„Aufwand wird nicht wahrgenommen“

Maren Bischoff über die lokalen Betriebe in Sottrum

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Maren Bischoff ist im Vorstand des Sottrumer Gewerbevereins und organisiert das „Heimat shoppen“ in der Wieste-Gemeinde.

Sottrum - Von Matthias Röhrs. Der Gewerbeverein Sottrum beteiligt sich am 8. und 9. September an der Aktion „Heimat shoppen“ der Industrie- und Handelskammer (IHK). 22 Sottrumer Betriebe wollen an diesen beiden Tagen zeigen, dass sie mit ihrer Arbeit zur Lebensqualität im Ort beitragen.

Auffallen tue das nicht jedem, glaubt man eben. Maren Bischoff ist Vorstandsmitglied im Gewerbeverein Sottrum und für die Aktion im Wieste-Ort – die parallel übrigens auch in Scheeßel stattfindet – zuständig. Im Interview erklärt sie, warum lokale Firmen einen solchen Aktionstag überhaupt brauchen.

Mit der Aktion „Heimat shoppen“ wollen Sie zeigen, dass die lokalen Betriebe mehr leisten als die Versorgung mit Waren und Dienstleistungen. Gibt es da wirklich so viel mehr zu sehen?
Maren Bischoff: Die Aktion „Heimat shoppen“ ist kein Tag der offenen Tür von Gewerbetreibenden, sondern eine Aktion, um beim Kunden das Bewusstsein zu schaffen, dass Gewerbetreibende sehr viel für Ihren Ort tun. Wir sponsoren Gruppen und Vereine durch Geld und Sachspenden wie Preise für Tombolas oder Trikotsätze. Wir organisieren den Weihnachtsmarkt und kümmern uns um die Aktionsbühne vom Frühjahrsmarkt. Ausbildungsplätze sowie Praktikumsplätze werden zur Verfügung gestellt und Arbeitsplätze geschaffen. Unsere Geschäfte im Ort bedeuten Begegnungsstätten und ein lebendiges Sottrum. Stellen Sie sich vor, wir hätten keine Geschäfte und Gaststätten mehr. Es ist schön, vor Ort bummeln zu können, Freunde und Bekannte auf ein Gespräch zu treffen.

Wie darf man sich das Wochenende vorstellen? Kann ich dann einfach durch die Hinterzimmer der Betriebe laufen?
Bischoff: Nein, das nicht. Die teilnehmenden Betriebe führen zum Teil Aktionen durch, um mehr Kundschaft für den „Heimat shoppen“-Tag zu generieren. Wer an diesem Tag einkauft, erhält seine Einkäufe auf Wunsch in einer speziellen Papiertragetasche, und Flyer zum Thema der Bedeutung von „Heimat shoppen“ werden verteilt. Auf diese Weise werden die Kunden angeregt, über die unsichtbare Seite unseres Wirkens nachzudenken und zu verstehen, was sie selber mit ihrem Einkauf Positives für ihren Wohnort tun.

Dass die Betriebe Mehrwerte beispielsweise durch Jobs bieten, ist doch bekannt. Wozu braucht es da einen Aktionstag?
Bischoff: Ist es wirklich bekannt? Oder ist es eher eine Selbstverständlichkeit, deren Bedeutung man nicht bewusst wahrnimmt? Der Gewerbetreibende bezahlt seine Mitarbeiter, und ja, er verdient im besten Fall auch an deren Arbeit. Aber der Gewerbetreibende sorgt auch dafür, dass der Arbeitsplatz sicher ist, auch in schweren Zeiten nicht gekündigt wird und immer wieder neue Aufträge rankommen. Er hat nicht nur die Verantwortung für seine Familie, er trägt auch Verantwortung für die Familien seiner Mitarbeiter. Es ist für jeden eine Selbstverständlichkeit, dass das Gehalt pünktlich gezahlt wird. Welcher Aufwand dahinter steckt, wird nicht wahrgenommen.

Welcher Aufwand steckt denn dahinter?
Bischoff: Viele Selbstständige arbeiten weit mehr als die üblichen 40 Stunden pro Woche, sechs bis sieben Tage die Woche sind keine Seltenheit. Und trotzdem engagieren sich viele ehrenamtlich für den Ort und für unsere Vereine. In meinem persönlichen Umfeld höre ich oft Überraschung, wenn ich erzähle, dass wir Gewerbetreibenden den Sottrumer Weihnachtsmarkt organisieren, ja, sogar die Schleifen an den Tannenbäumchen selbst aufhängen und selbstverständlich auch wieder alles abnehmen.

Ist auch Sinn und Zweck, die Kunden wieder mehr in lokale Geschäfte zu locken, oder steht dieser Gedanke eher außen vor?
Bischoff: Sicher auch, denn was wäre ein Ort ohne lokale Geschäfte? Aber „Heimat shoppen“ ist in erster Linie eine Imagekampagne für alle örtlichen Gewerbetreibenden. Die Aktion soll zum Denken und Handeln auffordern anstatt – nur – in den Handel zu locken. Wir alle tun mit unserem Wirken etwas für den Ort. Bei der Aktion machen auch Gewerbetreibende mit, die kein Ladenlokal haben. Diejenigen unter uns, die ein Geschäft haben, sind an den Aktionstagen gefragt, die Bedeutung von „Heimat shoppen“ mit den Tüten und Flyern an den Kunden zu bringen. Und wir alle hoffen, dass viele Kunden die Flyer lesen und darüber vielleicht auch mit ihren Freunden und Bekannten sprechen. Mit einem Gewinnspiel möchten wir zusätzlich Aufmerksamkeit schaffen.

Wie kann das Bewusstsein für die „unsichtbare Seite“ der Betriebe langfristig verbessert werden? Auch nach dem „Heimat shoppen“-Wochenende?
Bischoff: „Tue Gutes und rede darüber“ ist ein altes treffendes Zitat. Die Aktion „Heimat shoppen“ findet dieses Jahr erstmalig in unserem IHK-Bezirk statt. Ich hoffe, dass wir dem Beispiel von Nordrhein-Westfalen folgen werden und diese Aktion auch im kommenden Jahr wiederholen und dann mit einer noch größeren regionalen Ausweitung als in diesem Jahr. Unsere Tüten werden sicher noch eine Weile zu sehen sein und an die Aktion „Heimat shoppen“ und damit ihre Bedeutung erinnern.

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