Birgit und Christian Wegener zieht es aufs Land

Das Mama-Taxi hält Einzug

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Birgit und Christian Wegener sind aus Bremen nach Höperhöfen gezogen und haben diesen Schritt nie bereut.

Höperhöfen - Von Matthias Daus. Viele zieht es von der Stadt aufs Land. Doch warum lassen manche Menschen das Stadtleben hinter sich? Welche Veränderungen bringt es mit sich, wenn man aus der Stadt kommt und auf das Land zieht? Auf welche Schwierigkeiten stößt man gerade im Bereich der Mobilität? Und warum ist es schlussendlich doch die richtige Entscheidung gewesen? Das versuchen Birgit und Christian Wegener aus Höperhöfen zu erklären.

Aufgewachsen sind Birgit und Christian Wegener im Bremer Stadtteil Osterholz. Alt-Osterholz, um genau zu sein. Zur damaligen Zeit wohnten die Menschen dort zwar schon in der Stadt, aber das Gebiet hatte auch einen ländlichen Charakter, mit einigen Bauernhöfen und den dazugehörigen Ländereien.

Der Traum von einem Haus mit Garten

Das Paar blieb auch gemeinsam erst einmal in dem bekannten Stadtteil und bezog dort seine erste gemeinsame Wohnung in einem großen Mehrfamilienhaus. Sie hatten damals ihr gesamtes soziales Umfeld in Bremen, und auch die Arbeitsplätze waren im Stadtbereich. „Mein Arbeitsweg war genial. Ich brauchte nur zehn Minuten mit dem Fahrrad zu fahren. Deshalb brauchten wir auch nur ein Auto. Wenn du in der Stadt wohnst, reicht das“, erinnert sich Christian Wegener an die Zeit. Auch wenn das öffentliche Verkehrsnetz damals noch nicht in dem Maße ausgebaut war wie heute, konnten die beiden dennoch viele Sachen per Bus und Bahn erledigen.

In der Stadt war auch das Freizeitangebot wesentlich umfangreicher. Warum also sollten die beiden jemals von dort wegziehen? „Wir hatten immer den Traum, ein Haus mit einem Garten zu besitzen, der groß genug ist, dass wir ungestört auf unserer Terrasse sitzen können“, erzählt Birgit Wegener. Und genau da war das Problem. Diesen Traum zu realisieren, war in Bremen einfach unbezahlbar. Selbst die Kompromisslösung mit einem Reihenendhaus scheiterte an den horrenden Preisen.

Auf dem Land ist es günstiger

Es gab also zwei Möglichkeiten: Entweder auf ein eigenes Haus verzichten oder aber aufs Land ziehen, denn dort lag der Preisspiegel wesentlich niedriger. Keine einfache Entscheidung, aber das Paar hat sich für den Umzug aufs Land entschieden. Raus aus der vertrauten Umgebung und dem gesamten Umfeld.

Grundvoraussetzung für den Umzug aufs Land war die Anschaffung eines zweiten Wagens und die Bereitschaft, lange Arbeitswege in Kauf zu nehmen. Über Gessel bei Syke, wo die Wegeners für zwei Jahre wohnten, gelangten sie schlussendlich nach Höperhöfen. Das Dorf in der Gemeinde Bötersen gefiel den beiden Bremern, weil es in unmittelbarer Nähe einen Kindergarten, eine Schule und eine Einkaufsmöglichkeit gab.

In Höperhöfen erwarb das Paar ein großes Grundstück und baute dort Haus. Schnell gewöhnten sich die Höperhöfener Neubürger daran, dass sie für viele Dinge weitere Fahrten mit dem Auto auf sich nehmen mussten.

Freundschaften lösten sich langsam auf

Darunter litten aber die sozialen Bindungen nach Bremen. Während die familiären Kontakte weiter Bestand hatten, waren es vor allem Freundschaften, die sich langsam auflösten. „Das lag aber nicht daran, dass wir jetzt auf dem Land wohnten. Es hätte genauso gut eine andere Stadt sein können. Wenn man erst einmal weg ist, erlebt man nicht mehr dieselben Dinge und hat sich nicht mehr viel zu erzählen“, sagt Christian Wegener.

Aber wie es so ist im Leben, die eine Tür schließt sich und dafür öffnet sich eine andere. Das Paar bekam zwei Töchter. Nicht zuletzt über die Kinder ergaben sich in der neuen Heimat viele Kontakte, durch die das Mama-Taxi ins Leben gerufen wurde. Fahrten zu Freunden der Töchter in andere Orte, zu sportlichen Aktivitäten und auch der Besuch von Ärzten bestimmten den Alltag. Das dauerte so lange, bis die Kinder selbst mobil wurden, durch Fahrrad, Mofa und später auch durch das Auto der Eltern. Bis dahin hat das Paar eine Menge Kilometer zurückgelegt.

Eine weitere Schwierigkeit ergab sich beim Wiedereintritt ins Berufsleben der damals jungen Mutter. Großeltern in erreichbarer Nähe gab es nicht. Die Öffnungszeiten des ortsansässigen Kindergartens waren Ende der 90er-Jahre noch recht starr. Die Nachfrage nach einer Verlängerung entwickelte sich erst. Die Eheleute waren immer noch in Bremen tätig, und nur durch ein Entgegenkommen der jeweiligen Arbeitgeber hatten beide die Chance, weiter zu arbeiten.

Ehepaar bereut den Schritt nicht

Mittlerweile wohnen die Wegeners schon seit mehr als 20 Jahren in Höperhöfen, und sie haben sich daran gewöhnt, für die eigene Mobilität einiges in Kauf zu nehmen. Da beide auch gerne Auto fahren, war es nie ein großes Opfer. Während Birgit bei ihrem alten Arbeitgeber geblieben ist, hat Christian Wegener einen Wechsel vollzogen und fährt nun täglich nach Hamburg. Die Fahrtzeiten haben sich dadurch aber nicht grundlegend geändert.

Bereut haben die Eheleute den Umzug aufs Land nie. Dort haben sie einige Freiheiten, die es in der Stadt so nicht gebe. „Wenn wir noch einmal so jung wären wie damals und vor der gleichen Wahl stünden, wir würden immer wieder so handeln. Es ist ein schönes Leben, das wir führen. Außerdem sind unsere Kinder in Höperhöfen sehr behütet aufgewachsen. Ein Luxus, den wir nie als selbst-verständlich angesehen haben“, sagt Birgit Wegener.

Mobilität im Alter beschäftigt Wegeners

Was die Zukunft angeht, haben die beiden noch keine genauen Pläne. Die Mobilität im Alter beschäftigt sie dabei aber schon. Vieles ist in der Stadt einfacher und schneller zu erreichen, und das meist auch mit öffentlichen Verkehrsmitteln. Die Wahrscheinlichkeit, auch im Lebensherbst noch lange selbstständig zu sein, ist nach heutigem Standard dort einfach größer. Oder wie Christian Wegener es ausdrückt: „Wer mit zunehmenden Alter auf dem Land nicht mobil ist, der wird auf fremde Hilfe angewiesen sein.“

Der demographische Wandel wird es in Zukunft aber auch in diesen Regionen erforderlich machen, neue Gedankenmodelle ins Auge zu fassen. Eine Entwicklung, die sicherlich nicht nur die Wegeners mit großem Interesse verfolgen.

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