Mehr als einen Code braucht es nicht

Christoph Evers und seine Kollegen Fiete Stamer und Kevin Hüdig haben Eventlogger gegründet.
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Christoph Evers und seine Kollegen Fiete Stamer und Kevin Hüdig haben Eventlogger gegründet.

Einfach einen QR-Code erstellen und dann vom Veranstalter einscannen lassen, ohne das Daten erst vor Ort aufgeschrieben werden müssen, das war die Idee von Christoph Evers aus Ahausen und seinen Kollegen Fiete Stamer und Kevin Hüdig. Die drei arbeiten in der Veranstaltungsbranche, haben die Probleme direkt mitbekommen und eine Lösung gesucht.

Ahausen/Hamburg – Besonders die Veranstaltungs- und die Gastronomiebranche sind vom Lockdown sowie den Corona-Maßnahmen stark betroffen. Zunächst einige Woche gar nicht, fand der Betrieb in den vergangenen zweieinhalb Monaten nur eingeschränkt statt, kulturelle Veranstaltungen können bislang überhaupt nur als Zuschussgeschäft in kleinerem Rahmen stattfinden. Wie auch in anderen Branchen, wird nach Lösungen gesucht und es gibt auch immer wieder kreative Ideen, wie man das Unternehmen über Wasser halten kann. War es in der Gastronomie in der Anfangszeit das Außer-Haus-Geschäft, haben sich Konzertveranstalter das Konzept des Autokinos zunutze gemacht. Mittlerweile gilt für alle Gelegenheiten, an denen Menschen zusammenkommen, dass man sie im Nachhinein kontaktieren können muss. Da setzt der Ahauser Christoph Evers mit seinen Kollegen Fiete Stamer und Kevin Hüdig an.

Die drei haben „Eventlogger“ an den Start gebracht, ein System, das das Eintragen der Kontaktdaten auf Zetteln ersetzen soll. „Die Geschwindigkeit war die Hauptmotivation“, erklärt Evers, wie er und seine beiden Kollegen – alle drei arbeiten in der Hamburger Markthalle – auf die Idee gekommen sind. Bei Konzert-Konzepten in Corona-Zeiten hake es oft am Einlass. Dort gelte es, Schlangen zu vermeiden. Zu Zettel und Stift greifen dauere meist lange. „Eventlogger“ funktioniert so, dass sich jeder Gast vorher oder auch noch vor Ort einen QR-Code erstellt und der Veranstalter diesen scannt. Beim Erstellen des Codes werden die Daten, also die Anschrift hinterlegt. Wer einmal einen Code angefragt hat, kann diesen auch bei anderen Gelegenheiten nutzen, etwas im Restaurant oder beim Fußballspiel. Die einzige Voraussetzung ist, dass der Veranstalter das System auch nutzt.

„Wir alle drei arbeiten in der Veranstaltungsbranche“, sagt Evers. Er selbst ist im Veranstaltungsbüro der Markthalle tätig, Fiete Stamer ist Betriebsleiter und Kevin Hüdig Gastronomieleiter. Dementsprechend haben sie die Schwierigkeiten und Probleme der Branche aus verschiedenen Perspektiven mitbekommen und sich ein System überlegt, das sich in die Hygiene-Bestimmungen einfügt. „Wir müssen uns darauf einstellen, dass wir noch eine längere Zeit mit den Kontaktlisten leben müssen“, meint Evers. Und die bisherigen Lösungen seien aus Sicht der drei einfach zu umständlich. Es gebe Apps, mit denen entsprechende Listen für Veranstaltungen aufgenommen werden können. Dafür müssen sich die Besucher diese aber auch alle herunterladen. „Das einzige was auch noch gut funktioniert, sind personalisierte Tickets“, meint Evers. Das funktioniere aber hauptsächlich für große Veranstaltungen. „Sobald es die nicht mehr gibt, wird es schwierig.“

Die Zettelwirtschaft, meint der Ahauser, habe neben dem Zeitfaktor noch einen weiteren Nachteil. Es gebe nicht immer eine Garantie, dass die Daten sicher sind, teilweise sind sie kurzzeitig für andere sichtbar. Auch die Entsorgung hält er für problematisch. Online-Lösungen sind meistens aber auch nicht vor Betrug gefeit. Doch Evers erklärt, dass sich der QR-Code auch erstellen lasse, ohne dass eine E-Mail-Adresse angegeben werden muss. Dann bekomme der Nutzer einfach eine PDF-Datei. Die Daten sind danach nicht mehr sichtbar, es sei denn, das Gesundheitsamt benötigt sie für die Nachverfolgung. Auch der Veranstalter könne sie nicht einsehen. Die Angaben, die für den QR-Code eingetippt werden, landen laut Evers auf einem sicheren, zertifizierten Server. Sie zu löschen, sei dort allerdings nicht vorgesehen – auf Anfrage aber möglich. Die Liste mit den Codes wird vier Wochen vom Veranstalter gespeichert. „Das war das Einzige, über das wir diskutiert haben“, sagt Evers. Es gebe hier unterschiedliche Rechtslagen, mit der Zeitspanne sei man aber auf der sicheren Seite.

Weil keiner der drei Jungunternehmer IT- oder Programmier-Kenntnisse hat, haben sie sich dafür Unterstützung von außen gesucht. Von der Idee bis zu Marktreife habe es etwa einen Monat gedauert und eben so lange ist das System jetzt auf dem Markt. „Wir sind noch in den ersten Schritten“, beurteilt Evers die Lage. Die drei müssten jetzt noch Überzeugungsarbeit leisten. Sie hätten den Eindruck, viele hätten sich mit den Zetteln arrangiert. Mit Eventagenturen seien sie in Kontakt und wollen auch zur Branchen-Messe nach Berlin, der „Future of Festival“. „Ziel ist jetzt, es in der Branche zu verbreiten“, fasst Evers zusammen.

Nützlich halten es die drei nicht nur für Veranstaltungen und Restaurants, sondern auch für Vereine, etwa wenn es um Sportveranstaltungen geht. Die müssen es allerdings natürlich ebenso bezahlen wie andere Nutzer. Die drei Erfinder haben sich zwei Abo-Möglichkeiten überlegt. Zum einen können Veranstalter für 4,99 Euro im Monat bis zu 300 Scans machen, zum anderen für 9.99 Euro bis zu 1 000 Scans. Jeder weitere Scan kostet einen Cent. „Wir bieten aber auch spezielle Lösungen an“, so Evers. Gäste, die sich QR-Codes erstellen, zahlen nichts.

Wenn sich ihre Idee weitläufig durchsetzt und viele Nutzer findet, wollen die Unternehmer noch einige Prozesse automatisieren. „Das Erstellen der Accounts der Abo-Inhaber läuft noch händisch ab“, erklärt der Ahauser. Weil die technische Lösung eigentlich eine einfache ist, sei das unkompliziert möglich, aber auch kostspielig. Daher könnten die drei Vollzeit-Berufstätigen sich das erst erlauben, wenn es entsprechend viele Nutzer gibt.

Einen QR-Code erstellen könnt ihr unter eventlogger.de

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