Nicht so wie früher

60 Minuten: Schornsteinfeger Torsten Apmann steht oft vor neuen Aufgaben

+

Sottrum - Es raschelt ein wenig, als Torsten Apmann seine blauen Einwegüberschuhe anzieht. Davon hat er eine ganze Menge dabei. Zwei leuchtende Farbtupfer im Vergleich zu seiner tiefschwarzen Hose und seiner ebenso tiefschwarzen Jacke. Der Weg hinter ihm gleicht noch einer Baustelle, Dreck will er nicht hineintragen in das Haus vor ihm. Es ist gerade neu gebaut worden. Apmann will an diesem Nachmittag einen Ofen abnehmen. Das gehört zu seinem Job als Schornsteinfegermeister. Ein Beruf, der sich in den vergangenen Jahren gewandelt hat, wie wenig andere.

Man kennt sich bereits. Schon seit Baubeginn des Hauses stehen Apmann und sein Kunde in Kontakt. Nach einer schnellen, aber freundlichen Begrüßung nimmt Apmann seinen Werkzeugkorb in die Hand und folgt dem Hausherren ins Wohnzimmer. Der Ofen dort ist von langer Hand geplant, und der Schornsteinfeger ist Berater und Handwerker in einem. „Wenn die Kunden zufrieden sind, hat man weniger Arbeit“, erklärt er. Deshalb lasse er sich schon frühzeitig in die Ofenplanung einbinden, damit später keine Schwierigkeiten aufkommen. Die Zeiten, in denen Apmann noch die Dächer erklimmen musste und die Schornsteine von oben gereinigt hat, sind indes passé. Sollten er oder einer seiner zwei Gesellen doch einmal „klassisch“ arbeiten, ist mittlerweile hoher Aufwand gefragt – mit Hebebühne und entsprechenden Sicherheitsvorkehrungen.

Das Handy als nützlicher Gehilfe

Jetzt geht es aber erst mal um den Ofen. Das fängt mit Papierkram an. Anfangs kommt eine kurze Irritation auf, da Apmann das nun vor ihm stehende Modell, noch nicht kennt. Immer wieder interessiert erkundigt sich Apmann interessiert nach der Arbeit der anderen Gewerke, die auf einer Baustelle tätig waren. Aus dem lebhaften Gespräch geht es dann nahtlos in die Beratung über. Die gehört zur Abnahme dazu. Im Grunde erklärt Apmann, wie man einen Ofen zu bedienen hat. Zudem überprüft er den Bau und ob die Bedingungen für den Brandschutz eingehalten worden sind. Der Umweltaspekt werde immer wichtiger, ein Ofen darf nicht mehr zu viele Emissionen ausstoßen. Er misst die Rohre aus, die den Schornstein mit dem grauen Steinofen verbinden, checkt immer wieder die Papiere. Das sogenannte Typenschild ist hinter dem Ofen angeschraubt, kaum erkennbar. Apmann zückt sein Handy und macht ein Foto, um es trotzdem lesen zu können. Diese Abnahmen machen mittlerweile einen Großteil seiner Arbeit als Schornsteinfegermeister aus, sagt er. Das Kehren übernehmen meistens seine Gesellen.

Apmann zückt seine Universalschlüssel. Mit ihnen kann er jeden Schornstein öffnen, und das tut er jetzt auch. Die beiden anderen wichtigen Werkzeuge sind Taschenlampe und ein kleiner Teleskopspiegel. Diesen führt er nun in den Schornstein ein, um die Arbeit der Bauarbeiter in Augenschein zu nehmen. Er nickt zufrieden. Zu beanstanden hat er nichts.

Holzscheite dürfen nicht zu dick sein

Ob sich die Kunden an seine Empfehlungen aus der Beratung halten, weiß der Sottrumer Schornsteinfegermeister nicht. Die Holzscheite dürfen zum Beispiel nicht zu dick sein, sagt er. Zwischen sieben und elf Zentimeter seien gut, sonst sei die Umweltbelastung zu hoch. Andernfalls würde das Holz weniger verbrennen, sondern lange vor sich hin kokeln. Auch auf die Lage des Holzes komme es an. Es müsse genügend Platz zwischen dem Scheit und den Wänden des Feuerraums liegen. Am besten liegt der Scheit längs, bloß nicht in Form eines Indianerzeltes. Aber das sei sowieso immer schwieriger. Denn die Feuerräume würden immer kleiner werden. Die Öfen sind so mit der Zeit immer effektiver geworden, gerade in Neubauten – insbesondere, weil die Auflagen mit der Zeit immer schärfer geworden sind.

„Die neuen Häuser sind nicht mehr darauf ausgelegt, ein Fenster zu öffnen“, sagt Apmann. Das hat Auswirkungen auf die Öfen, aber auch auf seine Arbeit. Neubauten haben heutzutage Belüftungssysteme, die man beim Ofenbau berücksichtigen muss, damit durch die Wärme im heimischen Wohnzimmer kein Unterdruck entsteht.

Die Werkzeuge zum Kehren hat Schornsteinfegermeister Torsten Apmann immer dabei, auch wenn er sie selbst nicht mehr so oft einsetzt.

Hier bahnt sich eine neue Zuständigkeit an, sagt der Sottrumer. Einen Luftfilter kriege der Eigentümer vielleicht noch selbst ausgetauscht. Aber wer reinigt in Zukunft die Lüftungsschläuche vom Staub, die im Haus verlegt sind? Apmanns Antwort: Der Schornsteinfeger. „Unsere Arbeit hat sich gravierend verändert, und wird es auch weiterhin tun.“

Schornsteinfeger - ein Berufsbild im Wandel

Das Berufsbild ist im Wandel. Regelmäßig muss ein Schornsteinfeger zu Fortbildungen, um den neuesten Stand der Technik kennenzulernen, und wie mit ihr umzugehen ist. Eigentlich ist es ein mittlerweile anderer Beruf, als Apmann ihn einst gelernt hat. Seit 39 Jahren ist er im Job, vor 19 Jahren hat er sich in Sottrum selbstständig gemacht. Mit ihm und seiner Frau, die sich um die Büroarbeit kümmert, sind vier Leute im Betrieb. Dabei sind es „sozusagen zwei Betriebe in einem“, sagt er. Denn neben seiner „normalen“ Tätigkeit ist der Sottrumer auch noch einer der bevollmächtigten Bezirksschornsteinfeger im Landkreis Verden sowie für Hellwege und Hassendorf. Dort ist er somit zuständig für die regelmäßig anfallende Feuerstättenschau, außerdem ist er Energieberater.

Einmal geht es dann doch noch „hoch hinaus“. Zwar nicht aufs Dach, sondern knapp darunter auf den Boden. Auch von dort will er den Schornstein inspizieren. Dann war es das. Noch einige letzte Tipps, dann soll es auch schon weiter gehen. Draußen zieht Apmann die blauen Einwegüberschuhe aus. Die nächste Ofenabnahme wartet.

Das könnte Sie auch interessieren

elona ist da. Ihre lokalen Nachrichten.

Mehr zum Thema:

Meistgelesene Artikel

Wie schafft man 2G-plus?

Wie schafft man 2G-plus?

Wie schafft man 2G-plus?
Jeddingen bekommt einen Dorfladen

Jeddingen bekommt einen Dorfladen

Jeddingen bekommt einen Dorfladen
Wegen 2G-plus: Bahnhofskneipe macht vorerst dicht

Wegen 2G-plus: Bahnhofskneipe macht vorerst dicht

Wegen 2G-plus: Bahnhofskneipe macht vorerst dicht
Gemeinde Scheeßel bringt Haushaltsplanentwurf 2022 ein - und schafft erneut den Ausgleich

Gemeinde Scheeßel bringt Haushaltsplanentwurf 2022 ein - und schafft erneut den Ausgleich

Gemeinde Scheeßel bringt Haushaltsplanentwurf 2022 ein - und schafft erneut den Ausgleich

Kommentare