„Merkel trägt die Hauptschuld“

Sottrumer Unternehmer Drewes über Perspektiven der Liberal-Konservativen Reformer

Peter Drewes ist Versicherungsunternehmer, Geschäftsführer beim Flugplatz Rotenburg, Jäger und überzeugter Politiker.

Sottrum - Von Michael Krüger. Die Liberal-Konservativen Reformer (LKR) treffen sich am Sonnabend in Verden zum Bundesparteitag. Die Kleinpartei, 2015 von ehemaligen AfD-Mitgliedern um Bernd Lucke noch als Allianz für Fortschritt und Aufbruch (Alfa) gegründet, will in der Öffentlichkeit stärker wahrgenommen werden.

In erster Reihe mischt der Sottrumer Unternehmer Peter Drewes mit, er ist seit November Landesvorsitzender der Partei. Der 63-Jährige spricht im Interview über Herausforderungen bei der politischen Basisarbeit und die kleine Hoffnung auf ein Bundestagsmandat.

Ihre Partei hat bei der Kommunalwahl im September 0,4 Prozent der Stimmen geholt, sie landeten auf dem letzten Platz. Woran hat das gelegen?
Peter Drewes: Wir sind noch eine sehr junge und unbekannte Partei. Es war für mich bei Wahlantritt für den Kreistag völlig klar, dass ich chancenlos sein werde. Von vier Wahlbereichen waren wir in drei nicht vertreten, und es mangelte an eigenen Kandidaten. Die Kreistagswahl war für mich wie: Drewes gegen alle. Ganz erfolglos waren wir dennoch nicht. Wir haben aus dem Stand in Niedersachsen 17 Mandate geholt. So ist zum Beispiel Ingmar Klee jetzt im Rathaus Scheeßel und Mitglied einer Fraktion, die schon häufiger Mehrheitsentscheidend war.

Woraus ziehen Sie Ihre politische Motivation?
Drewes: Meine Motivation ist ungebrochen. Als Landesvorsitzender und Mitglied im Bundesvorstand halte ich engen Kontakt zu unseren fünf Europaabgeordneten, die mich über aktuelle Themen informieren. Aus meiner Sicht unterwirft sich unsere Bundesregierung gegenüber Brüssel völlig und nimmt einen „Ausverkauf“ unseres Landes und unserer Werte vor. Ich bezeichne das als völlige Selbstaufgabe. 

Von der laut EU-Verträgen vereinbarte Eigenständigkeit der Länder bleibt kaum etwas übrig. Eine beispiellose Verschuldung und eine Haftungsübernahme für faule EU-Kredite bilden nur die Spitze des Eisbergs. Ein „Europäisches Finanzministerium“ und „Europäisches Arbeitslosengeld“ entmündigen uns vollständig. Unsere Bevölkerung ist hierüber schlecht bis gar nicht informiert. Das möchte ich ändern und dafür kämpfe ich. Zum Wohle unserer Kinder und Enkelkinder. CDU und SPD sind einfach nicht mehr wählbar. Martin Schulz ist für noch mehr Selbstaufgabe Deutschlands und noch mehr Europa, Angela Merkel hat nun wirklich lange genug herumgemerkelt. Sie trägt die Hauptschuld für alles, was bei uns schief läuft.

Sie sind Unternehmer, engagieren sich für Waisenkinder in Afrika, sind Jäger – wie schaffen Sie es da zeitlich, sich auch noch für Politik zu engagieren?
Drewes: Sie haben nicht erwähnt, dass ich auch noch Pilot bin. Dadurch spare ich ungeheuer viel Zeit bei Reisen durch Deutschland und Europa. Meine Firmen in Verden, Hamburg und Danzig sowie der Flugplatz in Rotenburg laufen ausgezeichnet. Die Zauberformel dafür lautet: Gute und zuverlässige Mitarbeiter, ein gutes Betriebsklima und gute Bezahlung. Von den mehr als 200 Mitarbeitern haben viele schon ihr 25-jähriges Jubiläum gefeiert. 

Jäger bin ich aus Überzeugung, denn Jagd ist aktiver und zwingend erforderlicher Naturschutz. Mein Revier befindet sich im Heidekreis und umfasst 1300 Hektar. Meine Frau und ich haben auch für die Jagd zehn Helfer mit „Begehungsschein“. Ein Revier zu betreuen bedeutet: 90 Prozent Arbeit und maximal zehn Prozent Jagd. Für mein soziales Engagement in Afrika gilt ebenfalls: Nur die besten Mitarbeiter, aber trotzdem strengste Kontrolle. Sonst läuft dort gar nichts. In unserem Waisenhaus leben 40 Vollwaisen. Das ist unsere große afrikanische Familie. Wir leisten Hilfe zur Selbsthilfe und zeigen im „Kleinen“, wie es geht. Ich blicke auf 40 Jahre Afrikaerfahrung zurück. Mein Sohn Oliver und ich wurden dafür beide im Jahr 2015 mit dem Bundesverdienstkreuz gewürdigt. Für die Politik setze ich in der Tat sehr viel Zeit ein. Häufig auch bis spät in die Nacht. Ich weiß aber wofür, und deshalb bin ich voller Energie und Einsatzfreude.

Die AfD ist auch im Kommunalen ein Erfolgsmodell. Bereuen Sie heute, nicht dortgeblieben zu sein?
Drewes: Die AfD trat 2013 an. Ich wechselte von der FDP zur AfD im Februar 2015 und stand voll hinter Bernd Lucke und Hans-Olaf Henkel. Als ich dann den katastrophalen Parteitag im Juli 2015 in Essen miterleben durfte, war ich nur noch geschockt. Eine radikale Machtübernahme durch Petry, Gauland, Höcke und Co. wird mir unvergesslich bleiben. Rund 3 000 Schreihälse reisten aus den neuen Bundesländern mit Bussen an und klärten durch dramatische Mehrheiten die neue Politikrichtung. Jedes AfD-Mitglied, das noch ein wenig Restanstand in sich spürte, ist daraufhin ausgetreten. Wir gründeten dann die Alfa, die sich in LKR umbenennen musste. Ein Erfolgsmodell sehe ich in der AfD heute nicht mehr. Es gab 2015 – Frau Merkel öffnete die Grenzen für alle Zuwanderer und löste ein Chaos aus – einen großen Aufschwung für die AfD, der heute aber schon wieder um 50 Prozent zurückgegangen ist. Die AfD ist eine reine Protestpartei unter sehr schlechter Führung geworden. Sie ist keine anständige Alternative.

Nervt Sie das ewige Anhängsel als „Ex-AfDler“?
Drewes: Manchmal nervt es in der Tat. Mir haben die fünf Monate AfD-Mitgliedschaft aber genau die Erfahrung gebracht, um zu wissen, warum diese Partei nicht wählbar ist.

Sie sind seit November Landesvorsitzender der LKR. Was haben Sie seitdem bewegt?
Drewes: Ich führe sechs Regionalverbände, halte die zum Teil demotivierten Mitglieder zusammen. Ich veranstalte regelmäßig Bürgerdialoge, auch mit prominenten Gästen. Ich mache Programmarbeit, verfasse wöchentlich Pressemitteilungen und kann im Ergebnis festhalten: Niedersachsen ist für die LKR der stabilste Landesverband. Die Abschaffung der Jagdsteuer habe ich vor zehn Jahren angeschoben und bin ständig dran geblieben.

Warum werden die LKR in der Öffentlichkeit kaum wahrgenommen?
Drewes: Ganz einfach. Die Presse berichtet nicht oder nur sehr selten über uns. Einladungen gab es genug. Sind wir zu langweilig, weil wir noch klein und unbedeutend sind? Radikal werden wir jedenfalls nicht, um die Aufmerksamkeit der Presse auf uns zu ziehen. Pressefreiheit ist ein hohes Gut. Wir erleben gerade, wie mit der Pressefreiheit in der Türkei, in Ungarn, Rumänien und Polen umgegangen wird. Aber die Presse hat in meinen Augen auch Informationspflichten. Das ist sie ihren Lesern einfach schuldig. Deshalb schreibe ich auch weiterhin Pressemitteilungen und gebe die Hoffnung nicht auf, dass irgendwann häufiger über unsere Partei berichtet wird.

Am Wochenende lädt die Partei zum Bundesparteitag nach Verden. Es heißt, dort geht es auch um eine mögliche Auflösung der Partei. Stimmt das?
Drewes: Eine Auflösung ist völliger Blödsinn. Als kleine Partei haben wir dicke Bretter zu bohren. Das dauert eben.

Sie selbst wollen in den Bundestag, haben Sie erklärt. Warum?
Drewes: Ich biete den Bürgern im Landkreis Rotenburg und im Heidekreis meine Dienste als Direktkandidat an. Es muss doch einfach jemand von hier die Interessen unserer Region in Berlin vertreten. Meinen Sie, dass eine Kathrin Rösel (CDU) aus Gifhorn die Interessen der Rotenburger vertreten wird und sich gegen die „Merkel-Politik“ stellen wird? Meinen Sie, dass der SPD-Kandidat Lars Klingbeil aus Munster mit Martin Schulz an seiner Seite etwas für unsere Region bewegen wird? Sie werden den „Schlussverkauf“ unserer Werte nur beschleunigen. Das beste Beispiel ist die Integrationsbeauftragte der SPD, Frau Özoguz. Deutsche haben sich anzupassen, nicht die Zuwanderer. Wer jetzt nicht langsam wach wird, wird noch viel erleben.

Sie waren für die FDP aktiv, dann für die AfD, jetzt LKR. Was braucht es, damit sich Peter Drewes politisch heimisch fühlt?
Drewes: Bei der FDP fühlte ich mich 20 Jahre heimisch. Die fünf Monate AfD waren eine Bereicherung in Sachen Erfahrung. Heute bin ich aus voller Überzeugung in der LKR und kann hier erheblich mitgestalten.

Könnten Sie kurz zusammenfassen, wofür LKR stehen?
Drewes: Wir stehen für eine echte Politik der Mitte und sind liberal, weil es die FDP schon lange nicht mehr ist. Wir bieten Konzepte und Lösungen, und zwar nicht als Protestpartei. Wir sind gerne konservativ, wenn es darum geht, Deutschland zu bewahren und Werte zu erhalten. Dies fehlt der CDU völlig. Und dann sind wir gerne Reformer, denn viele Politikentscheidungen der Vergangenheit bedürfen dringend Veränderungen. Wir sind nah am Bürger und verlangen mehr direkte Demokratie, so wie es im Grundgesetz steht. In ganz entscheidenden Fragen fordern wir Volksabstimmungen, bevor Deutschland sich auflöst oder über einen Euroaustritt nachdenkt.

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