Wie die Bundeswehr-Soldaten mit der Covid-19-Pandemie umgehen

Mit Maske im Wald

Nicht immer funktioniert es mit dem Abstand. Auch im Wald heißt es für die Soldaten der Bundeswehr daher, die Maske zu tragen.
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Nicht immer funktioniert es mit dem Abstand. Auch im Wald heißt es für die Soldaten der Bundeswehr daher, die Maske zu tragen.

Hellwege/Rotenburg – Nur entfernt sind Schüsse vom nahegelegenen Schießstand zu hören, bis auf einen gelegentlichen Lkw ist es ruhig auf dieser Lichtung auf dem Hellweger Standortübungsplatz der Von-Dühring-Kaserne in Rotenburg. Das dort stationierte Jägerbataillon 91 bildet gerade Offiziersanwärter im Häuserkampf aus. Von Angriffen auf das leer stehende Gebäude am Rande der Lichtung ist nicht viel zu sehen. Tatsächlich wird gerade in erster Linie erklärt, schließlich stehen die Soldaten erst ganz am Anfang ihrer Laufbahn, es sind mit die Ersten, die unter Corona-Bedingungen ihren Dienst angetreten sind. Doch die Covid-19-Pandemie hat auch ihre Ausbildung verändert.

Gefreiter Jan Busch ist einer von 17 Offiziersanwärtern, die seit dem 1. Juli zum Jägerbataillon 91 in der Von-Düring-Kaserne gehören. Von der Kaserne hat er anfangs aber nicht viel sehen können, tatsächlich hat man ihn zunächst ins sogenannte Homeschooling beordert. Statt erster Übungen und praktischen Grundlagen, gab es per E-Mail Dokumente zugesandt, die er abarbeiten und lernen musste. „Die waren auch sehr ausführlich“, berichtet er. Politik, Extremismus, Allgemeinbildung, richtige Ernährung: auch das gehört zur Grundausbildung. Ein Sportprogramm mit Ausdauerlaufen und Intervalltraining musste er ebenfalls alleine absolvieren. Kontakt mit ihm hielten seine Ausbilder per E-Mail oder telefonisch.

Es ist eine verkürzte Form der Grundausbildung, informiert Markus Weggel, der Presseoffizier des Bataillons. Der sozusagen echte Dienstantritt für Busch und seine Kameraden sei der 3. August gewesen. Auch wenn sie in den ersten Wochen ebenfalls gefordert worden sind, ist dennoch Vieles auf der Strecke geblieben. Eine vollwertige Grundausbildung von Zuhause aus, das funktioniert natürlich nicht. Und das Übliche, das in den ersten Wochen aufgrund der Pandemie-Lage nicht gemacht werden kann, muss in der verbleibenden Zeit nachgeholt werden. Ein „straffes Programm“, so Weggel – umgesetzt in mehreren Blöcken. Nach jeweils einer dreiwöchigen Präsenzphase ist man wieder zwei Wochen zuhause, ehe die nächste Präsenzphase beginnt.

Gefreiter Busch scheint gut damit klargekommen zu sein. Und so darf er an diesem Tag auf dem Hellweger Übungsplatz stehen, denn nach der für alle Bundeswehr-Soldaten gültigen Grundausbildung hat für ihn mittlerweile die jägerspezifische Ausbildung begonnen, informiert Major Dominik Steckel, Kompaniechef in der Von-Dühring-Kaserne.

An diesem Tag stehen die Grundlagen im Orts- und Häuserkampf auf dem Programm. Stacheldraht ist zwischen einigen Bäumen gespannt und soll ein Hindernis darstellen. Auf der Lichtung hockt eine Gruppe von Soldaten und hören einem Ausbilder zu. Sie bekommen vermutlich gerade ihren Befehl mitgeteilt, so Weggel. Hier offenbart sich ein Problem: Viel Abstand besteht unter den Soldaten nicht. „Dass wir die Abstände unterschreiten, bleibt nicht aus“, so der Presseoffizier.

Auch wenn man sich natürlich bemühe, manchmal gehe es eben nicht anders. Im Haus am Rande der Lichtung dasselbe Bild. Hier ist es eng, und wenn die Offiziersanwärter von einem Feldwebel Erklärungen für den Häuserkampf – immerhin ein „Grundauftrag der Jäger“, wie es heißt – vermittelt bekommen, dann ist Nähe unausweichlich. Für mehrere Personen ist im Flur oder im Treppenhaus schlicht zu wenig Platz. Doch: Wo kein Abstand eingehalten werden kann, herrscht eben Maskenpflicht – die bevorzugte Farbe ist tarngrün. Niemand läuft ohne rum.

Die Jägertruppen haben einen Vorteil, so Major Steckel. „Die Ausbildung findet zu 99 Prozent draußen statt.“ Nahezu alles seien praktische Übungen, nur selten sei man in geschlossenen Unterrichtsräumen. Doch gibt es draußen ebenfalls Einschränkungen – nicht nur durch die Maske. Eine Orientierungsübung, nennt Steckel ein weiteres Beispiel, muss auf dem Standortübungsplatz durchgeführt werden. Normalerweise finde so etwas außerhalb im Gelände statt.

Stand Mittwoch gibt es laut Presseoffizier Weggel im Jägerbataillon 91 acht positive Coronafälle seit Beginn der Pandemie, vier seien noch aktiv. Die Hygienekonzepte der Bundeswehr würden greifen, sagt er. Im Dienst habe sich zumindest in seinem Bataillon noch niemand angesteckt, die Infektionen geschehen im privaten Umfeld der Soldaten – etwa bei den Eltern oder einer Freundin. Wird eine Infektion zuhause bemerkt, bleibt der Soldat auch zuhause. Soweit möglich, gehen alle internen Erstkontakte ebenfalls in häusliche Quarantäne. Ist das nicht möglich, sind Quarantänestuben vorbereitet, so Weggel. Haben die Soldaten Symptome einer Erkältung und sind zuhause, reisen sie ebenfalls gar nicht erst an, ehe sie nicht einen negativen Corona-Test vorweisen können.

In der Kaserne selbst greift in Sachen Infektionsschutz das, was man auch aus dem zivilen Leben kennt. Die sogenannte Aha-Regel, Handhygiene, ein Kohortenprinzip. Letzteres gelte insbesondere bei der Grundausbildung besonders strikt. So werden die neuen Soldaten von der Stammtruppe in der Kaserne getrennt – etwa mit eigenen Verpflegungszelten. Sie selbst werden in Zehnergruppen von nur einem Ausbilder ausgebildet. „Das ist sonst nicht üblich“, sagt Weggel. Zudem werde priorisiert. Das betrifft nicht unbedingt die Grundausbildung, sondern die Kaserne an sich. Eine Tagung findet online statt, externe Schulungen mitunter auch gar nicht.

Sollte es eine große Übung mit anderen Einheiten wie vor einiger Zeit im Gefechtsübungszentrum bei Magdeburg geben, werden die Soldaten vorher 14 Tage in der Kaserne isoliert. Man geht sich aus dem Weg. Der Zug von Major Steckel übt zum Beispiel gerade nicht auf den eigenen Übungsplatz in Hellwege, sondern ist nach Schwanewede ausgewichen. „Der Organisationsaufwand ist deutlich erhöht“, sagt er. Die wesentliche Frage aller Planungen sei derzeit: Wo gibt es Kontakte? So muss die Übung der Logistiker, die gerade parallel auf dem Standortübungsplatz vonstattengeht, vorher genau abgesprochen sein, damit sich die Soldaten nicht begegnen. Aber: „Die Ausbildung ist nicht gänzlich umgeschüttet worden“, sagt der Major. Sie sei nur aufwendiger.

Die Kameradschaft leidet unter all diesen Maßnahmen hingegen nicht, bestätigt Hauptfeldwebel Mirko Hanebuth. Natürlich sei man sehr beschnitten in der Freiheit, etwas gemeinsam mit seinen Kameraden zu unternehmen. Dafür freue man sich umso mehr, wenn man sich mal begegnet, auch wenn es „nur“ online ist. „Der Zusammenhalt ist unverändert.“

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