Tipps beim Profi in Bremen

Junges Bläser-Ensemble „Wildes Blech“: Musiker feilen an den Feinheiten

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Mit einer eintägigen Intensivprobe bereiteten sich die jungen Musiker von „Wildes Blech“ auf kommende Konzerte vor. 

Bremen/Sottrum - Der Mann, der vor der gemischten Gruppe junger und gereifter Musiker steht, klopft sich rhythmisch mit der Hand auf die Brust. „Das ist Euer Puls, den müsst Ihr alle zusammen spüren. Das macht ein gutes Orchester aus, auch bei den Profis!“ Holger Becker muss es wissen: Der Trompeter, der an diesem Tag in der Bremer Instrumentenwerkstatt Thein-Brass einen Workshop der Formation „Wildes Blech“ aus Sottrum und umzu leitet, ist unter anderem Dozent an der Hochschule für Bildende Künste, Orchestermusiker für Musicals und Gründungsmitglied der „Swingin‘ Fireballs“.

Das Repertoire, das er heute mit dem vor zwei Jahren von Ben Faber und Ralf Linders ins Leben gerufene Orchester einübt, unterscheidet sich jedoch von den in Blasorchestern gängigen Polkas und Märschen. Denn: Das „Wilde Blech“ legt fast ausschließlich Fabers Arrangements von Metal- oder Hardrocktiteln auf. 

Heute auf dem Programm: Alice Coopers „Poison“, das zu „Amabrass“ umbenannte „Amaranth“ von Nightwish und Van Halens „Jump“. Für Becker ist das der richtige Weg: „Mit der Zeit zu gehen ist wichtig, um die Jugend bei der Stange zu halten und Traditionen zu bewahren.“ Aus Erfahrung weiß er: „Die Kompetenzen, die hier geschaffen werden – Disziplin, Zielorientierung und Teamfähigkeit: Danach lecken sich Personalchefs später die Finger!“

Mit einfachen Mitteln – wie hier einem Strohhalm – erklärt Holger Becker (l.) den Teilnehmern den idealen Ansatzpunkt.

Doch zunächst stehen an diesem Morgen erstmal „Basics“ auf dem Programm: das Zusammenspiel von Atmung, Zunge und Ansatz. „Locker lassen, nicht zumachen“, fordert er das gute Dutzend Blechbläser auf, und demonstriert mit einer „GoPro“-Kamera, die in ein speziell gefertigtes Mundstück aus einem 3D-Drucker eingebaut ist und das Bild auf einen Monitor projiziert, was sonst verborgen bleibt. Währenddessen gönnen sich einzelne Musiker eine Instrumentenberatung bei Max Thein. Da werden Mundstücke ausprobiert und „Booster“, ab und zu wird geschraubt. „Es geht nicht um eine Verkaufsveranstaltung, sondern darum, aus dem eigenen Instrument möglichst viel herauszuholen“, erklärt Faber. 

Für den Arrangeur war es zunächst ungewohnt, die Verantwortung als Dirigent aus der Hand zu geben. Praktisch ist es aber schon, dass er heute dabei ist: Bei Unklarheiten, wie eine Phrasierung zu spielen ist, kann er direkt Auskunft geben. Das Feilen an den Stücken, als nach der Mittagspause ein knappes Dutzend Holzbläser hinzukommt, lohnt sich. Muss es auch, denn das noch junge Ensemble hat in nächster Zukunft einiges vor: Nach einem Probenwochenende stehen diverse Auftritte im Landkreis und in Bremen an, und auch die nächste Studioaufnahme ist schon angedacht. 

Zufrieden sind auch die Musiker: „Super Tipps“, meint Frederic Heizmann aus Sottrum, der vor drei Jahren mit Trompete in der Bläserklasse seines Gymnasiums begonnen hat. An das Hohlkreuz zur Mobilisierung der letzten Luftreserven oder die unterschiedliche Anblastechnik bei Klassik und Bigband wird er ab jetzt denken. Und Becker? Der freut sich über den ehrlichen Applaus nach einem intensiven Probentag. Ob er nächstes Jahr zum dritten Mal mit dem „Wilden Blech“ an Nirvana oder Rammstein feilen würde? „Auf jeden Fall – gar keine Frage.“ - hey

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