Vereine profitieren heute vom Erbe Klara Dörheits, doch wer war sie?

Nachlass mit Nachwirkung

Von Hermann Luttmann bekam Klara Dörheit im Jahr 2003 das Bundesverdienstkreuz überreicht.
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Von Hermann Luttmann bekam Klara Dörheit im Jahr 2003 das Bundesverdienstkreuz überreicht.

Sottrum – Während der Sporthaus-Neubau an der Alten Dorfstraße des TV Sottrum schnell voranschreitet, wird in diesen Tagen im Herzen der Wiestegemeinde die Bodenplatte für das Europäische Heimat- und Kulturhaus gegossen, bei dem der Heimatverein Bauherr ist. Beide Projekte verbindet eine Erbschaft, die zur Realisierung der Bauvorhaben beigetragen hat.

Auch die Feuerwehr Sottrum profitiert von diesem Nachlass Klara Dörheits, die im September 2016 im Alter von 87 Jahren starb. Sie hatte in ihrem Testament festgelegt, dass die Gemeinde Sottrum ihr Elternhaus an der Lindenstraße, wo schon ihr Vater, Heinrich Geffken, als Stellmacher wirkte, erbt. Die Gemeinde wollte den Verkaufserlös nicht im Haushalt untergehen lassen, sondern den Vereinen und Institutionen zukommen lassen, für die sich Klara Dörheit und ihr im Jahr 2004 verstorbener Ehemann Otto engagierten.

Beim Heimatverein gehörte die gebürtige Sottrumerin zu den Gründungsmitgliedern. Von ihr wurde damals die Spinngruppe als eine der ersten Abteilungen des Vereins ins Leben gerufen. „Klara Dörheit hat sich verdient gemacht für unseren Verein“, betonte Erich Schnackenberg, langjähriger Vorsitzender, während der Jahreshauptversammlung 2005. Ein Vierteljahrhundert fungierte Dörheit als Beisitzerin.

Fast ihr ganzes Leben gehörte Dörheit zum TV Sottrum. So war sie nicht nur 77 Jahre Mitglied im Sportverein, sondern viele Jahrzehnte Übungsleiterin. „Klaras Mitgliedschaft ist eine mit viel Herzblut und Engagement für den TV Sottrum“, sagte TV-Chef Jörn Leiding bei der Ehrung zur 75-jährigen Mitgliedschaft im Jahr 2015. „Sie ist seit 62 Jahren Übungsleiterin bei uns und hat zahlreiche Ämter und Funktionen in der Turnabteilung ausgeführt. Ihre Arbeit wird in allen Organisationen geschätzt.“ Noch anderthalb waren Dörheit damals vergönnt.

Nicht nur von den Vereinen gab es viel Lob für das Engagement. So bekam Dörheit 2002 die Goldene Ehrennadel des Landessportbundes überreicht. Da Klaus Witte, ehemaliger Sottrumer und damals Vizepräsident des Landessportbundes, Klara Dörheit schon seit seiner Kindheit kannte, hielt er die Ehrenrede.

Diese stellte er unter den Titel: „Klara Dörheit – Eine Sottrumerin mit Herz“. „Wir haben beide viel erlebt in unserem Turnverein“, erinnerte er sich. In seiner Rede stellte Witte die Verdienste „der Sottrumer Deern“ für den Sport heraus. „Bei so viel freiwilligem Engagement konnte es nicht ausbleiben, dass Sportorganisationen und Politik die Arbeit unserer Klara Dörheit gewürdigt haben und ihr manche Ehre zuteilwurde“, so Witte. Die größte Auszeichnung folgte ein Jahr später, als sie das Bundesverdienstkreuz erhalten hat. „Ein Leben für den Sottrumer Sport“ – unter dieses Motto stellte Hermann Luttmann (CDU), heute Landrat, seine Laudatio im Heimathaus für die engagierte Sportlerin. „Klara Dörheit genießt ein hohes Ansehen in der Samtgemeinde“, betonte Luttmann. Diese Rede rührte sie damals zu Tränen. „Gibt es denn etwas Schöneres, als sich im Verein zu engagieren?“, stellte Dörheit fest.

Auch die Freiwillige Feuerwehr wusste, was sie an Klara und Otto Dörheit hatte. „Klara und Otto haben den damaligen Jugendfeuerwehrwart oft bei der Arbeit mit uns Jugendlichen unterstützt“, erzählt Ortsbrandmeister Michael Kück. Auch an die Erntewagen, die auf Dörheits Hof gebaut werden durften, erinnert er sich gerne zurück. Als einmal das Jugend-Bezirkszeltlager in Lüchow-Dannenberg veranstaltet wurde, gehörte Günter Storch, zwölf Jahre stellvertretender Ortsbrandmeister, zur Begleitung auf der Hinfahrt. „Nachdem wir die Jugendwehr abgeliefert hatten, zeigte mir Otto noch seine alte Heimat, die sich in der Nähe befand. Es war ein sehr schöner Ausflug und für Otto wohl eine letzte Gelegenheit, sein Elternhaus zu sehen“, so Günter Storch.

Er und die weiteren Mitglieder des Kommandos schätzten Otto Dörheit sehr, der viele Jahre äußerst gewissenhaft als Gerätewart der Wehr fungiert hatte. „Bei der Hauptversammlung wurden wir oft von ihm gerügt, dass er unsere Unterschriften im Fahrtenbuch nicht lesen kann – eine Dauerstory“, erzählt Storch schmunzelnd. Auch nach dem Tod von Otto Dörheit blieb seine Witwe der Freiwilligen Feuerwehr verbunden. Aus dem Erbe wurden dem Förderverein der Wehr 10 000 Euro ausbezahlt, die demnächst zur Anschaffung eines Mannschaftstransportfahrzeugs mit neun Sitzen beitragen sollen. Dazu kommt noch weiteres Kapital, das der Förderverein von Sponsoren erhalten hat. „Das Fahrzeug soll von der Kinder- und Jugendwehr genutzt werden, damit nicht mehr in Privatwagen oder Einsatzfahrzeugen gefahren werden muss“, berichtet Hermann Blanken, Vorsitzender des Fördervereins.

Auch die aktive Wehr wird das Mannschaftstransportfahrzeug in manchen Fällen nutzen dürfen. Inzwischen liegt die Zustimmung der Samtgemeinde vor, dass das Fahrzeug von der Kommune übernommen und die Folgekosten getragen werden. „Durch Corona ist es schwierig, die Angebote auszuloten“, erklärt Blanken die Verzögerung. Auch in diesem Jahr sollen das Sporthaus und das Europäische Heimat- und Kulturhaus, in die jeweils 100 000 Euro aus der Erbschaft fließen, fertiggestellt werden. „Es war eine sehr günstige Konstellation mit der Erbschaft und den Zuschüssen, die wäre so nicht wiedergekommen“, sieht es TV-Chef Leiding als Glücksfall für seinen Verein an. Auch Hans-Jürgen Krahn, Vorsitzender des Heimatvereins, freut sich, dass durch die Erbschaft das Projekt verwirklicht werden kann. „Im Obergeschoss wird ein Archiv untergebracht, dass sich Klara Dörheit immer gewünscht hat“, sagt Krahn.

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