Michael Goss ist mit seinem Gespann in Stapel unterwegs

Mit dem Dinocar zum Unternehmer

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Mit dem Dinocar hat alles angefangen – die Idee mit dem umgebauten Fahrradanhänger kam von Michael Goss‘ Vater. So ist der 13-Jährige nun in Stapel unterwegs.

Stapel - Von Jessica Tisemann. Mit dem Dinocar und einem umgebauten Fahrradanhänger geht es durchs Dorf. Im kleinen Stapel kennt man Michael Goss bereits sehr gut und weiß die Arbeit des 13-Jährigen zu schätzen. Mit seinem kleinen Gespann hat er sich nämlich selbstständig gemacht und ist damit Stapels jüngster Unternehmer. Und er plant bereits, noch einen Schritt weiter zu gehen.

Seit drei Jahren lebt Michael mittlerweile in Stapel – bei der Familie von Katharina Ladda-Lienhop. Als eine Art Begrüßungsgeschenk gab es damals von den Pflegeeltern ein Dinocar. Dass das die Grundlage für seine erste Arbeit werden könnte, ahnte die Familie damals noch nicht.

Die Idee dazu hatte der leibliche Vater des 13-Jährigen, der in Kuhstedtermoor einen Hof mit Pferden hat. Von ihm hat Michael Goss auch den alten Fahrradanhänger. „Ich hab dann angefangen, auf dem Hof in Stapel das Laub wegzufahren“, berichtet der Schüler. Aus Spaß habe er dann gesagt, „ich werde jetzt Lohnunternehmer“.

Seit knapp einem Jahr ist er nun im Dorf aktiv. Zum Start hat er auch von Bürgermeister Michael Schröck Unterstützung bekommen. „Bei ihm hat Michael seine ersten Zettel kopiert und dann im Dorf verteilt“, berichtet seine Pflegemutter. Nun heißt es neben der Schule, Rasenmähen und das Grün wegfahren, Getränkekisten von einem Ort zum anderen bewegen und Gartenarbeiten erledigen. Auch bei dem Dorfwettbewerb „Unser Dorf hat Zukunft“ kam seine Idee bei den Juroren gut an, erzählt der 13-Jährige. Wer ihn bis dahin noch nicht kannte, kennt ihn spätestens jetzt.

Nicht verwunderlich also, dass die Aufträge mittlerweile fast von alleine kommen. „Es sind überwiegend ältere Menschen, denen ich helfe, oder bei einem Bauern im Dorf“, erzählt der Schüler. „Er hat sogar schon eine Zeltgarnitur mit seinem Dinocar transportiert“, sagt Ladda-Lienhop stolz. In Stapel kennt eben jeder jeden. „Michael ist so ein sympathischer Kerl, das wird im Ort honoriert“, betont seine Pflegemutter. Mittlerweile fühlt sich Michael auch in Stapel Zuhause. „Ein richtiges Heimatgefühl habe ich aber nicht“, so der Schüler.

Doch wie ist seine Arbeit mit der Schule in Einklang zu bringen? „Das funktioniert gut“, betont der 13-Jährige. Dennoch soll alles „mehr nebenbei“ laufen. Dreimal in der Woche hat er an der Kooperativen Gesamtschule (KGS) in Tarmstedt bis in den Nachmittag hinein Unterricht. „Manchmal ist es dann schon anstrengend, wenn ich nach der Schule noch losfahre. Dann falle ich abends auch tot ins Bett“, so Goss.

Für immer will der 13-Jährige aber nicht mit seinem Dinocar durch Stapel fahren. Einen Job als Maschinenschlosser könnte er sich zum Beispiel vorstellen. Oder aber einen eigenen Bauernhof als Landwirt betreiben. Für letzteres kommt ihm seine jetzige Aufgabe schon entgegen. Mit dem Geld, was der Schüler dadurch nebenbei verdient, möchte er nämlich in ein paar Jahren den Treckerführerschein machen, dann kann er auch Arbeiten auf dem Hof seiner Pflegeeltern mit übernehmen. Doch bis es soweit ist, dauert es noch ein wenig – der Treckerführerschein ist nämlich erst mit 16 Jahren möglich. Bis dahin ist Michael Goss also weiterhin mir seinem Dinocar samt Fahrradanhänger in Stapel im Einsatz.

Der Hintergrund

Michael Goss wohnt seit knapp drei Jahren bei seiner Pflegefamilie in Stapel. Über die gemeinnützige Einrichtung Kinderhof Meinstedt ist der 13-Jährige zu Katharina Ladda-Lienhop nach Stapel gekommen. Die Erzieherin hat neben Michael noch zwei Pflegetöchter bei sich auf dem Hof aufgenommen. Bei der Auswahl der Pflegefamilie wurden die Wünsche des Schülers mit berücksichtigt – er wollte gerne auf einen landwirtschaftlichen Hof. Bevor Michael Goss wirklich dort eingezogen ist, hat er sich den Hof und die Familie anschauen können.

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