Zwischen Anspruch und Wirklichkeit

Naturschutzbeauftragte Christiane Looks kritisiert Personal- und Zeitmangel

Diese Wiese im Naturschutzgebiet an der Wümme.
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Diese Wiese im Naturschutzgebiet an der Wümme liegt derzeit brach.

Eversen/Rotenburg. Anspruch und Wirklichkeit in der Naturschutzarbeit klaffen im Landkreis Rotenburg auseinander, kritisiert die Naturschutzbeauftragte Christiane Looks.

Naturschutz kostet, aber wie sieht das in Zeiten knapper Kassen aus? Vor allem, wenn laut ersten Prognosen aufgrund der Corona-Pandemie kommunale Einnahmen wegbrechen? „Ich fürchte, dass dann am Naturschutz gespart wird“, sagt Christiane Looks, Beauftragte für Naturschutz und Landschaftspflege des Landkreises Rotenburg. „Aber wenn beispielsweise FFH-Richtlinien umgesetzt werden müssen, geht das nicht ohne Geld, ohne Personal.

Im Gegenteil, es wird was kosten.“ Vor allem dieser Punkt steht in ihrem Jahresbericht 2021, den sie nun dem Kreisumweltausschuss vorgelegt hat, ganz besonders im Fokus.

Personalstand ist nicht ausreichend

Denn was sie in ihrem Bericht deutlich machen will: „Anspruch und Wirklichkeit klaffen da oft sehr auseinander“, so Looks. „Und bei weiterer Verschärfung, werden wir richtige Probleme bekommen.“ Um dem eigenen Anspruch zu entsprechen, brauche es Zeit und Personal. Zwar sei die Untere Naturschutzbehörde des Landkreises vor wenigen Jahren bereits personell aufgestockt worden, das reiche aber nach wie vor noch nicht aus. „Es ist jetzt alles schon schwer zu schaffen. Falls der Personalstand wieder aus Kostengründen zurückgefahren wird, geht dann gar nichts mehr“, befürchtet Looks. „Das betrifft zum Beispiel die Umsetzung von EU-Richtlinien: Denn die EU wird deren Einhaltung einfordern und später kontrollieren, was erreicht wurde. Wenn dann der Stand nicht entsprechend ist, kann es zu Strafmaßnahmen kommen“, warnt sie.

Was dazu kommt: „Es gibt keine Biologen mehr auf dem Markt. Hauptsächlich sind es Landschaftsökologen, die zwar vielseitig sind, aber keine tiefgreifenden Fachkenntnisse im Bereich der Botanik oder der Zoologie haben.“

Naturschutz geht nur miteinander.

Christiane Looks

Ein positives Beispiel allerdings, wo Anspruch und Wirklichkeit dicht beieinander liegen, ist das Naturschutzgebiet Wolfsgrund bei Eversen. „Der Landkreis hat hier die Pläne umgesetzt und arbeitet weiter daran, obwohl das ein schwer zugänglicher Bereich ist“, so Looks. Allerdings: Das Pflegeteam des Landkreises besteht derzeit aus drei Personen, „dabei müssten der Norden, der Süden und die Kreismitte jeweils ein Team dieser Stärke haben“, betont Looks. „Wir müssen da in die Puschen kommen und auch das Personal für die Pflege haben.“ Zur Hilfe kämen dabei immer wieder die Landwirte, beispielsweise im Fall der Meheniederung bei Bremervörde, in der sich mittlerweile ein großer Brachvogelbestand angesiedelt hat. „Aber auch die Landwirte müssen bezahlt werden.“ Eines sei vor allem wichtig: Kommunikation. „Denn Naturschutz geht nur miteinander.“

Ausgleichsflächen im Blickpunkt

Ein weiterer Knackpunkt ist das Thema Ausgleichsflächen, die aufgrund von Bauprojekten geschaffen werden müssen. Diese Schaffung ist das eine, die Kontrolle, ob sich die Verantwortlichen in der Umsetzung an die Auflagen halten, das andere. „Auch diese Überprüfung bindet Personal. Allein 2017 hatte kaum ein Landkreis in Niedersachsen die personellen Kapazitäten, der Kontrolle nachzukommen, dabei lagen alle betroffenen Ausgleichsflächen in Schutzgebieten“, so Looks. Anders sähe die Lage im Landkreis Nienburg aus: „Nur dort gibt es bei der Naturschutzbehörde eine Person, die ausschließlich für die Kontrolle dieser Flächen zuständig ist.“

Ähnlich sei es der Fall bei illegaler Müllentsorgung: „Die Untere Naturschutzbehörde klopft den Verursachern, wenn sie denn ermittelt werden konnten, auf die Finger, aber kontrolliert nicht später, ob der Unrat beseitigt wurde.“ Natürlich räumten viele ihren Müll fort, „aber es gibt immer wieder schwarze Schafe“, so die Naturschutzbeauftragte.

Überprüfung der Biotope

Auch die Überprüfung gesetzlich geschützter Biotope sei mit derartig wenig Personal kaum möglich. „Dabei gibt es Managementpläne, wie diese Biotope, wenn sie in öffentlicher Hand sind, zu pflegen sind“, sagt Looks. Befinden sich diese sogenannten Paragraf-30-Biotope auf privatem Grund und Bogen, sieht es mit der Handhabe, die jeweiligen Grundbesitzer zum aktiven Erhalt des Biotopes zu verpflichten, eher mau aus. „Wir haben nunmal eine Kulturlandschaft, und dementsprechend müssen wir uns auch darum kümmern.“

Trotz allem ist sie zuversichtlich: „Der Landkreis Rotenburg hat trotz nicht zu leugnenden Artenschwunds nach wie vor vieles, was sich lohnt, wahrgenommen zu werden“, betont Looks. „Und auch die zahlreichen kreativen Bemühungen, Auswüchsen Einhalt zu gebieten, verdienen es, beachtet und unterstützt zu werden.“

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