Loreen Heuer ist seit Anfang September in Italien und betreut Menschen mit Behinderung

„Froh über meine Entscheidung“

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Mediengruppe Kreiszeitung

Aus Italien Berichtet - Loreen HeuerNun bin ich schon fast zwei Monate in Italien, in der Kleinstadt Cles in der Region Trentino im Norden des Landes. Ich arbeite als Freiwillige in einem Projekt für Menschen mit Behinderung und mache für insgesamt elf Monate eine Art soziales Jahr mit dem offiziellen Namen „internationaler Jugendfreiwilligendienst“.

Am ersten September bin ich angekommen und bin noch immer beeindruckt von meiner neuen Umgebung. Cles liegt zwischen einem Stausee und dem Gebirge und ist umringt von Apfelplantagen. Grob geschätzt sind wir wohl von mehreren tausend Apfelbäumen umgeben. Natur pur, da ist das Joggen – Berg auf und Berg ab – gleich eine ganz andere Erfahrung und macht doppelt Spaß.

Im Stadtkern von Cles sieht es anders aus. Dort finden sich die typischen italienischen Gassen, alles dicht an dicht. Das edle Brillengeschäft reiht sich an Bar, Pizzeria und Café, und mittendrin wohne ich zusammen mit Patricia, ebenfalls eine Freiwillige aus Deutschland.

Das Leben spielt sich auf der Straße ab. Oft mache ich mit den Bewohnern aus meiner Einrichtung einen kleinen Spaziergang durch die Stadt. Dann setzen wir uns in eine Bar, um einen Cappuccino zu trinken und ein bisschen zu plaudern – wie die Italiener das eben so machen.

Ich arbeite in der Einrichtung, in der die Menschen mit Behinderung wohnen und schlafen. In der Woche fahren sie in unterschiedliche Zentren, um dort zu arbeiten oder anderen Aktivitäten, wie kognitivem Training nachzugehen. Nachmittags geht es zurück in die Einrichtung. Das Wochenende über bleiben die Bewohner in der Einrichtung, und wir machen gemeinsame Ausflüge. Ingesamt wohnen dort zehn Menschen mit geistiger und zum Teil auch körperlicher Behinderung. Sie sind alle sehr liebenswert, und jeder ist mir auf seine ganz spezielle Art und Weise ans Herz gewachsen!

Meine Aufgabe als Freiwillige ist es, die Bewohner in ihrem Alltag zu unterstützen. Das heißt, ich bin immer irgendwo dazwischen. Ich helfe im Haushalt mit, unterhalte mich mit den Bewohnern und begleite sie bei dem, was gerade ansteht. Vor ein paar Tagen habe ich zum Beispiel mit Cristina Kreuzworträtsel gelöst und dabei durch ihre Erklärungen ein paar neue Vokabeln gelernt. „Cristina, tu sei la mia insegnante“, sage ich immer. Also übersetzt: „Cristina, du bist meine Lehrerin.“ Dann freut sie sich.

Und es stimmt wirklich. Cristina hilft mir ganz besonders beim Lernen der neuen Sprache. Am Anfang war es schon ziemlich hart, sich zu verständigen. Hinzu kommt, dass die Bewohner oft noch schwieriger zu verstehen sind, aber mittlerweile klappt die Verständigung schon ganz gut. Zusätzlich habe ich zweimal in der Woche Italienisch-Unterricht (auf italienisch) zusammen mit Patricia und drei Flüchtlingen aus Pakistan, Marokko und Albanien. Das ist immer spannend.

Mitte Oktober war ich für ein Seminar zur Freiwilligenarbeit und zum interkulturellen Lernen in Rom und habe dort noch drei weitere Tage mit anderen Freiwilligen verbracht. Rom ist eine tolle Stadt! Es gibt so viel zu sehen in der „Capitale d'Italia“, und die Ecken, die nicht mit Touristen überfüllt sind, geben der Stadt eine ganz besondere Atmosphäre.

Als wir dann vor einer Woche aus Rom zurück nach Cles gekommen sind, war das ein kleiner Temperaturschock. Mittlerweile liegt dort nämlich schon ordentlich Schnee auf den Bergspitzen, und vor allem morgens und abends kann es ziemlich kalt sein.

Am vergangenen Wochenende war in der Stadt ein Kastanienfest, auf das wir mit den Bewohnern gegangen sind. Alle gemeinsam, dick eingepackt, sind wir an den verschiedenen Ständen vorbei geschlendert, haben der Musik zugehört und währenddessen gebrannte Kastanien gegessen. Ein schönes Fest!

Rückblickend kann ich schon sagen, dass die Zeit bis jetzt wie im Flug vergangen ist. Mir macht meine Arbeit Spaß, und ich bin froh über meine Entscheidung hergekommen zu sein. Klar, es ist manchmal schon eine Herausforderung in einem fremden Land mit einer anderen Sprache zurechtzukommen, aber das macht es irgendwie auch aus. Ich bin gespannt auf die weitere Zeit in Italien!

Wer noch mehr über mein Jahr in „bella Italia“ und meinen Freiwilligendienst wissen möchte, kann auf meinem Blog „loreen-in-italien.jimdo.com“ vorbeischauen. Liebe Grüße in die Heimat, Loreen.

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