Mühlenhof in Hellwege nach sieben Jahren Bauzeit fertiggestellt

„Die Jungs waren so heiß“

Am Pfingstmontag, 9. Juni, können sich die Besucher selbst ein Bild vom Mühlenhof in Hellwege machen.
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Am Pfingstmontag, 9. Juni, können sich die Besucher selbst ein Bild vom Mühlenhof in Hellwege machen.

Hellwege - Von Bettina Diercks. Seit 2007 plant und werkelt eine Gruppe Hellweger Männer am „Mühlenhof“ Hellwege. Aus der Grundidee, einen historischen Holzbackofen nachzubauen, ist mittlerweile ein ganzes Gebäudeensemble entstanden.

Ende Juni wird der Mühlenhof offiziell der Gemeinde übergeben. Mit diesem Termin betrachtet die Gruppe ihre Arbeit als abgeschlossen – zumindest was das Wiederherstellen alter Gebäude angeht. „Für uns ist jetzt aber nicht Schluss“, erklärt Erhard Thies, der die Sprecherrolle der „Montagsgruppe“ übernommen hat. So nennen sich die Aktiven des Ortes scherzhaft. „Zwischen sechs und zwölf Leuten sind immer hier“, sagt Thies. „Wir werden weiterhin die Pflege und Unterhaltung übernehmen und dafür sorgen, dass hier immer was los ist.“

Angefangen hat das Projekt 2007 mit der Idee einiger Hellweger, einen Holzbackofen zu bauen. Thies, heimatkundlich und historisch interessiert, spürte dafür die Steine auf. 2008 kam dann zunächst der Ab- und Wiederaufbau der alten Mühle dazwischen, bevor 2009 der Backofen entstand. Damit die Sache rund wird, bekam der Hof im selben Jahr ein Kopfsteinpflaster. „Das ist die einzige bezahlte Arbeit auf dem Hof. Hier steckt sonst keine einzige bezahlte Arbeitsstunde drin“, betont Thies.

Allen begeisterten Helfern vorwiegend älteren Semesters war von Anfang an klar, dass sie keinen Verein und damit auch keine Hierachien gründen wollten. „Und die Jungs waren so heiß auf das Projekt ...“, erinnert sich Erhard Thies und lacht. Was ihn und seine Männer besonders freut: „Wenn wir mal die jüngeren Leute und die Bauern um Hilfe gebeten haben, hat niemals einer abgesagt. Ich habe nicht einmal gehört: ,Ich kann nicht'. Wir haben richtig Dusel gehabt, zur richtigen Zeit die richtigen Leute gehabt zu haben. Das hier ist nicht wiederholbar.“ Gut 30 Hellweger Bürger hätten am Mühlenhof mitgewirkt. Nach Backofen und Mühle folgten der Wiederaufbau von Speicher und Wagenschauer. Außerdem belebte die Gruppe den Hof mit zahlreichen Aktivitäten von Gottesdienst über Hausschlachtung bis hin zum Weihnachstmarkt.

Das ganze Dorf stand als Pate bei Fuß und unterstütze das Vorhaben auf breiter Basis. Geld schossen nicht nur Spender in Höhen von zehn bis 5000 Euro zu, auch die Sparkassenstiftung war so begeistert von dem Projekt und dem Engagement, dass sie spontan 10000 Euro locker machte. Die Gemeinde stellte über die Jahre insgesamt 60000 Euro in den Haushalt ein, darunter die 12000 Euro für das Kopfsteinpflaster. „Gut und gerne liegt der Wert der Baustoffe hier bei 100000 Euro“, sagt Thies.

Den Trupp hat die Aktion so zusammengeschweißt, dass mittlerweile weitere gemeinsame Freizeitaktivitäten auf dem Plan stehen – wie Radtouren und Spargelessen. „Einige hatten vorher überhaupt nichst miteinandern zu tun“, sagt Thies. Doch der Mühlenhof habe die Beteiligten miteinander verbunden. Doch eins sei auch sicher: „Ohne unsere Frauen wäre das nicht machbar gewesen. Sie haben uns die ganzen Jahre unterstützt und ziehen mit, wie alle anderen auch.“ Seit 2010 würden sie montags zusammen auf dem Mühlenhof Mittag essen, weil die eine oder andere etwas koche. „Auf unsere Frauen sind wir besonders stolz“, erzählt Thies.

Der Mühlenhof hat Pfingstmontag, 9. Juni, dem traditionellen deutschen Mühlentag, für Besucher geöffnet. Und selbstverständlich gibt es frischgebackenen Butterkuchen aus dem Holzofen.

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