Kirstin Taberski ist Sottrums Klimaschutzbeauftragte

Mit ganzer Energie

Kirstin Taberski ist Klimaschutzbeauftragte der Samtgemeinde Sottrum. Am Donnerstag stellt sie ihren Klimaschutzbericht vor. 
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Kirstin Taberski ist Klimaschutzbeauftragte der Samtgemeinde Sottrum. Am Donnerstag stellt sie ihren Klimaschutzbericht vor. Foto: Buschmann
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Sottrum – Wer sich in diesen Tagen mit Kirstin Taberski treffen möchte, muss sich auf ungewöhnliche Umstände einstellen. Ihr Büro und andere Räume des Rathauses sind tabu. Wer Einlass begehrt, muss artig im kleinen Foyer warten. Kirstin Taberski holt ihren Besuch ab und geleitet ihn ins Trauzimmer. „Das ist zurzeit unser Besprechungszimmer“, sagt sie. An diesem Morgen geht es, getrennt durch eine Acrylglasscheibe, um Kirstin Taberskis Tätigkeit und ihre Philosophie – die 46-Jährige ist seit Oktober 2018 Klimaschutzbeauftragte der Samtgemeinde Sottrum. Ihre Stelle läuft zum 31. August kommenden Jahres aus.

In dieser Funktion gibt es in der Zusammenkunft des Samtgemeinderates am Donnerstag eine Premiere: Kirstin Taberski präsentiert den ersten Energiebericht. Darauf wartet sie schon einige Monate. Denn eigentlich sollte das Dokument schon im März auf die Tagesordnung kommen. Doch der Lockdown beziehungsweise die Corona-Pandemie haben sowohl der Klimaschutzbeauftragten als auch dem Samtgemeinderat einen Strich durch die Rechnung gemacht.

Doch das Ende des Ganzen ist es nicht, im Gegenteil. „Der Prozess hat jetzt erst angefangen“, sagt Kirstin Taberski. „Das Klimaschutzkonzept ist auf zehn bis 15 Jahre angelegt.“ Ob sie so lange in der Samtgemeinde tätig sein wird, ist zurzeit nicht klar. Aber etwas länger als bislang geplant, das kann sich die Klimaschutz-Fachfrau schon vorstellen. Ob es dazu kommt beziehungsweise wie es mit ihrer Stelle weitergeht, das sei „eine politische Entscheidung“, erklärt sie. Hintergrund: Für die Personalkosten kommt zu 65 Prozent der Bund auf, für 35 Prozent steht die Samtgemeinde gerade. Diese kann sich um eine Anschlussfinanzierung in Berlin bewerben. Allerdings gibt es dann nur noch eine 40-prozentige Förderung.

Wenn es keine Kirstin Taberski mehr in der Samtgemeinde Sottrum gibt, wäre das sicherlich ein Verlust. Das merkt auch, wer nur gelegentlich mit der studierten Biologin zu tun hat. Klimaschutzmanagerin zu sein, ist für die Frau mit dem empathischen Wesen nicht nur eine Stelle, sondern durchaus so etwas wie eine Mission – ohne allerdings mit dem sprichwörtlichen erhobenen Zeigefinger durch die Gegend zu laufen. Taberski erklärt und verdeutlicht Zusammenhänge.

Wenn sie wie beispielsweise im Mai vergangenen Jahres vor einer größeren Anzahl von Zuhörern in der Sottrumer Kirche über ihre Tätigkeit spricht, macht sie einen bestimmten und doch entspannten Eindruck. Dabei, gibt sie schmunzelnd zu, sei sie ausgerechnet an dem Abend ziemlich aufgeregt gewesen. Plötzlich waren da jede Menge Schüler des Sottrumer Gymnasiums. Sie lauschten und hingen ob des Themas Klimaschutz förmlich an Kirstin Taberskis Lippen. Und anschließend gab es rege Diskussionen.

Dass die Klimaschutzbeauftragte zielstrebig arbeiten kann, liegt ihren eigenen Worten zufolge vor allem daran, dass es keinen Druck seitens der Kommunalpolitik gibt. „Da bin ich frei in der Umsetzung“, sagt Kirstin Taberski. Leichter hat sie es sicherlich auch deshalb, weil sie schon über ein gehöriges Maß an kommunalpolitischer Erfahrung verfügt – Kirstin Taberski ist für Bündnis 90/Die Grünen Mitglied des Rates der Gemeinde Stuhr. Von daher weiß Sottrums Klimaschutzbeauftragte, wie der Mikrokosmos öffentliche Verwaltung funktioniert und wie die Menschen in ihm ticken.

Wer von außen in eben diesen Mikrokosmos geschleudert wird, erlebt naturgemäß einen kleinen Kulturschock. Nicht jedoch Kirstin Taberski. Auf die Frage, ob die Tätigkeit als Klimaschutzbeauftragte ihr Traumjob sei, überlegt sie kurz, wiegt den Kopf nach links und rechts und antwortet: „Ja, in gewisser Weise schon.“ Um ihre abwiegenden Worte zu erklären, holt sie weiter aus: Sie habe Biologie studiert, sich aber nebenbei auch dem Naturschutz beziehungsweise Naturschutzmanagement gewidmet. Daraus sei nach und nach das Klimaschutzmanagement geworden. „Das ist schon etwas, was ich sehr gerne tue“, bekräftigt Kirstin Taberski.

Was davon in der Öffentlichkeit zu sehen ist, sind hauptsächlich ihre öffentlichen Veranstaltungen. Geplant waren zum Beispiel für dieses Frühjahr die Vorstellung der Oldenburger Mitfahrer-App sowie ein Vortrag über klimafreundliche Ernährung in Zusammenarbeit mit der Volkshochschule. Auch Beratungen zum klimafreundlichen Bauen in Kooperation mit der Verbraucherzentrale des Landes Niedersachsen gehören dazu. Das alles findet wegen der Corona-Pandemie nun im Internet oder per Telefon statt.

Ein ebenso wichtiger Teil der Taberskischen Arbeit geht hinter den Kulissen über die Bühne. Schließlich arbeiten in Politik und Verwaltung auch nur Menschen, und einige müssen durchaus erst für das Thema Klimaschutz sensibilisiert werden. Dies habe unter anderem damit zu tun, dass es eine abstrakte Geschichte sei, weiß Kirstin Taberski: „Deshalb versuche ich, das an Beispielen darzustellen.“ Und wenn etwa einer ihrer Kollegen die Frage der Wirtschaftlichkeit und damit der Sinnhaftigkeit von Maßnahmen in den Raum stellt, erklärt sie, dass es für die Samt- und die Mitgliedsgemeinden langfristig teurer werde – alleine schon deshalb, weil die Energiepreise steigen.

Was Kirstin Taberski dabei immer wieder erstaunt: In Sottrum hat sie gefühlt mit 80 Prozent Männern zu tun. Im Gegensatz zu anderen Gemeinden spielten Frauen eine geringere Rolle. Und: „Klimaschutz ist keine Generationenfrage.“ Das heißt, auch unter den Jüngeren gibt es Zweifler – und Zustimmung seitens der Älteren. Kirstin Taberski belegt das mit einem Beispiel aus dem Seniorenbeirat: „Ältere Menschen merken den Klimawandel persönlich – sie haben bei der Sommerhitze zunehmend Kreislaufprobleme.“

Von Ulf Buschmann

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