Mitglieder des Landvolks Kreisverband Rotenburg-Verden tagen in Hellwege

Das Ende der Weidehaltung?

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Landvolk Geschäftsführer Carsten Hipp berichtet während der Mitgliederversammlung über die Lage bei den Bauern.

Hellwege - Von Heinz Goldstein. Zwar gab sich der Kreislandvolkvorsitzende Jörn Ehlers während der Mitgliederversammlung in Hellwege am Donnerstagnachmittag kämpferisch und verzichtete auf das große Jammern. Trotzdem brachte er klar zum Ausdruck, dass die Landwirte schon wesentlich bessere Zeiten erlebt hätten. Die Einnahmen mindern sich in fast allen Bereichen, die Öffentlichkeit – inklusive Presse – habe im Gros zu wenig Verständnis für die Belange der Bauern, und der Einzelhandel lege bei seiner Preispolitik bei den Erzeugern kräftig die Daumenschraube an. Dabei seien bereits viele kleinere Betriebe auf der Strecke geblieben.

Ehlers forderte eine entschiedene Gegenwehr bei unberechtigter Kritik gegen die Landwirtschaft. Gleichzeitig forderte er die Landwirte auf, bei fairen Einwänden den Dialog mit den Kritikern zu suchen. Der „Tag des offenen Hofes“ sei eine große Chance, dass Erzeuger und Verbraucher vorort über Probleme miteinander sprechen und Lösungsansätze finden.

Mit welchen Problemen die Landwirte zu kämpfen haben, wurde bei dem Bericht des Geschäftsführers des Landvolks, Carsten Hipp, verdeutlicht. Der Protest der Landwirte unter anderem gegen den Moorschutz im Landesraumordnungsprogramm (LROP) habe erreicht, dass das Ziel der Wiedervernässung herausgenommen worden ist. Aber im neuen Entwurf seien stattdessen Vorranggebiete für einen Biotopverbund aufgenommen worden. Er ging zudem auf die Verordnungen des LROP ein und teilte mit, dass das Landvolk Stellungnahmen dazu für den Bereich Rotenburg abgegeben habe.

Sorge bereite den Landwirten die „Sicherung“ der Fauna-Flora-Habitat-Gebiete. Aktuell sei im Nordkreis die mit dem Landkreis-Verwaltung und den Verbänden abgestimmte Verordnung auf Druck der Politik verworfen worden. Das könne Auswirkungen auf zukünftige Zuweisungen im Südkreis haben. In Rotenburg sei es zu einem Eklat gekommen.

Jürgen Cassier vom Amt für Naturschutz und Landschaftspflege habe sich von der Politik sagen lassen müssen, nicht vernünftig gearbeitet zu haben, so Hipp. Der mit der Landwirtschaft abgestimmte Verordnungsentwurf sei von der Politik so nicht akzeptiert worden. Das Landvolk bezweifelt das Fachwissen der Politiker und sammelte noch während der Versammlung Unterschriften für eine Petition an den Landkreis gegen die Entscheidung.

Ein weiteres Thema war der Wolf. Die Landwirte sehen durch den Schutz des Tieres große Gefahren. Die Entschädigungen für getötete Tiere auf den Weiden seien absolut unbefriedigend. „Die Auswirkungen auf Wildbestände ist bereits sichtbar“, erläuterte Hipp. „Ist damit das Ende der Weidehaltung eingeläutet?“ – er ließ diese Frage im Raum stehen.

Auch beim geplanten Bau der „SuedLink“-Trasse seien viele Bauern als Grundstückseigentümer bei der Verlegung von Erdkabeln im Nachteil. Es werde mehr Fläche verbraucht. Entschädigungen müssten neu betrachtet werden.

Eine Ehrung für ihr öffentliches landwirtschaftliches Engagement erhielten die vier Gymnasiastinnen Hannah Henze, Louisa Ernst, Annika Wilson und Laura Hüneke aus Walsrode für ihren Film „Strukturwandel in der Landwirtschaft“. Sie interviewten Berufskollegen und Fachleute aus dem Verdener Raum. Stellvertretend nahm Laura Hüneke die Ehrung von der stellvertretenden Landvolkvorsitzenden Friederike Schloh entgegen.

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