Nach Urkunden-Komplikationen: Brigitte Klindwort darf endlich „Ja“ sagen

Happy End trotz Hindernissen

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Brigitte Klindworth hält endlich die langersehnte Geburtsurkunde in den Händen.

Bötersen - Von Matthias Daus. Wenn zwei Menschen große Zuneigung füreinander empfinden, mündet diese nicht selten in dem Wunsch, den Bund der Ehe einzugehen. Sofern die beiden einer Meinung sind, sollte dem Unterfangen eigentlich nichts mehr im Wege stehen. Eigentlich, denn der Teufel steckt oft im Detail, wie auch Brigitte Klindworth aus Bötersen erfahren musste.

Alles begann damit, dass der zuständige Standesbeamte ihre Geburtsurkunde nicht anerkennen durfte, weil sie vor mehr als sechs Monaten ausgestellt wurde. „Aber ich bin doch auch älter als sechs Monate“, so Brigitte Klindworth mit Hinweis auf ihr Geburtsdatum verwundert. Von Amts wegen wird eine solche Urkunde eigentlich auch nicht benötigt, sondern ein aktueller Auszug aus dem Geburtenregister des Geburtsortes. Eine Gesetzesnovelle aus dem Jahr 2009 machte diesen Schritt schließlich notwendig.

In diesem speziellen Fall war die Sache aber noch etwas komplizierter. Der Geburtsort von Brigitte Klindworth ist „Huntsville, Alabama, USA“. Als deutscher Soldat war ihr Vater damals dort stationiert und wohnte samt Ehefrau für ein Jahr in den Vereinigten Staaten. In dieser Zeit kam die junge Frau aus Bötersen dort zur Welt.

Die Geburtsurkunde stellte das deutsche Konsulat in New Orleans aus. Eine Behörde, die heute nicht mehr existiert und die damit auch nicht mehr in der Lage war, einen Auszug aus dem Geburtenregister zu erstellen. Auch im amerikanischen Konsulat konnten die Mitarbeiter nichts machen. „Sind Sie Amerikanerin?“ „Nein.“ „Dann können wir Ihnen nicht helfen.“

Mittlerweile befassten sich insgesamt vier Standesbeamte von zwei Ämtern in der Region mit dem Fall – Brigitte Klindworth wollte doch einfach nur „Ja“ sagen. Zwei weitere kamen dazu, als Klindworth sich in Hamburg erkundigte, denn dort lebte sie mit ihren Eltern für eine kurze Zeit nach der Rückkehr aus Amerika. In Hamburg waren Unterlagen vorhanden, aber den gewünschten Auszug konnte die Behörde auch dort nicht ausstellen.

Ratlosigkeit machte sich breit. Blieb etwa nur noch eine Reise in die USA als Schritt? Nein. Eine weitere Möglichkeit gab es noch: Mechernich! Diese Stadt in der Eifel ist seit langem der Wohnort der Eltern, und Klindworth hat dort die meiste Zeit ihrer Kindheit und Jugend verbracht. Die Standesbeamtin war bereits Expertin mit einer solchen Situation, da viele Soldaten dort lebten, die zwischenzeitlich in anderen Staaten stationiert waren. Eine Eheschließung wäre mit den vorhandenen Unterlagen kein Problem gewesen, allerdings hätte der zweite Wohnsitz dort angemeldet sein müssen.

Von Mechernich aus gab es einen telefonischen Austausch mit dem heimischen Standesamt. Doch der entscheidende Hinweis kam aus dem „American Citizen Bureau“. Ein Internetportal namens „Vital Records“ könne helfen. So war es dann auch. Und plötzlich lief alles ganz unkompliziert ab. Ein paar Daten eingegeben, 81 US-Dollar überwiesen – und zwei Tage später lag eine Bescheinigung im Briefkasten, die in ihrem Inhalt haargenau der Originalurkunde glich und sich nur durch eine rosa Färbung unterschied.

„Es ist schon komisch, dass ein Originaldokument nicht anerkannt wird und eigentlich jeder über ein Internetportal eine Urkunde erstellen kann, ohne, dass die angegebenen Daten eingehend geprüft werden“, beschreibt Brigitte Klindworth ihre Verwunderung über die Wende in dieser Angelegenheit. Jetzt ist sie aber heilfroh über dieses versöhnliche Ende.

Doch ganz vorbei waren die Anstrengungen für sie doch nicht. Eine vergleichsweise kleine Hürde stand noch bevor: Es galt, die Urkunde noch zu übersetzen, damit sie für einen deutschen Beamten im Zweifelsfalle jederzeit verständlich wäre. Übersetzen darf aber nicht jeder, sondern nur ein staatlich zugelassener Übersetzer.

Nun sind aber alle Hürden überwunden, und der Heirat von Klindworth steht nichts mehr im Wege. „Hoffentlich habe ich bei all dem Hin und Her nicht noch meinen Text vergessen“, sagt sie scherzhaft und widmet sich nun den weiteren, angenehmeren Hochzeitsvorbereitungen.

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