SOTTRUMER MITTELSTAND Haustechniker Hüsing über seinen Betrieb

„Man muss alles können“

Claas Hüsing ist seit 2016 einer der beiden Geschäftsführer der Karl Hüsing GmbH in Sottrum. Bei der Gründung durch seinen Ur-Großvater war sie noch eine Schlosserei. Nun bietet sie Haustechnik umfänglich an.
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Claas Hüsing ist seit 2016 einer der beiden Geschäftsführer der Karl Hüsing GmbH in Sottrum. Bei der Gründung durch seinen Ur-Großvater war sie noch eine Schlosserei. Nun bietet sie Haustechnik umfänglich an.

Sottrum – Vieles glänzt und spiegelt sich im Ausstellungsraum der Karl Hüsing GmbH im Eck zwischen Bundesstraße und Bahnhofstraße in Sottrum. Armaturen, Hightech-Toiletten, Badewannen. Was einst als Schlosserei gegründet wurde, ist heute – rund 115 Jahre später – ein umfassender Handwerksbetrieb geworden. Mitten im Ausstellungsraum steht ein Tisch, Claas Hüsing, Ur-Enkel des Gründers Karl Hüsing und einer der beiden Geschäftsführer, nimmt Platz. „Man muss heutzutage alles können“, sagt er. Über die Jahre sind immer mehr Geschäftsfelder dazugekommen. Elektrik, Bad, Sanitär, Klimaanlagen, Heizungen, Photovoltaik oder kurz: Gebäudetechnik. Der Kunde möchte heute alles aus einer Hand, weiß Hüsing zu berichten.

Das Unternehmen war immer schon in dieser Ecke Sottrums. Angefangen hatte alles mit der Schlosserei mit Autowerkstatt, Eisenwaren- und Fahrzeughandel, das war 1905. Mit jedem Nachkommen des Hüsing-Seniors sind neue Fertigkeiten für den Betrieb hinzugekommen. „Viele Gebäudetechniker waren ursprünglich Schlossereien“, erklärt Claas Hüsing. Der Grund liegt in den Heizungen – Rohre biegen, Schweißen, da war der Schlosser das nächste Handwerk. 1975 zog das Unternehmen schließlich vom weißen Eckhaus an die Bremer Straße, Mitte der 90er-Jahre ging es dann in das markante, rote Gebäude an der Rotenburger Straße.

Mit 64 Mitarbeitern gehört Hüsing zu den größeren Mittelständlern im Landkreis und ist einer der größeren Betriebe in Sottrum. Zehn Kollegen arbeiten in den Büros, der Rest ist unterwegs, „das Geld verdienen“, wie der 41-jährige Chef sagt. Er selbst ist im Betrieb mit aufgewachsen. Manchen seiner Angestellten hat er als Kind das Pausenbrot geklaut, erzählt er lachend. Jeder habe seine Stärken, einer ist zum Beispiel gut beim Kesseltausch, ein anderer bei der Elektrik.

Sorgen macht auch hier der Fachkräftemangel. Bis zu sechs Auszubildende gibt es, aber Bewerber sind spürbar weniger geworden. Und wenn mal jemand was „auf dem Kasten hat“, dann ziehe er schnell weiter, etwa in die Industrie. Das mache es schwer, auch die familiäre Atmosphäre innerhalb des Betriebes aufrecht zu erhalten. Mitte der 90er-Jahre begann Claas Hüsing selbst seine Ausbildung beim Haustechnik-Mitbewerber Bahrenburg in Ottersberg, als Geselle kehrte er in den Familienbetrieb zurück, machte 2004 seinen Meister in der Fachrichtung Gas/Wasser und übernahm den Betrieb dann 2016, zusammen mit dem Co-Geschäftsführer Dirk Heimsoth komplett, nachdem Vater Claus und Onkel Eckhard aus den Betrieb ausgeschieden waren.

Die Auftrageber sind meistens Privatpersonen, oft der Hausbau. Bis zu 90 Prozent machen die „normalen“ Kunden im Auftragsvolumen aus, so Hüsing. Großprojekte seien auch schon mal dabei gewesen, doch da habe man sich zunehmend von zurückgezogen. „Irgendwo muss man sich auch mal spezialisieren.“ Es sei aber auch ein anderes Arbeiten auf der Großbaustelle, man brauche die Angestellten dafür. Zum einen zahlenmäßig, aber auch im Büro. Irgendwann braucht es eine Planungs- und eine Einkaufsabteilung, Vorarbeiter. Wer bei Hüsing anruft, wird meistens vom Chef direkt beraten, sagt er selbst.

Hüsing wundert sich manchmal, wie schnell sich seine Branche verändert hat. „Die Entwicklung ist rasend“, sagt er. Gab es früher im wesentlichen nur zwei Techniken – Gas und Öl –, müssen sich seine Leute heute bei Wärme, Lüftung, Solar, Photovoltaik und mehr auskennen. Das nächste große Ding ist das sogenannte Smarthome, die Aufrüstung mit technischen Spielereien und die Steuerung des Hauses per Handy. Dafür habe er ganz fitte Leute, sagt Hüsing, schließt aber nicht aus, dass ein IT-Experte irgendwann genau so selbstverständlich in ein Haustechnik-Team gehört wie ein Anlagenmechaniker.

Die Serie

Der Mittelstand ist das Fundament der Wirtschaft, auch in Sottrum. Insbesondere Familien prägen das Bild der Gewerbelandschaft. In dieser Serie stellen wir einige Firmen vor. Wie sind sie zu dem geworden, was sie sind? Wie hat sich ihre Branche verändert? Welche Herausforderungen meistern sie?

Von Matthias Röhrs

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