„Man muss sagen, wo die Grenzen sind“

Baumschutzbeauftragter Daniel von Salzen über den Schutz von Gehölz in der Praxis

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Ab Montag fällt der Bauhof die Bäume an der Großen Straße.

Achim/Sottrum - Von Matthias Röhrs. Der Termin scheint passend: Am Montag startet der Sottrumer Bauhof mit den Fällarbeiten an der Großen Straße. Zehn Bäume sollen weg.

Nicht jeder im Wieste-Ort findet Gefallen an der Aktion, die Grünen-Fraktion im Gemeinderat hat daher einen Antrag auf eine Baumschutzsatzung gestellt. Für die Bäume an der Großen Straße zu spät, wird ab 19.30 Uhr der Umweltausschuss im Rathaus über die Satzung diskutieren. Seit 20 Jahren gibt es eine Solche bereits in Achim. Welche Erfahrungen die Stadt damit gemacht hat, darüber haben wir mir dem Baumschutzbeauftragten ihrer Verwaltung, Daniel von Salzen, gesprochen.

Wenn man zurückblickt, fällt auf, dass die Baumschutzsatzung immer wieder Thema in Achim ist. Die Rede ist dann häufig von Verstößen. Ist sie den Ärger wert?

Daniel von Salzen: Auf jeden Fall. Die Satzung schützt einen Baumbestand, der zu erhalten ist und den man auf diesem Wege auch sichern kann.

Wann steht in Achim denn ein Baum unter diesem Schutz?

In Achim ist der Schutz eines Laubbaums bei 80 Zentimetern Umfang, gemessen in einem Meter Höhe, gegeben. Bei Nadelhölzern bezieht sich dieser Umfang auf einem Meter.

Das heißt, wenn der Baum dünner ist, kann er vorbehaltlos gefällt werden?

Genau, das ist auch unabhängig von der Sorte des Baumes. Aber egal was er für Sorte es ist, wenn der Status schützenswert erreicht ist, dann ist der Baum so zu behandeln.

Was passiert bei Verstößen? Wenn ein Baum widerrechtlich gefällt wurde, ist das schließlich nicht mehr rückgängig zu machen ...

In solchen Fällen leiten wir ein Ordnungswidrigkeitsverfahren ein, bei dem nach bestimmten Kriterien empfindliche Strafen finanzieller Art verhängt werden.

Wie weit kann das gehen?

Das kann ich nicht genau sagen. Wenn man es gerichtlich betrachtet, gibt es eine Gehölzwert-Ermittlung, weil man den Streitwert erstmal deklarieren muss. Dieser kann aber auch durch eine einheitliche Liste geregelt sein, die sich am Durchmesser des Baums orientiert.

Glauben Sie, dass eine Baumschutzsatzung eher emotionale Interessen verfolgt oder den Naturschutz?

Sie sollte den Naturschutz verfolgen. Die emotionalen Geschichten sind eigentlich eher die persönlichen Belange. Also wenn die Baumschutzsatzung greift, weil der Baum dem Eigentümer vielleicht zu groß ist oder zu viel Laub trägt, was die Leute oft nicht gerne haben möchten. „Er nimmt mir das Licht“, ist dann häufig das Argument. Das führt aber nicht zu einer Fällung. Ein Baum kann nur bei irreparablen Schäden von der Satzung befreit werden.

In Sottrum werden jetzt innerorts zehn Bäume gefällt, weil sie mit ihren Wurzeln die Straße beschädigen. Sie sind schlichtweg unpraktisch geworden. Wie muss sich die Stadt Achim in solchen Fällen verhalten?

Vorrang hat immer der Erhalt des Baumes – unabhängig davon, ob er auf städtischen oder privaten Gelände steht. Die Satzung sagt, dass der Baum zu schützen ist; sowohl im Bereich der Krone, des Stammes als auch der Wurzeln. Es gibt natürlich ein gewisses Maß der Zumutbarkeit. Aber auch bei Kanalschäden oder Ähnlichem gibt es Möglichkeiten, den Baum trotzdem zu erhalten. Die sind erst einmal vorzuziehen, bevor man dann einer Entnahme zustimmen würde. Erst, wenn wirklich nichts mehr geht, darf man ihn fällen.

Kritiker in Sottrum befürchten, dass eine Baumschutzsatzung zu sehr ins Private einwirkt und Bürger auf ihren Grundstücken sozusagen nicht mehr das machen dürfen, was sie wollen. Wie akzeptieren die Achimer die Satzung?

Das ist geteilt. Der eine findet es gut, dass sein Baum geschützt ist. Der andere sagt: Bloß weg damit, dann kann ich tun, was ich möchte. Teilweise schützt die Satzung aber auch den Eigentümer vor Anforderungen der Nachbarn. Ein richtiges Mittelmaß gibt es da aber nicht.

Abschließend: Ist eine klare Richtlinie wie eine Baumschutzsatzung nun förderlich oder braucht man sie eigentlich nicht?

Die Diskussion gab es bei uns auch schonmal, und es wurde sich dafür ausgesprochen, sie zu beizubehalten. Ich selbst bin für die Satzung, wobei man den Inhalt einer solchen Satzung genauestens prüfen sollte und sagen muss, wie weit sie einschränkt oder wo man Grenzen setzt.

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