Menschlichkeit als „Lebensmittel“ 

Bötersener gehen mit Bürgerladen in die zweite Phase

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Wolfgang Gröll stellte unter anderem einen möglichen Aufbau des Dorfladens vor.

Bötersen - Von Matthias Daus. Was wird aus dem ehemaligen Dorfladen in Bötersen? Eine derzeit viel diskutierte Idee ist, das Geschäft wiederzubeleben – betrieben von einem Verein. Was das im Genauen bedeutet und wie es weitergeht, dazu hatte Wolfgang Gröll von der Bundesvereinigung multifunktionaler Dorfläden am Samstag jede Menge zu erzählen.

Gröll ist kein unbeschriebenes Blatt, wenn es um die Gründung von Dorf- oder Bürgerläden geht. Viele dieser Projekte hat er mit auf den Weg gebracht, und die meisten davon sind erfolgreich. Einige dieser Geschäfte stellte Gröll vor und sprach dabei Details, wie den Aufbau der Verkaufsregale und dergleichen, an. Dabei sah er die Auswirkung äußerer Einflüsse auf einen derartigen Laden als eher gering an. So sei beispielsweise ein Laden in einer kleinen Gemeinde mit rund 160 Einwohnern ebenso erfolgreich, wie ein anderer, der in direkter Nachbarschaft zu einem großen Discounter eine gesicherte Existenz führt.

„Die Vorteile eines Dorfladens sind die Nähe zu den Kunden und auch das Führen von lokalen Produkten, deren Herkunft gut nachvollziehbar aus der näheren Umgebung ist“, sagte er. Man verkaufe aber auch das „Lebensmittel Menschlichkeit“. Damit wollte er ausdrücken, dass die Förderung eines Gemeinschaftssinns eine der großen Aufgaben des Geschäftes vor Ort sei.

Fahrplan zu Realisierung

Ein weiterer Schwerpunkt seines Vortrages war es, einen Fahrplan vorzustellen, wie ein solches Vorhaben zu realisieren ist. Er unterteilte die Entwicklung hier in drei Phasen. Die erste Phase ist dabei die sogenannte Sensibilisierungsphase. Die im Prinzip daraus besteht, die Bürger zu informieren und Aufklärungsarbeit zu leisten. Am Ende steht die Gründung eines Arbeitskreises, oder aber im negativen Falle, die Erkenntnis, dass ein solches Projekt nicht gewünscht wäre. Die Informationsveranstaltung war in diesem Zusammenhang der Gradmesser, ob die Gemeinde den Weg weiter gehen möchte, oder nicht.

Mit einem eindeutigen Votum für die Weiterführung kann es nun in die zweite Phase gehen. Notwendig dafür ist dabei die Gründung eines Arbeitskreises, was aber angesichts von 32 bekennenden Interessenten daran eher eine Formsache sein wird. In der zweiten Phase, dem Vorgründungsprozess, wird viel Basisarbeit geleistet. Dinge wie eine Bürgerbefragung, das Erstellen einer Machbarkeitsstudie, die Wahl einer geeigneten Rechtsform, sowie die Sicherung der Finanzierung durch Anteilserwerb durch die Bürger stehen dabei im Vordergrund. Hier ist nun die nächste Sollbruchstelle. Sollte sich abzeichnen, dass die Voraussetzungen nicht gegeben sein sollten, würde man an dieser Stelle auch aus dem Projekt aussteigen können.

Arbeitsreicher Prozess

Wichtig bei der Rechtsform sei, so Gröll, dass über allem ein genossenschaftlicher Gedanke stehe. In der dritten Phase, der Umsetzungsphase, würde man sich um Konkretes wie die geeigneten Räumlichkeiten und dergleichen bemühen. Und erst dann, wenn Finanzierungen anstünden, würden die Gelder für die Anteile, die die Bürger verbindlich zugesagt haben zu erwerben, fällig.

Was einfach klingt, ist ein arbeitsreicher Prozess, an den man laut Gröll am besten auf positive Weise „naiv“ herangehen und sich offen für unkonventionelle Wege zeigen sollte. „Die erfolgreichsten Betreiber solcher Dorfläden sind oftmals Quereinsteiger, die vorher Fluglotsen, Altenpfleger oder Fensterbauer waren. Die haben einen anderen Blickwinkel auf gewisse Dinge“, sagte Gröll. Es gibt eine Auszeichnung namens „Top 30“. Die Drei stünde für glückliche Kunden, glückliche Geschäftspartner und glückliche Mitarbeiter. Die Null sei die „schwarze Null“, die für einen verlustfreien Betrieb stünde. „Beherzigen Sie diese Dinge, dann wird Ihr Laden auch erfolgreich sein können“, sagte er und sprach an, dass man nicht alles ehrenamtlich umsetzen könne.

Bald soll der Arbeitskreis gegründet werden. Es bleibt also spannend in Bötersen.

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