„Man darf nicht nur zurückschauen“

Interview: Carsten Kaßburg über den Kulturauftrag der Heimatvereine

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Viele Heimatvereine sind eine gegenseitige Bereicherung, sagt Carsten Kaßburg aus Ahausen.

Ahausen - Von Matthias Röhrs. Ganz im Zeichen der Kunst steht das kommende Wochenende in Ahausen. Der hiesige Heimatverein veranstaltet vom 26. bis zum 29. Oktober den Ahauser Herbst. Zum mittlerweile 19. Mal stellen dann zahlreiche Künstler aus der Region und darüber hinaus im ganzen Ort aus. Doch sind derartige Veranstaltungen überhaupt Aufgabe eines Heimatvereins? Wir haben bei Carsten Kaßburg, dem ersten Vorsitzenden, nachgefragt.

Herr Kaßburg, wie viel Heimat steckt eigentlich wirklich im Kulturprogramm des Heimatvereins Ahausen?

Carsten Kaßburg: Prozentual kann ich das nicht ausdrücken. Dafür aber zum Beispiel an den alten Gebäuden, die wir in den vergangenen zehn Jahren auf dem Heimathausgelände errichtet haben. Da steckt sehr viel Heimat drin und auch sehr viel Manpower von den Leuten vor Ort. Dann gibt es die sogenannten Spurensuche-Tafeln hier im Ort, wo Heimat als Text aufbereitet ist und es online Tondokumente zu gibt. Wir versuchen, zwei Dinge zu verknüpfen: dass wir auf der einen Seite die Vergangenheit bewahren, aber auch die Zukunft gestalten und das Historische mit moderner Technik verbinden.

In Sottrum hat fast jede Mitgliedsgemeinde ihren Heimatverein. Das gleiche Bild herrscht in den benachbarten Kommunen. Ist das nicht zu viel Konkurrenz?

Kaßburg: Im Gegenteil, wir empfinden uns als gegenseitige Bereicherung. Beispielsweise war der Heimatverein Sottrum in diesem Jahr mit dem Fahrrad zu Gast. Wir haben eine Führung durch den Ort gegeben und etwas über unseren Verein erzählt. So sind wir in einen Austausch miteinander gekommen.

Was tut denn der Ahauser Heimatverein, um sich trotzdem abzugrenzen?

Kaßburg: Bei uns ist das Besondere, dass wir kein historisches Gebäude einfach übernommen haben, sondern wir haben die Gebäude in Eigenleistung woanders abgebaut und hierher versetzt. Und wir sind natürlich noch in der Weiterentwicklung: So planen wir derzeit eine Kindergruppe, die nennt sich „Plietsch“, die sich in unregelmäßigen Abständen zu heimatbezogenen Projekten treffen wird.

Zum Beispiel?

Kaßburg: Wir planen, mit Kindern Lebensmittel einzukochen. Da zeigen dann die Senioren aus dem Verein, wie man früher Konfitüre hergestellt oder Birnen und Äpfel eingekocht hat.

Wie muss sich ein Heimatverein noch weiterentwickeln?

Kaßburg: Ich glaube, dass ein Heimatverein nicht nur zurückschauen darf. Wir haben als zweiten Schritt ja auch das Motto, dass wir Zukunft gestalten wollen. Wir wollen uns hier im Ort mit bestimmten Themen einbringen und wir merken, dass das ankommt. Dann kommt beispielsweise der Naturschutzbund auf uns zu, der mit uns Obstbäume auf unserem Grundstück pflanzen will. Oder mit dem BUND werden wir eine Wildbienen-Station aufstellen. Ich glaube, wir sind ganz dicht dran an den Themen der Zeit.

Wir haben eben schon über Abgrenzung gesprochen. Kommen wir da noch mal drauf zurück: Muss sich der Heimatverein überhaupt abgrenzen?

Kaßburg: Nein, das glaube ich nicht. Wir haben in den Orten ja auch eine ähnliche Geschichte, so kann man voneinander lernen. Natürlich hat jeder Ort seine Schwerpunkte. Wenn man sich zum Beispiel den Scheeßeler Heimatverein anschaut: Die haben mit dem Blaudruck eine Besonderheit für ihren Ort. Das wollen sie natürlich für sich nutzen, und das ist auch richtig. Aber wenn wir hier Blaudruck machen würden, würde das nicht stimmig sein, weil es nicht hierher gehört. Wir haben dafür andere Dinge.

Was gehört denn zu Ahausen?

Kaßburg: Wir sind der Ort der Steinsetzer. Das ist eine lange Tradition, schon um 1900 gab es ganze Kolonnen aus Ahausen, die die Wege und Straßen gepflastert haben. Und das ist eine Besonderheit für uns, und da wird es in Zukunft auch eine weitere Spurensuche-Tafel zu dem Thema geben.

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