Michael Euskirchen ist Pressesprecher bei „AHEU“ und hat eine soziale Ader

Der Rocker mit Herz

+
Michael Euskirchen kümmert sich um die Homepage des Vereins „AHEU“.

Ahausen - Von Jessica Tisemann. Auf den ersten Blick passt Michael Euskirchen mit seiner Lederkluft, den langen Haaren und dem Aufnäher der Rockband Motörhead auf der Lederjacke so gar nicht in die Führungsriege des Helfernetzwerkes „AHEU“. Doch dass der erste Blick nicht immer alles von einem Menschen preisgibt, wird schnell deutlich, wenn man sich nur einen Moment Zeit nimmt und sich mit dem Rocker unterhält. Mit seiner herzlichen Art zieht er einen schnell auf seine Seite und lässt seine soziale Ader durchblicken. Und die zieht sich schon durch sein ganzes Leben.

Erst Ende Mai ist Euskirchen aus Aachen ins beschauliche Ahausen gezogen, und schon beteiligt er sich an mehreren Projekten im Ort. „Ich bin kein Mensch, der still sitzt“, erklärt er sein Engagement.

Davon kann nun auch das Helfernetzwerk „AHEU“ – die Mitglieder gehen älteren und hilfsbedürftigen Menschen in den Dörfern Ahausen, Hellwege, Eversen und Unterstedt im Alltag zur Hand – profitieren. Als sich bei der Gründungsversammlung Anfang November niemand so recht für den Posten des Pressesprechers bewerben wollte, ging die Hand des 44-Jährigen nach oben. „Ich dachte mir, ich kann das doch, warum soll ich meine Hilfe dann nicht auch anbieten?“ Das Konzept von „AHEU“ habe ihn sofort überzeugt.

Und dass er den Posten gut ausfüllen kann, zeigt ein Blick in seine Vergangenheit. Ab 2003 war er als freier Kamera-Reporter unterwegs und hat aus Dresden berichtet. Dort hat er sich auch selbstständig gemacht und bis 2008 ein Unternehmen geleitet, in dem er viele Alleinerziehende angestellt hatte. Zu dem Unternehmen gehörten daher auch eine Kindertagesstätte und Firmenwagen, die zusätzlich zu der Kamera-Ausstattung jeweils mit einem Kindersitz ausgestattet waren. „Ich wollte jedem eine Chance geben, und wenn man Alleinerziehende anstellt, muss man auch dafür sorgen, dass die Kinder versorgt werden“, sagt er.

Nach einem Arbeitsunfall – der 44-Jährige ist gelernter Tischler – machte er 2002 eine Umschulung zum Screen Designer. Diese Fertigkeiten kann er nun nutzen, um „AHEU“ zu helfen und die Internetseite einzurichten. Außerdem würde er gerne ins Bandmanagement einsteigen. „Ich will aber, dass die Musiker etwas für ihre Arbeit bekommen“, so der Rocker, der selbst 23 Jahre als Metallsänger unterwegs war.

Wer ihm an dieser Stelle vorwerfen will, dass er sich nur engagiert, um sich in der Gemeinde bekanntzumachen und bei der Selbstständigkeit weiter voranzukommen, täuscht sich. „Natürlich bekommt man durch ehrenamtliche Tätigkeit eine gewisse Position in der Gemeinde und wird bekannt. Die kostenlose Werbung nehme ich so mit, das ist aber definitiv nicht mein Hauptanliegen.“

Und dass er diese Aussage nicht einfach so getroffen hat, wird bereits bei seiner nächsten Aussage klar. „Ich helfe gerne anderen Menschen. Das hat für mich etwas mit Menschlichkeit zu tun, nicht mit Aktionismus.“ Keiner, der Mensch sei, könne andere leiden sehen, ist sich der 44-Jährige sicher. Und wer Euskirchen bisher noch nicht begegnet ist, wird dazu bald häufiger die Gelegenheit haben, denn der Rocker fährt auch den Bürgerbus.

Die Internetseite gibt es unter:

www.hn-aheu.org

Das könnte Sie auch interessieren

Mehr zum Thema:

Württemberg-Cup in Ristedt

Württemberg-Cup in Ristedt

Jahrestag des Münchner Amoklaufs: "Ins Mark getroffen"

Jahrestag des Münchner Amoklaufs: "Ins Mark getroffen"

Eskalation: Palästinenser brechen Kontakt zu Israel ab

Eskalation: Palästinenser brechen Kontakt zu Israel ab

Bilder: Deutsche Frauen holen Sieg gegen Italien

Bilder: Deutsche Frauen holen Sieg gegen Italien

Meistgelesene Artikel

Chester Bennington beim Hurricane: „Einer der besten Auftritte“

Chester Bennington beim Hurricane: „Einer der besten Auftritte“

Mittelalter-Markt in Höperhöfen: „Liberi Effera“ brechen das Eis

Mittelalter-Markt in Höperhöfen: „Liberi Effera“ brechen das Eis

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Sattelzug hat 17 Tonnen Hühnerkot zu viel geladen

Aus, Schluss und vorbei: Letzte Videothek im Südkreis macht dicht

Aus, Schluss und vorbei: Letzte Videothek im Südkreis macht dicht

Kommentare