Loreen Heuer aus Sottrum macht sich für elf Monate auf nach Italien

„Eine super Möglichkeit, sich sozial zu engagieren“

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Für Loreen Heuer geht es ab September für elf Monate nach Italien. Dort hilft sie in einer Einrichtung für Menschen mit Behinderung.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Ab ins Ausland. Viele Schüler nehmen sich nach ihrem Abschluss ein Jahr Zeit, um die Welt zu bereisen, interessante Orte zu entdecken und andere Menschen kennen zu lernen. Für Loreen Heuer aus Sottrum kommt noch ein weiterer wichtiger Punkt hinzu: Sie will etwas machen, womit sie anderen Menschen hilft. Also entscheidet sie sich für die Organisation AFS (American Field Service) Interkulturelle Begegnungen.

Bis es am 1. September tatsächlich losgeht, hat die 18-Jährige noch einiges zu erledigen. Doch den Stress nimmt sie gerne in Kauf. Für sie geht es für elf Monate nach Cles in Norditalien. Die knapp 7000 Einwohner große Gemeinde in der Region Trentino liegt direkt am Santa-Giustina-See. Doch Loreen Heuer ist nicht zum Urlaub machen dort. Sie will in der Einrichtung „Gruppo Sensibilizzazione Handicap“ (GSH) mit Menschen mit geistiger und körperlicher Behinderung jeden Alters arbeiten.

Die Organisation hat klein angefangen. Mittlerweile bietet sie neben einer stationären Pflege auch ein Tages-Center an. Welche Aufgaben die 18-Jährige dort genau übernehmen muss, erfährt sie vor Ort. Nur die Arbeitszeit kennt sie bisher – 16 bis 21.30 Uhr, und auch mal Dienst am Wochenende. „Ich finde es aber ganz gut, dass ich nachmittags arbeite. Das ist mal etwas anderes“, so die 18-Jährige. Berührungsängste hat sie nicht – auch wenn sie bisher noch keine Erfahrung mit Menschen mit Behinderung gemacht hat. „Ich hab gehört, dass Menschen mit Behinderung nicht immer einfach sind, aber ich will mich der Herausforderung stellen.“ Was ihr besonders gut gefalle, ist die Ehrlichkeit und Dankbarkeit der Menschen.

Für Loreen Heuer war klar, dass sie nach der Schule und dem Turbo-Abi erst einmal eine Pause braucht und nicht sofort studieren will – ihr schwebt Medizin vor. „Ich dachte erst an ,work and travel’, aber so richtig war ich davon noch nicht überzeugt“. Im Dezember sei sie dann auf einer Messe in Hamburg auf ihre jetzige Organisation aufmerksam geworden. „Dort war ein Mädchen, dass elf Monate im Ausland war. Als sie davon erzählt hat, hatte sie so ein Leuchten in den Augen. Da wusste ich, so etwas will ich auch machen.“

Danach ging die Arbeit erst richtig los. Es hieß, Motivationsbrief schreiben, Formulare ausfüllen und sich überlegen, wohin sie eigentlich möchte. Ihre Wahl fiel auf Thailand, Peru, Bolivien, Panama und Italien. Dass es jetzt „nur“ Italien geworden ist, freut die Sottrumerin. „Zu Anfang hab ich gedacht, ich möchte möglichst weit weg für mein Auslandsjahr. Jetzt bin ich aber froh, dass es Italien geworden ist.“ Auch mit der Einrichtung sei sie total zufrieden. Ihren Eltern sei ein Stein vom Herzen gefallen, als sich herausstellte, dass es nach Italien geht, verrät die 18-Jährige.

In Italien teilt sie sich eine Wohnung mit einem anderen Freiwilligen in der Nähe der Einrichtung. Auch ein Mädchen aus Deutschland fliegt gemeinsam mit ihr am 1. September nach Cles und arbeitet im GSH.

Für die 18-Jährige war es wichtig, dass sie in ihrem Auslandsjahr etwas macht, mit dem sie anderen Menschen hilft und zum interkulturellen Dialog beiträgt. Ein Jahr als Au-Pair wäre daher für sie nicht in Frage gekommen. „Während der Schulzeit hat man nicht viel Zeit, sich nebenbei noch sozial zu engagieren. Deswegen ist es super, dass es die Möglichkeit gibt, dies für ein Jahr im Ausland zu machen.“

Noch ist es für die 18-Jährige unrealistisch, dass es in knapp fünf Wochen in ein anderes und fremdes Land geht. Bis dahin heißt es jetzt noch fleißig Italienisch pauken. Durch ihren Französisch-Leistungskurs kein Problem – die Sprachen seien sich sehr ähnlich und so bringt die 18-Jährige sich die neue Fremdsprache eben kurz alleine bei.

Für ihren internationalen Jugendfreiwilligendienst muss Loreen Heuer noch einen eigenen Förderkreis aufbauen. Anteilig übernimmt das Bundesministerium für Familie, Senioren und Frauen die Finanzierung, den restlichen Betrag muss die 18-Jährige durch Spenden aufbringen. Dafür hat sie das Konto DE74291656810105862200 bei der Volksbank Wümme-Wieste eingerichtet. Wenn bei der Spende Name und Adresse angegeben werden, erhält jeder Spender eine Bescheinigung, die er bei der Steuererklärung geltend machen kann. Außerdem gibt es die Möglichkeit, Loreen Heuer im Vorfeld noch Fragen zu ihrem Auslandsjahr zu stellen unter der Nummer 0157/56380813, oder ihre Erlebnisse in Italien in ihrem Blog zu verfolgen.

loreen-in-italien.jimdo.com

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