Niklas Lohmann macht ein Freiwilliges Soziales Jahr in einem Kinderheim

Auf nach Südafrika

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Niklas Lohmann informiert sich mit Freundin Miriam Lücke über „Kids Haven”.

Stuckenborstel - Von Antje Holsten-Körner. Warme Pullis, Laptop, Sonnenbrille, Notizbuch, Kamera, der Film „Gran Torino“ und die Gitarre – das sind nur einige Dinge, die Niklas Lohmann einpacken will, wenn er am 30. August von Stuckenborstel zum Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) nach Südafrika aufbricht. Die Reise führt in nach Benoni, eine halbe Autostunde vom Stadtzentrum Johannesburgs entfernt. Dort befindet sich das Kinderheim „Kids Haven“, ein Heim für Straßenkinder.

Seit der Gründung im Jahr 1992 mit damals 20 Kindern sind inzwischen fast 3800 Jungen und Mädchen ein- und ausgegangen, die Unterstützung und Fürsorge erhielten. Derzeit leben dort mehr als 200 Kinder im Alter von vier bis 18 Jahren. Viele von ihnen haben in ihrem Elternhaus sexuelle oder körperliche Misshandlung erfahren. Andere haben durch Aids ihre Eltern verloren oder selbst ihre Familien verlassen, weil diese sie nicht ernähren konnten.

Fünf Tage in der Woche kümmert sich Niklas Lohmann dort ab dem 30. August vormittags um die Weiterbildung der Kinder. „Am Anfang lernen wir mit ihnen Englisch, lösen Matheaufgaben und lernen das Alphabet, um sie auf eine staatliche Schule vorzubereiten“, weiß er schon jetzt. Untergebracht ist er zusammen mit einem anderen Ehrenamtlichen in einem Zimmer. „Wir sind für die Kinder so etwas wie die großen Brüder“, erzählt der Abiturient.

Im weiteren Verlauf des Aufenthalts darf er, wenn er bereits Erfahrung gesammelt hat, gemeinsam mit einer Lehrerin eine Klasse unterrichten. Nachmittags gibt es keinen festen Plan. „Ich darf ein Programm für jeweils fünf Kinder aufstellen“, berichtet der Stuckenborsteler. Dazu kann Schwimmen genauso gehören wie ein Fußballspiel oder Lieder, die Niklas auf der Gitarre vorspielt. „Wegen der freien Gestaltung gefällt es mir so gut“, sagt er. Niklas Lohmann hat sich eingehend informiert, um ein für ihn sinnvolles Jahr zu absolvieren. Da bereits seine Schwester Sophia (20) und seine Freundin Miriam Lücke gute Erfahrung mit ihrem FSJ, das über die „Freunde der Erziehungskunst Rudolf Steiners“ organisiert war, machten, informierte er sich über die Möglichkeiten. Der Verein unterstützt seit 1971 auf der ganzen Welt Organisationen, die im weitesten Sinne mit Waldorfpädagogik zu tun haben. „Für jeden gibt es dort einen Platz“, hebt er als großen Vorteil hervor.

So bewarb er sich direkt beim Kinderheim „Kids Haven“ und einigen anderen Einrichtungen. Am liebsten hätte er Kapstadt gewählt, wo Joshua Bull, der vor anderthalb Jahren für vier Wochen bei Familie Lohmann-Servatius zu Gast war, lebt. Doch zuerst kam aus Benoni eine Zusage, die der Stuckenborsteler annahm. „‚Kids Haven‘ hat aber nichts mit Waldorfpädagogik zu tun“, sagt Niklas Lohmann. Dies weiß er auch von Anna Miozga aus Ottersberg, die 2011/12 dort half. Für den Aufenthalt wurde er außerdem von ehemaligen Teilnehmern sehr gut vorbereitet. „Sie nehmen einem die Illusionen“, so der 18-Jährige.

Jeder Teilnehmer des Programms „weltwärts“, das im Auftrag des Bundesministeriums für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung arbeitet, hat die Aufgabe, einen Förderkreis aufzubauen. Neben der ideellen Begleitung brauchen die Freiwilligen auch finanzielle Hilfe für Seminare, Versicherungen, pädagogische Begleitung der Freiwilligen und Finanzierung des Fluges. „Rund 70 Prozent der Kosten sind aber durch das Programm abgedeckt“, so Niklas Lohmann. Für die verbleibenden 30 Prozent – also die noch benötigten 3 000 Euro – hat er das Konto DE87291656810102081100 bei der Volksbank Wümme-Wieste eingerichtet. Wenn bei der Überweisung Name und Adresse angegeben werden, erhält jeder Spender eine Bescheinigung, die er bei der Steuererklärung geltend machen kann.

„Ich führe während meines Auslandsjahres einen Blog, auf dem jeder, der Interesse hat, mitverfolgen kann, was ich erlebe“, verspricht Niklas Lohmann. Der Blog ist zu finden unter niklasinbenoni.jimdo.com. Kontakt ist bis zum Start am 30. August unter der Nummer 01573/35663351 möglich. Familie Lohmann-Servatius begrüßt die Entscheidung ihres Sohnes. „Wir kennen das ja schon“, meint Torsten Lohmann schmunzelnd und bezieht sich auf den Auslandsaufenthalt von Tochter Sophia. Der Urlaub geht dann nach Südafrika.

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