Die Kreisnaturschutzbeauftragte Christiane Looks über konflikte und ihre nächste Amtszeit

„Man kann gut miteinander sprechen“

Christiane Looks besucht als Kreisnaturschutzbeauftragte viele Versammlungen. Dort eckt sie oft an, kann aber auf konstruktive Diskussionen zurückblicken. Foto: Röhrs
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Christiane Looks besucht als Kreisnaturschutzbeauftragte viele Versammlungen. Dort eckt sie oft an, kann aber auf konstruktive Diskussionen zurückblicken.

Eversen – Sie eckt gerne an, das muss Christiane Looks als Kreisnaturschützerin auch. Es ist keine einfache Aufgabe, nicht selten wird sie bei Veranstaltungen hart angegangen, weil sie den Finger in die Wunde legt, und manche nehmen sie nur zu gerne zum Sündenbock. Looks lächelt bei diesen Umschreibungen. Das ist nichts, was sie nicht schon von ihrem früheren Beruf als Lehrerin für Geschichte, Kunst und Philosophie her kannte. Warum aber gerade Ersteres in ihrer Aufgabe nach der Pensionierung noch nützt, wie sie mit Streit und dem“ „Gegner-Dasein“ umgeht, warum Landwirte gute Diskussionspartner sind und warum sie immer Sommer gerne in die zweite Amtszeit gehen würde, das erzählt der Eversenerin im Interview.

Frau Looks, Sie wollen eine weitere Amtszeit Kreisnaturschutzbeauftragte sein. Ist es eine leichte Entscheidung gewesen?

Mir macht das viel Spaß, und ich finde es interessant, wenn ich auf Widerstand stoße. Ich komme aus dem Lehramt, mit so etwas umzugehen, ist mein Handwerkszeug. Wenn ich auf eine Bremse stoße, frage ich mich, woran das liegt. Habe ich die Wortwahl falsch getroffen? Habe ich nicht den richtigen Zugang gefunden? Wie sehen andere mich? Und suche dann einen neuen Zugang.

Ich frage, weil Sie insbesondere in der jüngeren Zeit immer wieder hart angegangen wurden – etwa im Zusammenhang mit der Ausweisung des Naturschutzgebietes an der Wümme , insbesondere bei einer Versammlung in Hellwege vor einiger Zeit. Lohnt sich der Kampf noch?

Erst mal finde ich es verständlich, wenn jemand über etwas sauer ist. Letzten Ende funktioniert Kommunikation, wenn man auch mal seine Wut rauslassen kann. Das muss aber einigermaßen anständig geschehen, und das war an dem Abend in Hellwege nicht immer so. Aber das muss man auch mal ertragen können, hinterher kam dann eine Entschuldigung, die war absolut in Ordnung. Das ist nicht selbstverständlich, ich kenne Diskussionen, bei denen einfach erwartet wird, dass man eine harte Wortwahl zu schlucken hat.

Oft werden Sie dabei als Gegnerin, meist der Landwirtschaft, dargestellt. Gefällt Ihnen diese Rolle?

Ich ich bin keine Gegnerin von Bauern, sonst würde ich auch nicht von landwirtschaftlichen Vereinen eingeladen werden. Ich muss dazu sagen, ich lese jetzt nicht, was im Internet über mich gesagt wird. Das sind bestimmt irgendwelche Einzelmeinungen.

Es ist also möglich, Naturschutz und Landwirtschaft im Dialog zu vereinen ...

Ich finde sogar, es ist in letzter Zeit sehr viel besser geworden. Ein gutes Beispiel für jemanden, der auch heftig angegriffen wird, ist Manfred Radtke...

... der Landschaftswart in Rotenburg und BUND-Vorsitzender ...

Der scheut keine Auseinandersetzung. Und er hat kürzlich eine Diskussion im Rotenburger Rathaus mit Landwirten geführt, die sind aus dem ganzen Landkreis gekommen. Diese Veranstaltung ist absolut fair verlaufen: Man hat sich zugehört, und es ist eine gute Atmos-phäre gewesen. Beide Seiten haben nicht mit Kritik gespart, aber man ist fair miteinander umgegangen. Wir müssen zusammen Wege aus unseren Problemen finden, anders geht es gar nicht. Die Landwirte merken inzwischen auch selbst, dass die Politik umschwenkt, weil sie mittlerweile gar nicht anders kann.

Glauben Sie, die Menschen wissen überhaupt, was genau Ihre Aufgabe als Naturschutzbeauftragte ist? Fehlt es vielleicht an mehr Aufklärung?

Also im Südkreis bin ich bekannt, im Nordkreis erst jetzt so langsam. Die Aufgabe einer Naturschutzbeauftragten, die ist eigentlich schon ewig bekannt, weil auch die Landschaftswarte viel präsenter sind, wenn es um Konflikte und Probleme geht. Ich habe in meiner Anfangszeit erlebt, dass in bestimmten Kreisen sofort dichtgemacht wurde. Alleine das Wort „Naturschutz“ führte dazu, dass ich die Gegenseite war. Da musste ich erst mal erklären, was meine Aufgaben sind. Alles, was mit Naturschutz zu tun hat, ist für manche ein Problem.

Reißen wir Ihr Gebiet doch einfach mal kurz an. Wem fühlen Sie sich als Kreisnaturschutzbeauftragte eigentlich verpflichtet?

Verpflichtet fühle ich mich der Aufgabe, die Arbeit der Naturschutzbehörde und was sie leistet, zu erklären. Das bedeutet auch, den Naturschutzverbänden deutlich zu machen, warum es nicht immer so läuft, wie sie sich das vorstellen. Die Behörde muss abwägen, und es ist meine Aufgabe, Missverständnisse aufzuklären und zu erläutern, warum sie manches macht und manches wiederum nicht. Und das halte ich nach wie vor für sehr notwendig.

Ist die Arbeit einer Naturschutzbeauftragten mit den Klima-Diskussionen wichtiger geworden?

Naturschutzbeauftragte hat es institutionalisiert seit dem Zweiten Weltkrieg gegeben, weil die Behörden damals überwiegend mit Verwaltungsfachleuten besetzt waren. Da brauchte man eine fachliche Beratung, deshalb sind auch sehr viele Forstleute Naturschutzbeauftragte gewesen. Die Naturschutzbehörde kann heute nicht diese ganzen Erklärungsaufgaben leisten. Öffentlichkeitsarbeit macht natürlich der Landkreis, aber der Landkreis kann natürlich nicht bei jeder Kleinigkeit was machen. Dazu braucht man jemanden, der erläutert.

Warum machen Sie selbst keine Politik, anstatt immer nur beratend an der Seite zu stehen?

Politik habe ich Anfang der 1980er-Jahre eine Zeit lang in der Gemeinde Ahausen gemacht. Ich habe aber in keiner guten Erinnerung, dass sich die Politik mittlerweile so entwickelt hat, dass man immer, auch wenn es gesetzlich nicht vorgeschrieben ist, gewissen Fraktionszwängen unterliegt. Kommunalpolitik finde ich eigentlich deshalb reizvoll, weil es dort immer um Sachthemen geht. Es geht nicht um die große Politik, sondern darum, zu gucken, was einem Ort guttut. Und viel zu oft wird das heutzutage ignoriert mit der Parteillinie. Das stört mich.

Sind Sie enttäuscht, wenn die Politik anders entscheidet, als Sie es empfehlen?

Nein, das ist dann halt so. Ich habe Philosophie studiert, und da haben mir die Stoiker immer imponiert. Die versuchen, etwas stoisch zu beurteilen und einzuschätzen. Wenn etwas nicht klappt, dann ist es eben so. In meinem Fall hätte ich etwas erläutert, aber die Entscheidung liegt eben bei anderen. Und diese stoische Ruhe kann man ganz schnell lernen – gerade als Lehrkraft.

Dann muss ich aber mal nachfragen, wie das zusammenpasst: Sie gelten als fachlich versiert, fordernd und unbequem. Ich selbst habe Sie als Expertin kennengelernt, die sehr absolut und beharrlich in Ihren Ansichten und Forderungen ist. Wieso habe ich einen anderen Eindruck von Ihnen als Sie von sich selbst?

Stoikerin zu sein bedeutet ja nicht, dass man in der Öffentlichkeit oder in der Politik nicht beharrlich sein muss. Cato der Ältere, ein Senator im Römischen Reich, hat nach jeder Rede gesagt, dass er der Meinung ist, dass Karthago zerstört werden muss. Bis es dann zerstört wurde. Beharrlichkeit heißt ja, dass man bei dem bleibt, was man für richtig hält. Das bringt man dann immer wieder an, vielleicht auch mit einem anderen Argument. Aber irgendwann wird das schon.

Wann waren Sie das letzte Mal wegen Ihres Amtes richtig sauer?

Vor Kurzem habe ich bei einem Leserbrief gegen mich überlegt, ob ich darauf reagiere. Ich muss hinzufügen, dass es auch schnell einen Bekannten gab, der über diesen Leserbrief empört war und selbst einen schreiben wollte. Ich habe davon Abstand genommen, weil dann hätte ich etwas erklären müssen, was dazu geführt hätte, dass die beiden Verfasser aufgrund ihrer Unkenntnis bloßgestellt worden wären. Was ich nach ihrer Sicht hätte machen sollen, ist nämlich eigentlich Aufgabe des Landschaftswartes und nicht die der Naturschutzbeauftragten. Ich finde es nicht gut, Leute bloßzustellen. Es bringt nichts, sowas noch breitzutreten.

Dann rein fachlich: Was hätte Ihrer Meinung nach besser laufen können in den vergangenen Jahren?

Ich hätte mir gewünscht, dass der gute Weg, den der Landkreis bei der Ausweisung von Naturschutzgebieten und FFH-Gebieten mal beschritten hat, fortgeführt worden wäre. Früher hat man nämlich genau erklärt, worum es geht. Es sind etwa bei der Veerse-Niederung intensive Gespräche geführt worden zwischen Behörde und Landwirten, da wurden Probleme abgewogen. Es ist nicht so gewesen, dass dann alle Hurra geschrien haben. Aber sie haben es verstanden und sind besser damit klargekommen. Und jetzt bei den Ausweisungen der Oste und der Wümme ist der Zeitdruck derartig groß, dass das nicht mehr gehen kann. Da ist kaum Raum, um mit Betroffenen zu sprechen und zu erklären, warum man das macht. Das ist aber nicht Schuld der Naturschutzbehörde hier, sondern durch Querelen zwischen Bund und Land ist das hinausgezögert worden.

Gegenprobe: Was lief gut, vielleicht für Sie sogar überraschenderweise?

Hier im Südkreis habe ich ja fünf Jahre kontinuierlich arbeiten können. Ich hatte am Anfang Bedenken, dass ich mehr Widerstand vonseiten der Landwirtschaft erfahre, weil es anfangs hieß, ich hätte was gegen sie. Und das ist erstaunlicherweise nicht passiert. Man kann wirklich gut miteinander sprechen. Ich hätte es teilweise nicht gedacht, dass das so gut läuft. Da habe ich auch schon ganz andere Erfahrungen gemacht – und das erstaunlicherweise bei Naturschutzverbänden.

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