Stefan Meyer hat den Verein „Hilf Senegal“ gegründet und unterstützt Menschen vor Ort

„Die Motivation hat mich gepackt“

Stefan Meyer (r.) im Gespräch mit einem Arzt. Meyer hat den Verein „Hilf Senegal“ gegründet.

Ahausen - Von Inken Quebe. Senegal ist im Vergleich zu anderen Staaten auf dem afrikanischen Kontinent kein besonders großes Land mit einer Fläche von nicht einmal 200 000 Quadratkilometern.

Es ist damit sogar kleiner als Deutschland. Erheblich größer ist jedoch die Armut in der Bevölkerung. Doch seit einiger Zeit erhalten die Senegalesen Unterstützung aus der Region: Stefan Meyer aus Völkersen hat den Verein „Hilf Senegal“ mit Sitz in Ahausen gegründet.

Angefangen hat alles 2012, erzählt Stefan Meyer rückblickend. Damals bewirbt sich der heute 34-Jährige bei den Grünhelmen – sie bauen unter anderem im Senegal beispielsweise Schulen und Krankenhäuser auf –, als er über die Institution in einer Dokumentation erfährt. Und tatsächlich klappt es: „Im Juni 2013 war es dann endlich soweit, ich bin mit zwei weiteren Grünhelmen nach Mauretanien gefahren und habe dort für eine katholische Mission beim Bau einer Schule und eines Kindergartens mitgeholfen“, schildert der gelernte Kfz-Mechatroniker, der einschneidende Erlebnisse mit dieser Zeit verbindet. Rückblickend sagt er: „Das erlebte Afrika war so ganz anders, als man es aus den Nachrichten her kannte.“ Die anfängliche Angst und mit ihr ein „Haufen mitgebrachter Vorbehalte“ seien deshalb schnell verflogen.

Nach einem kurzen Aufenthalt in der Heimat ist es schon Ende November wieder soweit, auf Einladung einer Freundin geht es nach Senegal: „Ich habe mir ein Auto gekauft und bin dieses Mal alleine die 5 000 Kilometer nach Mauretanien gefahren.“ Der letzte Teil der Reise führt ihn dann tief ins Landesinnere, in die Region Tambacounda und zur gleichnamigen Stadt zu seiner alten Freundin aus Mauretanien wieder. Mit ihr geht es zu ihrer Familie in ein Dorf.

„Ich war überrascht, es gab weder Strom noch fließend Wasser und mit meinen Sprachen – Deutsch und Englisch – kam ich dort auch nicht weit“, erzählt er von seinen Erfahrungen. Als seine Bekannte zurück muss, gilt es, sich mit den Dorfbewohnern mit Händen und Füßen zu verständigen.

Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass Stefan Meyer in der Region ist: 2014 verbringt er drei Monate, ein Jahr später sogar zehn Monate dort. Auch die Kommunikation klappt zu diesem Zeitpunkt immer besser: „Ich spreche inzwischen Pulaar sowie Französisch und bin auch dabei, Wolof zu lernen.“

Weil er direkt mit den Menschen dort lebt, bekommt Meyer mit der Zeit einen guten Einblick in die Bedürfnisse und Probleme der Bevölkerung. Vor allem die Kinder seien eine eher rechtlose Gruppe. Meyer: „Sie sind in der Regel vollständig von ihren Eltern abhängig und ähnlich wie in Deutschland werden Einzelkinder verwöhnt, doch in den vorherrschenden Großfamilien ist ein Kind zunehmend nur noch eine finanzielle Belastung, weswegen Bildung, Kleidung und medizinische Versorgung meist sehr minimalistisch ausfällt.“

Vor dem Besuch 2014 fängt Meyer an, im Freundeskreis Kleider zu sammeln, die er den Kindern im Alter bis etwa zwölf Jahren mitbringt. Und der engagierte Helfer versucht auch noch, auf andere Weise zu unterstützen. So achtet er darauf, seinen Lebensmittelbedarf bei alleinerziehenden Müttern und finanziell angeschlagenen Familien zu kaufen.

Zur gleichen Zeit fängt er auch an, Kinder medizinisch zu versorgen: „Keine Krankheiten, sondern die in der Regel unbehandelt gelassenen Wunden. Dazu hatte ich in Deutschland abgelaufene Kfz-Verbandskästen gesammelt und ein bisschen Zinksalbe aus dem Reformhaus“, erzählt er. Die Hilfe spricht sich herum: Jeden Tag kommen bis zu zehn Kinder.

Als er 2015 an Malaria erkrankt, entsteht der Kontakt zum nahegelegenen Krankenhaus und dem Arzt, der ihn nach der Genesung direkt in die Arbeit dort einspannt. Meyer: „Er sagte bei meiner Nachuntersuchung wörtlich: ,Und am Montag fängst du dann an, hier zu arbeiten!‘ Zuerst hielt ich das für einen Witz, aber am Montag lag ein Kittel bereit, und ich wurde eingewiesen, dem Arzt zu assistieren.“ Also versorgt er selbst täglich 60 bis 70 Patienten mit Malaria. „Oft sah ich Kinder die wahrscheinlich eine Woche mit 39 Grad Fieber zu Hause lagen, bis sich die Eltern erbarmt haben, doch mal einen Arzt aufzusuchen“, sagt Meyer. Durch diese Arbeit fasst er schließlich den Entschluss: Er will dort helfen, wo große Organisationen seiner Meinung nach gar nicht hingucken: „Das kaputte Blutdruckmessgerät ersetzen, kostenlose Wundversorgung von Kindern ermöglichen, der alleinerziehenden gehörlosen Mutter einen Besuch beim Ohrenarzt ermöglichen.“

Und so nimmt er Ende 2015 schließlich Kontakt mit dem Vereinsregister und dem Finanzamt auf.  Mithilfe von Freunden gründet er am 23. Mai 2016 den Verein „Hilf Senegal“, der den Sitz in Ahausen hat. „Mein Vater hat dort eine Autowerkstatt, die ständig besetzt ist, deshalb ist sie der perfekte Stützpunkt für den Verein“, erzählt er. Dort lagert Meyer Dinge zwischen, bevor sie sortiert und nach Senegal versandt werden.

Die Vereinsgründung kostet den 34-Jährigen Kraft – viel bürokratischer Aufwand, stellt er fest: „Manchmal kam da doch der Gedanke, kann ich das alles bewältigen so ganz neben meinem eigenen Leben? Doch jetzt mit dem positiven Feedback und den ersten Spenden im Rücken hat mich die Motivation wieder gepackt.“ Im Moment liegen zwei Krankenhäuser, zwei Geburtenstationen und eine Erste-Hilfe-Station in der ländlichen Region Tambacoundas im Fokus: „Hier soll die Grundausstattung auf ein vernünftiges Niveau gebracht werden, und es wird auch über den Bau weiterer Erste-Hilfe-Stationen in zentral gelegenen Dörfern nachgedacht.“ Meyer, der bereits seit November 2016 wieder in Senegal ist und für jeden Aufenthalt seinen Job kündigt, arbeitet viel mit den Schulen und Kindergärten zusammen: „Mein großer Vorteil ist, dass die Menschen mir vertrauen und ich auch weiß, wem ich vertrauen kann. Man weiß, dass ich nicht nur für zwei oder drei Monate mal auftauche und den Samariter spielen möchte, sondern das man langfristig auf mich zählen kann.“

Wer den Verein „Hilf Senegal“ unterstützen möchte, findet weitere Informationen im Internet:

www.hilf-senegal.de

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