Neue Räume der Ausgabestelle offiziell eingeweiht / Team braucht Zuwachs

Tafel musste noch niemanden wegschicken

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Brigitte Mintenbeck (l.) und Olaf Feuerhake bei der Einweihung der Sottrumer Ausgabestelle der Tafel.

Sottrum - Von Antje Holsten-Körner. „Das schaffen wir nie“, waren die ersten Gedanken, die Brigitte Mintenbeck hatte, als sie das 800 Quadratmeter große ehemalige Lidl-Geschäft an der Sankt-Georg-Straße in Sottrum von innen sah. Schon seit anderthalb Jahren war die Leiterin der Sottrumer Lebensmittelausgabe zu diesem Zeitpunkt auf der Suche nach einem neuen Domizil für die Tafel, denn der Mietvertrag für das Objekt an der Kreuzung Bremer Straße/Am Eichkamp lief aus. „Ein Glück, dass du nicht Recht behalten hast“, meinte Pastor Olaf Feuerhake an Mintenbeck gewandt während der offiziellen Einweihung, zu der für Samstag eingeladen wurde.

Innerhalb von kürzester Zeit hatte Mintenbeck mit vielen fleißigen Helfern den Umzug realisieren können. Auch bei ihrem Team, der Kirche und der Kommunalpolitik bedankte sie sich für die große Unterstützung. Schon Anfang Februar konnten so die neue Ausgabestelle bezogen werden. Durch die schnelle Aktion mit vielen helfenden Händen brauchte die Lebensmittelausgabe nicht einen Tag geschlossen bleiben.

Mit dem Umzug in die neuen Räume hat nun die Kleiderkammer, die die Tafel gemeinsam mit der Kirche betreibt, deutlich mehr Platz zur Verfügung. Die Abgabe der Bekleidung gegen eine Spende, oft neuwertig oder sogar Neuware, ist eine wichtige Finanzierungsquelle für die Sottrumer Außenstellen. Jeder Bürger kann Kleidung dafür spenden oder erwerben.

Außerdem tragen Geldspenden, Zuschüsse der Tafel und der Politik zur Bezahlung von Miete und Nebenkosten bei. „Wir können nicht garantieren, dass dies langfristig bezahlbar bleibt“, so Brigitte Mintenbeck. Pastor Feuerhake ist da deutlich optimistischer. „Es ist ein Projekt auf Hoffnung, es wird irgendwie funktionieren“, sagte er.

Der Bedarf ist, seit 2008 die Sottrumer Außenstelle eröffnet wurde, stetig gestiegen. Besonders durch die Zuweisung der Asylanten in die Samtgemeinde ist die Notwendigkeit der Tafel noch höher einzuschätzen. „Wir sind die Anlaufstelle für sie“, erklärte Brigitte Mintenbeck.

Um nicht nur mit Lebensmitteln zu helfen, gründete sich der „Unterstützungskreis Asyl“, der sich um Deutschunterricht und vieles mehr kümmert. Asylanten und alle Bedürftigen zusammengerechnet, inzwischen rund 400 Menschen, davon mehr als ein Drittel Kinder, werden über die Sottrum Ausgabestelle der Tafel versorgt. „Die gesellschaftliche Solidarität finde ich großartig“, sagte Mintenbeck dazu, was sie antreibt.

Beeindruckt von der Arbeit zeigt sich Klaus Dreyer (SPD), stellvertretender Samtgemeindebürgermeister. Obwohl die Samtgemeinde derzeit finanziell nicht auf Rosen gebettet sei, so Dreyer, haben Kirche und Politik die Verpflichtung, die Tafel zu unterstützen. „Ich kann nur 3000 Mal Danke sagen“, betonte er. Und weiter: „Wenn Kirche, Kommunalpolitik und Tafel weiterhin so gut zusammenarbeiten, ist mir um die Zukunft nicht bange.“ Er überbrachte gleich zwei Geldumschläge. Einen von der Samtgemeinde und einen seiner Fraktion.

Auch Sottrums Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn (CDU) brachte eine Spende mit. „Leider dürfen wir Geldspenden nicht zum Kauf von Lebensmitteln verwenden“, erklärte Brigitte Mintenbeck. Trotz der Unterstützung durch den lokalen Einzelhandel, sei die Menge der gespendeten Lebensmittel zurückgegangen. Besonders stolz ist die Tafel-Chefin, dass die Verantwortlichen trotzdem bisher noch keinen Kunden mit leeren Händen nach Hause schicken mussten. „Das ist auch unseren Kollegen der benachbarten Tafeln zu verdanken, die oft etwas bei uns abliefern“, dankte Mintenbeck.

Damit auch in Zukunft die Finanzierung von Miete und Nebenkosten der Sottrumer Lebensmittelausgabe sichergestellt ist, können Spenden immer gut gebraucht werden. „Wir freuen uns, wenn auf Geburtstagen und anderen Feiern dafür gesammelt wird“, appellierte Mintenbeck. Sie hofft, kurzfristig einen Teil des ehemaligen Lidl-Marktes als Lagerfläche vermieten zu können, denn damit wäre ein Teil der Kosten dauerhaft gedeckt. Mit einer weiteren Bitte wandte sich Mintenbeck an die Anwesenden: „Unser Team kann Zuwachs gebrauchen“, lud die Tafel-Chefin ein. Wichtige Voraussetzung sei natürlich Verbindlichkeit, damit eine Planung möglich ist. Wer Interesse an einer Mitarbeit hat oder einen Teil der Räume mieten will, kann sich mit Brigitte Mintenbeck unter der Telefonnummer 0173/7374205 in Verbindung setzen.

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