Online-Workshop soll in der Zeit ohne Proben Lust aufs Musizieren machen

Lieber alte als neue Normalität

Das gemeinsame Musizieren wie beim Kreismusikfest Stemmen fehlt vielen Akteuren momentan am meisten.
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Das gemeinsame Musizieren wie beim Kreismusikfest Stemmen fehlt vielen Akteuren momentan am meisten.

Bötersen – Nicole Landversicht hat das Wohl von Menschengruppen im Blick. „Bezahlt und unbezahlt“, wie die 49-Jährige es mit einem Augenzwinkern ausdrückt. Während ihr Job als Betriebsrätin auch im Homeoffice funktioniert, macht sie sich in ihrer ehrenamtlichen Tätigkeit als Kreismusikleiterin im Kreisschützenverband Sorgen. Das Vereinsleben der knappen Dutzend Spielmannszüge des Altkreises, in denen normalerweise mehrere hundert Musiker aktiv sind, liegt durch Corona brach.

Einige haben seit dem Ausbruch der Pandemie nicht mehr geprobt, andere versuchen, mit Hausaufgaben und Online-Treffen die Verbindung zueinander und zur Musik zu halten.

„Schwierige Zeiten“, konstatiert die Bötersenerin, die in normalen Zeiten selbst im Spielmannszug Wohlsdorf und im Jungen Orchester Auenland (JOA) aktiv ist, „an den Instrumenten, die gerade gebraucht werden“ – vorzugsweise Trommeln, Flöten und Pauken. Letztere sind seit vielen Monaten eingemottet, „allein macht es keinen Spaß“. Und genau das ist, das haben auch die Gespräche mit Verantwortlichen ergeben, das Problem: „Wo das gemeinsame Ziel fehlt, hat man keine Lust mehr zu üben“, weiß Landversicht.

Schlimm sei das insbesondere bei denen, die noch wenig Routine im Umgang mit ihrem Instrument haben, „aber auch bei allen anderen ist schnell der Ansatz weg, und es wird eine Herausforderung, beim letzten Stand anzuknüpfen.“ Während einige Vereine wie das JOA im Sommer versuchten, im Rahmen des Möglichen zumindest Einzelunterricht stattfinden zu lassen, lag bei anderen neben dem Übungsbetrieb auch die Ausbildung von Nachwuchsmusikern brach.

Das will Landversicht nun ändern. Gemeinsam mit Ausbilderin Sandra Behrens will sie für alle Interessierten, egal ob in den betreuten Vereinen organisierte Musiker oder andere Interessenten, Online-Workshops anbieten. Ab dem 21. Februar werden die Teilnehmer am Bildschirm an jeweils sonntags vormittags in unterschiedlichen Themen der Musiktheorie wie Notenlängen oder Rhythmen fit gemacht. Drei Termine übernimmt Behrens, bei den Rhythmen ist die Schlagwerkerin Landversicht gefragt. „Eine Entdeckungsreise“ nennt sie das Experiment, das zumindest eine theoretische Beschäftigung mit der Musik bieten soll.

Denn auch, wenn noch keine Vereinsaustritte zu verzeichnen seien, steht die Befürchtung im Raum, dass nach einer längeren Pause nicht alle Musiker zurück zu ihrem Hobby finden. Hier gelte es, im Rahmen des Möglichen etwas anzubieten. Die Hoffnung ist, dass mit der Theorie auch die Motivation zum Spielen geschürt wird.

Je nachdem, wie die Stunden angenommen würden, gibt es Überlegungen, im nächsten Schritt auch praktisch gemeinsam online zu proben, „momentan fehlen uns da allerdings noch die Erfahrungen und eine geeignete Plattform“. Ob das neue Format auch über die Pandemie hinaus ein gangbarer Weg für die Theorieausbildung der Musiker ist, vereinsintern oder vereinsübergreifend, werde sich zeigen. Denkbar sei eine zentrale, übergeordnet angebotene Theorieausbildung der Vereine: „Das Berufsleben ändert sich ja auch, viele haben nicht die Kapazitäten einer regelmäßigen Teilnahme vor Ort.“

Unumstößlich ist für sie, wie ihr ihre jüngsten Umfragen bestätigen: „Das A und O bei der Musik ist die Gemeinschaft.“ Sie gibt unumwunden zu, dass sie statt der viel zitierten neuen Normalität „viel lieber die alte zurück“ hätte. Gleichwohl möchte sie die Pandemie auch als Chance für die Spielmannszüge begreifen. „Es wird viele neue Ideen geben, wie wir uns für die Zukunft aufstellen“. Sie hofft auf neue Konzepte. „Vielleicht ist der Online-Workshop ja der erste Schritt, Leute abzuholen.“

Die Pauschalisierung, Spielmannszüge müssten sich neu erfinden, lehnt sie entschieden ab. „Es gibt Züge, die ein sehr traditionelles Bild vermitteln, aber sehr stabil sind, andere haben mit einer Mischung aus traditionellem und neuem Repertoire großen Zulauf.“ Ein Konzept könne es nur für jeden Verein individuell geben. Ganz gleich, wie der Testballon ausgeht und wie viele Interessenten sich von ihr einen Link für die Online-Teilnahme schicken lassen, sei schon jetzt klar: „Wenn auch nur einer dadurch motiviert und bei der Stange gehalten wird, hat sich die Sache schon gelohnt.“

Nicole Landversicht

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