Matthias Gerken aus Reeßum engagiert sich für die Kriegsgräberfürsorge

„Nie die Hoffnung aufgeben“

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Matthias Gerken sammelt für den Volksbund Spenden in den Haushalten.

Ressum - Von Antje Holsten-Körner. Inzwischen liegt das Ende des zweiten Weltkrieges mehr als sieben Jahrzehnte zurück. Trotzdem sind die Gefallenen – ob während der Kriege oder später in Gefangenschaft – nicht in Vergessenheit geraten. Doch oft wissen die Angehörigen und Nachkommen gar nicht, wo sich das Grab befindet. Damit sich das ändert, engagiert sich zum Beispiel der Reeßumer Matthias Gerken.

„Der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge möchte mit seiner Aktion ‚Toter sucht Angehörigen’ darauf aufmerksam machen, dass für viele Verstorbene Kontaktdaten fehlen“, erklärt Matthias „TC“ Gerken. Bereits seit 1998 sammelt der 44-Jährige jedes Jahr rund um den Volkstrauertag Spenden für den Volksbund und befasst sich seitdem eingehend mit der Thematik. Ganz unbedarft war der Postzusteller damals allerdings nicht, denn er hatte sich schon mit Ahnenforschung und der Historie seines Heimatortes beschäftigt.

Um alle Haushalte in Reeßum zu besuchen, investiert er jedes Jahr, neben vielen Abenden, eine Woche seines Jahresurlaubes. „Ein Besuch kann schon mal eine gute Stunde dauern, denn oftmals wird viel von früher erzählt“, berichtet er. Da er nur selten abgewiesen wird, kann sich das Sammelergebnis sehen lassen. Durch den engen Kontakt zu den Bürgern ist es ihm wichtig, dass mit den Spenden an den gemeinnützigen Verein behutsam umgegangen wird. „Etwa 70 Prozent des Volksbund-Etats stammen aus Spenden und Mitgliedsbeiträgen“, weiß er. Ohne das Engagement von unzähligen Ehrenamtlichen wären die Aufgaben gar nicht zu bewältigen.

Die Aktion, bei der auf die fehlenden Angehörigendaten aufmerksam gemacht wird, hält er für sehr sinnvoll. Daher führte er dieses Jahr beim Volkstrauertag, den er seit 2003 in Reeßum zusammen mit Hans-Joachim Müller gestaltet, in der örtlichen Friedhofskapelle den Film „Toter sucht Angehörigen“ vor. „Viele Menschen können sich nicht vorstellen, dass Mitarbeiter des Volksbundes Jahr für Jahr immer noch 30000 tote Soldaten und zivile Kriegsopfer bergen, umbetten und ihnen eine würdige Ruhestätte geben“, so Gerken. Allein seit der politischen Öffnung Ende der 1980er Jahre waren es weit mehr als 800000 Tote in Osteuropa. Davon wurden gut 250000 sogar noch identifiziert.

Aber: So viele Jahre nach dem Krieg wird es immer schwieriger, Angehörige zu finden. Auch wenn die Adressen vorgelegen haben, sind sie oftmals nicht mehr aktuell oder die Anfragenden inzwischen gestorben. „Und die Kinder oder Enkelkinder wissen gar nicht, dass es einen Suchauftrag gab“, weiß Matthias Gerken. Seit 1991 richtete der Volksbund gemäß eigenen Angaben 330 Friedhöfe des zweiten Weltkrieges und 188 Anlagen aus dem ersten Weltkrieg in Ost-, Mittel- und Südosteuropa wieder her oder legte sie neu an. 827 751 Kriegstote seien auf 82 Kriegsgräberstätten umgebettet worden. Aktuell hat der Volksbund mehr als fünf Millionen Kriegstote in seiner Datenbank registriert. Angehörige konnten allerdings nur in etwa zehn Prozent der Fälle ausfindig gemacht werden.

Auch viele Reeßumer gehören zu den Opfern. Zum Jahrestag des Ausbruchs des ersten Weltkrieges, der sich 2014 zum 100. Mal jährte, war Gerkens Interesse geweckt und die Detektivarbeit begann. Durch sein Engagement konnten mehrere Gefallene des Ortes zugeordnet werden. Inzwischen füllen alleine die Daten über den ersten Weltkrieg zwei große Ordner.

„Es macht mir Spaß, den Leuten eine Freude zu bereiten“, so der 44-Jährige. Dabei haben ihm auch die Informationen geholfen, die er von Werner Röhrs, der sich seit Jahrzehnten mit Familienchronik und der Geschichte des Ortes beschäftigt, erhalten hat. „Man sollte die Hoffnung nie aufgeben, doch noch den Angehörigen zu finden, es lohnt sich auf jeden Fall nachzufragen“, appelliert Gerken.

www.graebersuche-online.de

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