Im Jungen Orchester Auenland spielen Musiker aller Altersgruppen

Ein Mehrgenerationenprojekt

Mit den Jahren ist das Junge Orchester Auenland stetig gewachsen. Teenager und Erwachsene machen gemeinsam Musik.

Eversen - Von Matthias Röhrs. Den Nachwuchs an die Musik heranführen: Das ist das hehre Ziel des Jungen Orchesters Auenland. Kurz vor dem Jubiläumsjahr 2020 sind aus vielen Kinder dort längst junge Erwachsene geworden und viele Ältere sind ihrerseits dazugestoßen. Seit der Gründung 2010 ist das Orchester stetig gewachsen. Das Durchschnittsalter liegt bei 22, die jüngste Musikerin wird bald vier, die Älteste im Orchester ist 73 Jahre.

Das Junge Orchester Auenland ist also längst zu einem Mehrgenerationenprojekt geworden. Sandra Behrens, Erste Vorsitzende und musikalische Leiterin des Musikvereins, jedenfalls freut sich immer wieder, wenn sie sieht, wie Teenager mit Senioren gemeinsam lachen, sich einfach verstehen. Die Freude an der Musik, das gemeinsame Musizieren hat sie zusammenwachsen lassen. „Wir sind fast nur mit Kindern angefangen, aber auf keinen Fall können wir jetzt noch von einem Kinderorchester sprechen“, sagt sie.

Behrens ist seit der Gründung des Vereins die erste Vorsitzende. Den Stein des Anstoßes fand sie dabei in Ahausen, als das Bundespolizeiorchester einen Präventionsworkshop mit den Grundschülern aus dem Dorf durchführte. „Das Thema Mobbing wurde dabei musikalisch aufgegriffen“, erinnert sie sich. Da die Kinder damals selbst auch Instrumente ausprobieren durften, begriff sie schnell, wie Musikmachen zur Charakterbildung beitragen kann. Eine Erkenntnis, die sie später bei Auftritten des Orchesters bestätigt bekommen wird. Sie spricht von achtjährigen, introvertierten Kindern, die immer selbstbewusster werden, bestärkt durch das positive Feedback, dem Applaus. Das zeige sich auch an der Vereinsstruktur. Haben früher die Eltern die Posten im Verein übernommen, nehmen immer mehr die langsam erwachsen gewordenen Musiker die Verantwortung wahr.

Nach dem Workshop in Ahausen hat sich Behrens umgehört, ob man so etwas nicht selbst machen möchte. Musikvereine kennt sie selbst noch aus ihrer eigenen Vergangenheit. Als Saxofonistin spielte sie in den 1990er-Jahren beim Musikverein Rotenburg, bei der damaligen Red Castle Company. Dort hat sie auch den Dirigenten Christof Koert kennengelernt. „Der ist irgendwie zu meinem Mentor geworden“, sagt Behrens. Noch heute verbinde die beiden eine Freundschaft, Koert stand ihr auch oft beim Jungen Orchester Auenland zur Seite.

Mit elf Gründungsmitgliedern startete das Orchester im Sommer 2010. Heute sind es 91. Der Verein schaffte Instrumente an, um sie den Kindern auszuleihen. Dazu gab es die ersten Unterrichtseinheiten. Noch bis heute legt der Verein Wert auf Einzelunterricht. Ausnahmen bilden die Gruppen, mit denen die Kinder nach und nach an das Orchester herangeführt werden. So kamen mit den Jahren die Trommel-Trolle, die Flöten-Flöhe und seit Januar die Musi-Minis mit den ganz Kleinen dazu. Das schon im Herbst 2010 gegründete Stammorchester wurde vier Jahre später durch ein Nachwuchsorchester ergänzt. Wobei sich „Nachwuchs“ hier nicht auf das Alter, sondern auf die Erfahrung am Instrument bezieht. Seit knapp einem Jahr gibt es sogar eine kleine Marschformation – aber die ist laut Behrens eher als Experiment zu verstehen. Für den Unterricht stellt die Gemeinde Ahausen Räume in der Aue-Grundschule zur Verfügung, die Orchester proben im Eversener Mehrzweckgebäude.

„Wir wollen erst einmal jedem die Möglichkeit geben, zu musizieren“, erklärt Behrens das Selbstverständnis des Jungen Orchesters Auenland. Sie glaubt, dass Musik an den Schulen immer weniger eine Rolle spielt. Das versuche der Verein aufzufangen. Musik bewege so viel im Menschen, sowohl beim Zuhören als auch beim Musiker, der eine Leidenschaft entwickelt. Dazu müsse man sich aber auch im Orchester integrieren wollen. „Man funktioniert im Ensemble nur so gut, wie man miteinander umgeht.“

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