Jan-Christoph Oetjen und Kristian Buthmann berichten über Vereinbarkeit von Familie und Politik

„Mehr Rücksicht auf Berufstätige“

Zum Vorlesen versucht Jan-Christoph Oetjen für seine beiden Mädchen zu Hause zu sein. Das klappt aber nicht jeden Tag. - Fotos: Tisemann

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Mehr junge Leute für Kommunalpolitik begeistern. Das wollen alle Parteien in der Samtgemeinde Sottrum. Doch es gibt im Gemeinderat Sottrum schon zwei Ratsmitglieder, die trotz Familie und Beruf einen Teil ihrer Freizeit hergeben, um gewisse Dinge mitzugestalten – vor allem für die junge Generation und den Familiennachwuchs ist das besonders wichtig. Jan-Christoph Oetjen (FDP) und Kristian Buthmann, der sich 2011 für die Grünen hat aufstellen lassen, erzählen, warum sie sich für diese Aufgabe entschieden haben, und wo es manchmal hakt.

Gemeinderat, Samtgemeinderat, Kreistag und Landtagsmandat – bei Jan-Christoph Oetjen kommt einiges an politischen Ämtern zusammen. Da ist die Sicht auf das Engagement in der Kommunalpolitik noch einmal eine andere. Seit 1995 ist der 38-Jährige Mitglied in der FDP, 1996 hat er erstmals für den Gemeinderat kandidiert – aber erst 2001 reichten die Stimmen für einen Sitz dort aus.

Zehn Jahre später schaffte Kristian Buthmann es im ersten Anlauf. Der zweifache Familienvater hat sich damals nach dem Besuch einer Sitzung der Arbeitsgruppe für Dorferneuerung dazu entschieden, sich in der Kommunalpolitik zu engagieren. „Damals hat mich Lühr Klee angesprochen, ob ich mich nicht für die Grünen aufstellen lassen will“, erzählt der 39-Jährige.

Mitglied bei den Grünen wollte er aber nie werden. „Ich wollte mich nicht an eine Partei binden“, so Buthmann. Warum dann aber doch über die Liste der Grünen? „Die Grünen passen am besten zu mir“, erklärt der Stuckenborsteler seine Wahl.

Zeit zum Spielen mit dem Trecker muss sein. Die nimmt sich Kristian Buthmann für seinen vierjährigen Sohn neben der Arbeit und dem Engagement im Gemeinderat auch.

Im Ausschuss für Wirtschaft und Verkehr, dem Kindergartenkuratorium und dem Gemeinderat sitzen Oetjen und Buthmann gemeinsam. Für den Stuckenborsteler kommt dann noch ein Sitz im Ausschuss für Kinder, Jugend, Sport, Soziales und Kultur hinzu, Berufspolitiker Oetjen sitzt noch im Ausschuss für Bau, Planung und Umwelt – und der tagt häufig. „Die Termine sind meistens abends, dann lässt sich das meist auch gut mit der Familie vereinbaren, weil man die Kinder wenigstens noch einmal gesehen hat, bevor sie schlafen gehen“, so der Vater von zwei kleinen Mädchen (4 Jahre und 7 Monate), der erzählt, dass er mit seiner Frau die Abmachung getroffen hat, nicht mehr als drei Abende in der Woche weg zu sein.

Eine solche Abmachung gibt es bei Familie Buthmann nicht. Der 39-Jährige gibt aber zu, dass nach einer Wahlperiode erst einmal wieder Schluss für ihn in der Kommunalpolitik ist. Zu den Sitzungen der Ausschüsse, den Fraktionssitzungen der Grünen und dem Gemeinderat kommen durch einen beruflichen Wechsel vermehrt weitere Abendtermine dazu – trotz Großeltern, die in der Nähe leben und auf die Kinder aufpassen, war es Zeit für eine politische Pause für den Sachverständigen beim Tüv Nord. „Die Abende gemeinsam mit der Familie werden dadurch immer weniger. Das ist einfach momentan miteinander nicht mehr zu vereinbaren“, betont der Vater von zwei kleinen Kindern (4 und 7 Jahre).

Momentan heißt aber auch, dass er sich vorstellen kann, noch einmal zu kandidieren. „Ich schließe es nicht kategorisch aus, dass ich mich nochmal irgendwann aufstellen lasse“, sagt der 39-Jährige. Ob erneut für die Grünen, steht jetzt noch nicht fest – vielleicht auch als Einzelbewerber.

Die Vereinbarkeit von Familie, Beruf und Ehrenamt – eines der Hauptprobleme bei der Suche nach Kandidaten auf kommunaler Ebene. „Die Politik muss mehr Rücksicht auf Berufstätige nehmen, wenn wir wollen, dass Politik nicht nur von Rentnern gemacht wird“, macht Jan-Christoph Oetjen daher deutlich. Ein Familienvater halte ganz andere Dinge für wichtig als ein Rentner, eine Frau mache sich für andere Dinge stark als ein Mann. „Die Mischung macht es erst interessant“, so Oetjen.

Kleine Schritte sind schon damit getan, dass sich die Fraktionsmitglieder gegenseitig vertreten können, und das klappt bei allen Parteien gut. Dennoch sieht Oetjen einen Vorteil von kleinen Fraktionen. „Bei uns geht es schneller auf Zuruf, wir brauchen nicht so viele Sitzungen“, sagt der 38-Jährige, der gemeinsam mit seinem Vater Heinz-Wilhelm Oetjen die FDP im Sottrumer Gemeinderat vertritt. Auch bei den einzelnen Ausschusssitzungen wäre es hilfreich, wenn die Tagesordnungen überschaubar blieben, findet Oetjen.

Doch auf Gemeindeebene hält sich der Aufwand bei fünf Ausschüssen, die in der Regel alle nur zwei Mal im Jahr tagen – der Bauausschuss bildet dabei momentan eine Ausnahme – den Fraktions- und Ratssitzungen, noch in Grenzen. „Wenn man auf mehreren Hochzeiten tanzt, hat man aber auch mehr zu tun“, spielt Oetjen auf seine Mandate auf Samtgemeinde-, Kreis- und Landesebene an.

Das Engagement in der Kommunalpolitik sei mit Ehrenämtern in Vereinen vergleichbar. „Wenn man merkt, dass man etwas Gutes macht und etwas bewirkt, macht es Spaß“, sagt Oetjen, der aber auch verstehen kann, dass es Menschen gibt, die ihren Kopf nicht für die politischen Belange hinhalten wollen. „Ratsarbeit kann anstrengend sein, ein gutes Ergebnis macht aber Spaß“, betont auch sein Ratskollege Buthmann und macht allen Mut, sich für ein Amt in der Kommunalpolitik zu entscheiden. Man müsse sich dabei zwar auch teilweise mit kontroversen Einzelmeinungen auseinandersetzen, aber auch dafür hat Buthmann einen Tipp parat: „Manchmal muss man einfach über den Dingen stehen.“

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