Serie „Junge Politiker“

Marvin Heinrich sitzt als 19-Jähriger im Finanzausschuss der Samtgemeinde

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„Ich bin mittlerweile abends oft in Sottrum“, sagt Marvin Heinrich. Dort besucht der Schleeßeler dann die CDU-Fraktions- oder Ausschusssitzungen.

Schleeßel - Von Matthias Röhrs. Mittlerweile ist etwas mehr Ruhe eingetreten im Leben von Marvin Heinrich. Das Abitur hat er vor wenigen Wochen bestanden und verliehen bekommen und bis zum Beginn der nächsten Station des 19 Jahre alten Schleeßeler – der Bundesfreiwilligendienst – ist es noch einige Wochen hin. Und auch Heinrichs großes Hobby legt gerade eine Sommerpause ein: Die Lokalpolitik.

Nein, viele politisch engagierte Mitschüler hat es in seinem Jahrgang nicht gegeben, sagt Heinrich, der für die CDU als Beisitzer im Finanzausschuss des Sottrumer Samtgemeinderates sitzt. Lediglich Lasse Rebin von der SPD gebe es noch, im Leistungskurs saßen sie nebeneinander – politische Diskussionen inklusive. Den Satz „Ihr von der CDU“ musste Heinrich da häufiger hören. „Aber das war freundschaftlich und spaßig gemeint“, stellt er klar. Doch die Debatten wurden eher von der bundespolitischen Agenda geprägt, nicht von der lokalpolitischen.

Die war dagegen schon immer Thema am Tisch der Familie Heinrich gewesen, sagt der 19-Jährige. Vater Stefan sitzt ebenfalls im Samtgemeinderat und im -schulausschuss – für die Grünen. „Ich habe mich aber mit den Positionen der CDU bei den Politik-Debatten im Fernsehen mehr identifizieren können“, sagt Sohn Marvin. Es waren die Monate vor der Bundestagswahl – Heinrichs erste als Wähler – im vergangenen Jahr, rechts-konservative Strömungen und Parteien waren da schon auf dem Vormarsch. Dazu kam sein Politik-Lehrer am Sottrumer Gymnasium, Orphéo Dominique Hipp, der seinen Schülern politisches Engagement nahelegte. Da wollte der Schleeßeler nicht länger still sitzen. Und er rief Helmut Intemann an.

Intemann ist Vorsitzender des Sottrumer CDU-Gemeindeverbandes und nahm den jungen Nachwuchspolitiker unter seine Fittiche. Schnell lernt Heinrich: „Lokalpolitik findet immer statt. Man wird oft angesprochen und bekommt schnell mit, was die Leute bewegt.“ Politik auf dem Lande unterscheide sich stark von den Debatten im fernen Berlin. „Alles ist viel persönlicher und die Themen greifbarer.“ Heinrich hilft im Wahlkampf mit, lernt Abgeordnete kennen und besucht Fraktionssitzungen. Bald will er mehr mitmischen, fragt nach einem Amt im Rat, doch die nächste Kommunalwahl steht erst 2021 an. Hans-Jürgen Krahn, Sottrums CDU-Bürgermeister, sei es dann gewesen, der ihm das Amt als Beisitzer im Finanzausschuss der Samtgemeinde anbot.

Mittlerweile hat der 19-Jährige „seinen Platz im Gemeindeverband gefunden“, wie er sagt. Er ist als Schriftführer mittlerweile Teil des Vorstandes und Mitgliederbeauftragter. Außerdem ist er Mitglied der Jungen Union Niedersachsens und dort in den Arbeitskreisen Landwirtschaft sowie Europa engagiert. Im Gegensatz zu vielen seiner Mitschüler denkt er nicht ans Fortgehen.

Andere fahren ins Auslandsjahr nach Neuseeland oder ziehen zum Studieren in andere Städte, Heinrich bleibt. „Extrem zeitaufwendig“ empfindet er Lokalpolitik. Er hat daher Verständnis, dass einige seiner Altersgenossen zunächst lieber studieren und sich einen Job suchen, ehe sie vielleicht selbst einmal in den kommunalen Gremien aktiv werden.

Jetzt steht für Heinrich erst mal der Bundesfreiwilligendienst an der Sottrumer Oberschule an, danach will er studieren. Was genau, weiß er noch nicht. Aber um weiterhin in Sottrum lokalpolitisch aktiv sein zu können, strebt er einen Studienplatz in Hamburg oder Bremen an. Da sei er noch in der „Findungsphase“. Politikwissenschaft werde es aber wohl nicht. Eine Vorlesung hat er als Gast schon besucht und sie als „zu trocken“ empfunden. Die praktische Politik auf kommunaler Ebene ist ihm da lieber. Ein Ziel hat er da auch schon: die Kommunalwahl 2021.

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