Lila liegt in der Luft

Lavendelernte in Stapel: Vom Feld ins Duftsäckchen

Während Menschen das Feld abernten, sind noch etliche Insekten, darunter dieser Kohlweißling, auf den verbliebenen Blüten unterwegs.
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Während Menschen das Feld abernten, sind noch etliche Insekten, darunter dieser Kohlweißling, auf den verbliebenen Blüten unterwegs.

Stapel – Ein ständiges Summen liegt in der Luft. Zum einen sind da etliche Bienen und Hummeln, die sich zwischen Schmetterlingen auf den lilafarbenen Blüten niederlassen, zum anderen kreist eine Drohne über die gut 1 000 Quadratmeter große Fläche. Und dann ist da vor allem dieser unverwechselbare, intensive Duft nach Lavendel, wie auch das satte Lila der Blüten. Und ein bisschen ist da das Gefühl, auch auf der Zunge etwas zu schmecken: Es ist also ein kleines Fest für die Sinne.

In das Summen mischt sich auch Scherengeklapper, denn das hat einen Grund: Auf dem Kräuterfeld in Stapel ist Erntetag. Büschel für Büschel wandert die Zierpflanze in kleine schwarze Körbe. Rund 30 Helfer arbeiten sich in gebückter Haltung Stück für Stück durch die Reihen mit den insgesamt 1 500 Pflanzen und schneiden die Stängel fast auf Unterarmlänge von den Stauden ab. Es sind nicht nur Angestellte aus Büro und Fertigung der Stapeler Firma Aries, der das Feld gehört, sondern auch Angehörige und weitere freiwillige Helfer. „Das ist schon ein besonderer Tag, jedes Jahr wieder“, sagt Mathilde Szczesny von der Aries-Geschäftsführung. Eigentlich war die Ernte bereits für eine Woche früher geplant. „Aber da war das Wetter nicht gut, der Lavendel brauchte noch eine gute Portion Sonne“, berichtet sie. Alles andere, was die Pflanze zum Wachsen braucht, findet sie an ihrem Standort in Stapel: etwas höher gelegener und sandiger Boden. Dort wurzelt der Lavendel in kleinen Erdhügeln, ähnlich den Erdwällen, die der Spargel benötigt.

Lavendelfelder, so weit das Auge reicht – dieses Bild ist eher aus der französischen Provence bekannt. „Dieses Feld ist ein Herzensprojekt meiner Mutter, sie wollte hier ein Stückchen Heimat“, sagt Szczesny mit einem Lachen. Jedes Jahr – in der nur wenige Wochen langen Zeit der Blüte – ist das Feld in Stapel ein Hingucker, der sogar Menschen für Fotoshootings anzieht. Probleme mit Influencern, die mit ihren Selfies auf Instagram die Lavendelbauern in der Provence auf die Palme bringen, kennt Szczesny in Stapel nicht.

Gut 30 Helfer packen auf dem 1 000 Quadratmeter großen Feld mit an.

Die Kreiszeitung ist nicht das einzige Medium, das sich für die Lavendelernte interessiert. Auch ein Drehteam von „Buten & Binnen“ ist vor Ort, von ihm stammt auch die Drohne, die Luftaufnahmen des Geschehens macht. Sie machen sich jetzt auf, den Transporter zu begleiten, der eine Fuhre mit Lavendel nach Clüversborstel zum Trocknen bringt. Das Fahrzeug ist an diesem Tag noch mehrmals unterwegs: 96 Körbchen passen auf eine Palette, insgesamt füllen die Erntehelfer den Tag über fast 1 000 Körbchen. Nach dem Trocknen geht es für den Lavendel zurück nach Stapel zu Aries, dort landen die Blüten in Duftsäckchen, aus den Stängeln wird sogenannter „Imkertabak“. „Es gibt keine Ausschussware, wir verwenden alles“, erklärt Szczesny.

Auch wenn das Lila auf dem großen Feld am Ende des Tages für dieses Jahr Geschichte ist und erst im nächsten Jahr wieder blühen wird: Einige Meter entfernt leuchtet es noch lila, wenige Pflanzen stehen dort etwas abseits. „Wir haben dort eine Krankenstation“, erklärt Szczesny. „Da päppeln wir erkrankte Pflanzen auf.“ Und in einer weiteren Ecke blüht es noch eine Weile lila: Bienen und Hummeln dürfen die duftende Pracht noch ein wenig länger genießen.

Stefan Kohl schneidet den Lavendel.

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