Neujahrsempfang der Grünen / Thema: Arbeitsbedingungen in Textilfabriken

„Beim Kauf genau gucken“

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Dr. Gisela Burckhardt aus Bonn stellte die Fakten vor.

Sottrum - Von Antje Holsten-Körner. Augen auf beim Kleiderkauf! Spätestens seit dem Einsturz der Textilfabrik in Rana Plaza in Bangladesch mit mehr als 1000 Toten sollten den Verbrauchern die unmenschlichen Arbeitsbedingungen bewusst sein. Zu diesem Thema hatten die Sottrumer Grünen und der Kreisverband gestern im Rahmen ihres Neujahrsempfangs Dr. Gisela Burckhardt aus Bonn eingeladen.

Als Vorstandsvorsitzende von Femnet setzt sie sich seit vielen Jahren für die Verbesserung der Arbeitsbedingungen in der Bekleidungsindustrie weltweit ein. Schwerpunkt der „Kampagne für Saubere Kleidung“ (CCC), einem europaweiten Netzwerk, zu dem Femnet gehört, ist es, einen existenzsichernden Lohn zu ermöglichen. Dafür führte sie mit ihren Mitstreitern nicht nur unzählige Gespräche mit Handelsunternehmen, sondern es wurden in Bangladesch Arbeiterinnen in zwölf Fabriken befragt, von denen sieben für deutsche Konzerne produzieren. „In allen Fabriken wurden Mängel festgestellt, in einem Fall sogar so gravierende, dass die Fabrik geschlossen werden musste“, sagte die 63-Jährige, die schon mehrmals in Talkshows zu Gast war. Und weiter: „Sogar in Vorzeigefabriken herrscht eine hohe Brand- und Einsturzgefahr“.

Mehr als 5000 Textilbetriebe gibt es in Bangladesch. Gearbeitet werden muss dort bis zu 100 Wochenstunden bei einem festgelegten Monatsmindestlohn von umgerechnet 50 Euro. Und das ohne Gesundheits- und Krankenschutz. Zum Vergleich: In China müssen mindestens 174 Euro gezahlt werden. Doch nicht nur Discounterkleidung wird dort hergestellt, sondern auch hochpreisige Labels wie Benetton, Boss, Hilfiger und Co. lassen dort produzieren.

Während seit dem Unglück 170 Einkäufer ein gesetzlich verbindliches Abkommen zur Sicherheit unterschrieben hätten, gehöre Hugo Boss nicht dazu, wie Burckhardt betonte. „Vom Tisch sind mit dem Abkommen leider nicht die Arbeitsrechtsverletzungen“, erklärte Dr. Gisela Burckhardt. Uneinsichtig zeige sich bisher ebenfalls das Unternehmen Benetton, das nicht einmal in den Entschädigungsfonds eingezahlt habe.

Was können die Verbraucher tun? „Wenn eingekauft wird, sollte man auf Siegel achten, die soziale Arbeitsbedingungen garantieren“, gab Burckhardt als Tipp. Dazu gehört beispielsweise „Fair Wear Foundation“, das an Unternehmen vergeben wird. Alles ist nachzulesen im neuen Buch, das unter dem Titel „Todschick“ im November erschienen ist.

Um den Gästen die Kaufentscheidung zu vereinfachen, subventionierte der Grüne Dietrich Adler jeden Erwerb mit drei Euro aus seinem privaten Portemonnaie.

Auf eine ausführliche Präsentation von Lühr Klee, der als freier Kandidat für die bevorstehende Samtgemeindebürgermeisterwahl zur Verfügung steht, hatten die Grünen beim Empfang verzichtet.

Auch Susanne Mrugalla, Sprecherin des Kreisverbandes, stellte nicht ihre Partei in den Mittelpunkt, sondern berichtete über die Entwicklung in der Textilbranche und Zeiten, als noch deutsche Familienunternehmen am Markt eine Chance hatten. „Natürlich stricklastig“, sagte Mrugalla schmunzelnd, denn sie entwickelte bis 2005 als Freelancer Strickmode. Global dagegen war die musikalische Unterhaltung gestaltet, denn die übernahm die Trommelgruppe der Asylbewerber Moussa, Yanbouba, Oumar und Madou.

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