Mutig, gelehrt und glaubensfest

Sonja Domröse referiert in Sottrum über die weibliche Seite der Reformation

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Friederike Paar (r.) vom Vorstand freute sich, dass sie und die St.-Georg-Stiftung Pastorin Sonja Domröse (l.) als Rednerin gewinnen konnten. 

Sottrum - Von Heidi Stahl. Mutig, gelehrt und glaubensfest – unter dieser Überschrift stand der vierte Vortrag zum Lutherjahr, zu dem die St.-Georg-Stiftung am Dienstag in die Sottrumer Kirche eingeladen hatte. Friederike Paar vom Stiftungsvorstand freute sich, dass für dieses Thema Sonja Domröse, die 57-jährige Pastorin, Buchautorin, Presssprecherin und Kommunikationsmanagerin für den Sprengel Stade der lutherischen Landeskirche Hannover, gewonnen werden konnte, die sich besonders mit der Rolle der Frauen in der Reformationszeit auseinandergesetzt hat.

Klar gegliedert und unter den Aspekten der Neuerung, die die Lutherzeit nicht nur für die Frauen brachte, stellte sie exemplarisch acht Frauen unter den Auswirkungen der Reformation vor. Die Neuerung des aufkommenden Buchdrucks ermöglichte das selbstständige Lesen der von Luther ins Deutsche übersetzten Bibel und bedingte eine von den Reformatoren geforderte Schulpflicht für Jungen und Mädchen.

Luthers Forderung nach der Gleichstellung von Laien und Klerus, das Priestertum aller Gläubigen, ermöglichte auch Frauen das Predigen und eine Auslegung der Bibel. Seine Worte „Was aus der Taufe gekrochen ist, kann sich rühmen, dass er schon Priester, Bischof und Papst ist“ verdeutlichen diesen Anspruch und die zweite Neuerung der Reformationszeit. Die Medienwirksamkeit der massenhaft gedruckten Flugschriften, die dritte Neuerung, die Domröse anführte, machten sich auch die Frauen zunutze, die nicht zu Disputationen mit den Gelehrten zugelassen waren.

Illustriert mit Bildern von Lukas Cranach, die der Beamer auf der Leinwand im Altarraum zeigte, eröffnete sich den Zuhörern ein Genrebild des Frauenlebens aus der Zeit vor 500 Jahren. Da war die unerschrockene und gebildete Argula von Grumbach (1492 bis 1554), die sich mit den Universitätsprofessoren von Ingolstadt anlegte und mit ihren Flugschriften zur Meinungsfreiheit von Frauen soviel Aufsehen erregte, dass ihr Mann aus dem herzoglichen Dienst entlassen wurde, weil er nicht in der Lage war, seiner Frau „das Maul zu verbieten“. Ursula Weyda (1504 bis 1570), eine Frau aus dem einfachen Volk, verteidigt gegenüber einem selbstgerechten Abt, einem hohen katholischen Geistlichen, mit deftigen Worten, kess und selbstbewusst mit Bibelzitaten wie der Pfingstbotschaft, dass Gott seinen Geist auch über Frauen ausgeschüttet hat, was vom Klerus der damaligen Zeit bestritten wurde.

Kampf um ihre Rechte bereits vor 500 Jahren begonnen 

Weitere sechs mutige Frauen aus allen Gesellschaftsschichten stellte Sonja Domröse vor, die die Rechte, die die Reformation ihnen einräumte, selbstbewusst verteidigten. Mit klarer, geschulter Stimme führte die sympathische und fachkundige Pastorin durch ihren informativen und teilweise überraschenden Vortrag, der vor allem die Zuhörerinnen begeisterte. Er gewährte einen Einblick in die Rolle der Frauen bei der Verbreitung des Reformationsgedankens und die Kämpfe, die diese Frauen schon vor 500 Jahren um ihre Rechte führten, die sich zum Teil bis heute noch nicht durchgesetzt haben.

Beispielsweise hat es bis 1947 gebraucht, bevor die evangelische Kirche ihre erste Pastorin ordinierte, ein Recht zum Predigen offiziell bestätigte, das schon Luther den Frauen zugestanden hatte. Musikalisch umrahmt wurde dieser lebendige Vortrag von Charlotte Appel aus Otterstedt an der Orgel mit Präludien von Johann Sebastian Bach. In der Pause bei Getränken, die die St.-Georg-Stiftung bereitgestellt hatte, beantwortete Sonja Domröse alle Fragen und ließ sich freudig auf lebhafte Gespräche mit den Zuhörern ein, die das große Interesse an diesem Thema bewiesen.

Der nächste und letzte Vortrag, den die St.-Georg-Stiftung für das Lutherjahr anbietet, wird am 21. November um 19.30 Uhr wieder in der Kirche stattfinden. Dann referiert der ehemalige Pastor von Ahausen, Egbert Rosenplänter, über Luthers Schrift „Von der Freiheit eines Christenmenschen“.

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