ein Praktikum in Deutschland

Von Lettland nach Sottrum

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Fabian Goldapp (r.) erklärt Nikolajs Sokolovs die Arbeitsabläufe.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Aus der knapp 100000 Einwohner großen Stadt Daugavpils – der zweitgrößten Stadt Lettlands – nach Rotenburg. Diesen Schritt hat der Berufsschüler Nikolajs Sokolovs gewagt. Der 19-Jährige hat im Rahmen des Programms „Erasmus+“ ein dreiwöchiges Praktikum bei der Firma Gebrüder Behling in Sottrum absolviert und der Chef ist mit der Arbeit des Letten durchaus zufrieden.

Zum ersten Mal hat sich der Kfz-Betrieb dafür entschieden einem Praktikanten aus dem EU-Ausland ein Praktikumsplatz anzubieten. „Ich habe von dem Projekt durch die Kreishandwerkerschaft erfahren“, berichtet Geschäftsführer Ralf Behling. „Wir waren sofort interessiert und haben gesagt, das machen wir.“

Nikolajs Sokolovs hat während der drei Wochen in der Rotenburger Jugendherberge übernachtet – seine neuen Kollegen haben ihn dann mit zur Arbeit genommen. Im Betrieb hat ihm Fabian Goldapp zur Seite gestanden. Das größte Problem bei der Arbeit sei die Verständigung gewesen. Der Lette spricht nur ein paar Wörter Deutsch. Mit Englisch klappte die Verständigung ganz gut. „Englisch ist die erste Fremdsprache“, berichtet Luba Raikele, Lehrerin des 19-Jährigen.

Ob Reifenwechsel, Inspektionen oder Reparaturen – bei allem durfte Sokolovs dabei sein und mithelfen. „Ich habe im Laufe meines Praktikums vieles gemacht, das ich vorher noch nicht konnte, und ich habe so viele neue Fähigkeiten entwickelt“, berichtet der 19-Jährige. Alles festgehalten auf dem sogenannten „Europapass“. Dort sind alle Fertigkeiten aufgelistet. Der „Pass“ dient als Dokumentation seines Aufenthalts im Ausland. Besonders gefallen habe ihm die familiäre Atmosphäre in dem Behling-Betrieb. „Die Kollegen haben mir während der Arbeit immer geholfen und auch untereinander ist die Unterstützung sehr gut.“

Eine Anstellung in Deutschland? Auch das ist für den 19-Jährigen, der mittlerweile wieder in der Heimat ist, durchaus vorstellbar. „Ich bin sehr dankbar, dass Herr Behling mir die Möglichkeit gegeben hat das Praktikum bei ihm zu machen, und das Fabian mir alles gezeigt hat.“ Die Lehrerin macht deutlich, warum sich die Berufsschüler vor allem für Deutschland entscheiden: „Deutsche Autobetriebe haben in Lettland einen hervorragenden Ruf. Die Praktikanten freuen sich immer sehr, wenn sie dort einen Platz bekommen“, so die Lehrerin. Auch Geschäftsführer Ralf Behling könnte sich vorstellen, den Letten wieder nach Sottrum zu holen.

Die größte Umstellung – neben der Sprachbarriere – war die Arbeit in einem Betrieb. Die Ausbildung in Lettland hat einen hohen theoretischen Anteil. Zwar gebe es eine Werkstatt an der Schule, doch die klassischen Betriebsabläufe lernen die Schüler erst in ihrem Praktikum kennen. „Da müssen die Auszubildenden dann auch erst einmal lernen, einen ganzen Tag in der Werkstatt durchzuhalten“, macht Lehrerin Raikele deutlich.

Neben der vielen Arbeit durfte auch die Freizeit nicht fehlen. So stand ein Ausflug nach Lübeck auf dem Programm, der bei dem 19-Jährigen großen Eindruck machte. Auch der Besuch der Bremer Stadtmusikanten durfte in der Zeit in Deutschland nicht fehlen – und auch das Streicheln des Eselhufs hat der Lette nicht ausgelassen. „Ich kannte die Geschichte, dass es Glück bringen soll, wenn man über den Huf streicht. Deswegen wollte ich die Stadtmusikanten unbedingt einmal sehen.“ Doch es gab auch etwas, dass ihm nicht gut gefallen hat – das hat aber nur wenig mit dem Land an sich zu tun, sondern richtet sich eher an den Rotenburger Bürgermeister. „Die Verdener Straße war teilweise sehr schlecht beleuchtet, da hatte ich schon manchmal Angst, mit dem Fahrrad dort lang zu fahren.“

Was ist „Erasmus +“?

„Erasmus+“ ist ein Programm für Bildung, Jugend und Sport der Europäischen Union. Es soll Kompetenzen verbessern und die Teilnehmer für den europäischen Arbeitsmarkt qualifizieren. Unter anderem sind in diesem Programm Praktika für Berufsschüler im europäischen Ausland möglich. Auch deutsche Berufsschüler – wie der BBS Rotenburg – haben dadurch die Gelegenheit, ihr Berufsfeld einmal im Ausland zu entdecken. Weitere Infos gibt es auch im Internet.

jet

www.erasmusplus.de

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