Künstler ziehen Publikum bei der fünften Auflage der Hellweger Hausmusik in ihren Bann

Liebe liegt in der Luft

Bei Bachs „Kaffeekantate“ zeigen Jürgen Knecht und Nina Prüser im Heimat- und Kulturhaus in Hellwege auch ihr schauspielerisches Talent. - Fotos: Diercks

Hellwege - Von Bettina Diercks. Schon die Beatles erkannten und besangen es: „Alles, was man braucht, ist Liebe“ mit „I want do hold your hand“, zum Beispiel. Doch was ist die Liebe ohne Musik und Musik ohne die Liebe? Das wurde am Sonntag bei der fünften Hellweger Hausmusik deutlich.

Milad Adib aus Afghanistan präsentiert bei der Hellweger Hausmusik ein Lied aus seiner Heimat.

Ohne die Liebe und Hingabe zur Musik würde es diesen kulturellen Jahreshöhepunkt in Hellwege gar nicht geben. Und viele Stücke ebenfalls nicht. Denn nichts scheint Künstler mehr zu inspirieren, als Gefühle und die Liebe. Noten und Texte werden zum Ausdrucksmittel der eigenen emotionalen Welt. Egal, ob die Liebe erfüllt wurde. Die britische Rockband The Beatles feierte im Hellweger Heimat- und Kulturhaus (HuK) eine ganz eigene Art der Auferstehung: Das Hellweger Vocal-Ensemble, zwar fester Programmpunkt, aber mit immer wieder wechselnder Besetzung einzelner Stimmen, trat mit brünetten Perücken vor das Publikum.

Und siehe da, so manch einem Ensemble-Mitglied stand brünett und Kurzhaar noch besser, als die echte Haarpracht. Der Funke sprang bei den faszinierenden A-Capella-Arrangements der Musiker, begleitet von Annette Bildhauer am Flügel über. „Yesterday“ war ein echter Hinhörer, da der Song ein fast schon kirchliches Klangbild durch die fünf Sänger bekam. Das Quintett rockte das HuK ohne, dass nur ein Song noch Rock-Charakter hatte.

Unterhaltsam angereichert wurde das Ensemble durch ein Schauspiel bei Bachs „Kaffeekantate“. Bereits 1734 versuchten Eltern, ihre Kinder vom Genuss neu entdeckter stimulierender Substanzen abzubringen, in diesem Fall dem Kaffee, der gerade seinen Einzug hielt. Humorvoll-ironisch drohte Herr Schlendrian (Jürgen Knecht, Bass) seiner Tochter Liesgen (Nina Prüser, Sopran) aufgrund ihres Kaffeekonsums. Damit sie aufhört, darf sie heiraten. Eine erfrischende Szene, gekonnt humorvoll von dem Duo dargestellt.

In diesem Jahr stand die Hellweger Hausmusik unter dem Motto „Bürger auf der Bühne“. Mehr als 20 Mutige in unterschiedlichen Ausbildunggraden hatten sich gefunden, die vor Publikum ihre Liebe zur Musik bezeugen wollten. Darunter viele gestandene Hausmusiker, aber auch fünf Debütanten. Michael Bildhauer, Mitorganisator und Moderator des Tages: „Wir freuen uns immer über neue Gesichter.“ Außerdem sei die musikalisch-virale Infektion, vom Lampenfieber abgesehen, gesundheitlich unbedenklich.

„Was jetzt passiert, da ist es egal, was passiert“, kündigte Bildhauer den Neuzugang Pauline Pellmann an. Nach einem halben Jahr Stimmbildung traute sich die 14-Jährige bereits mit „Amarilli“ von Giulio Caccini vor das Publikum im HuK.

International ging es mit dem 16-jährigen Milad Adib aus Afghanistan weiter, der das ungewöhnlich klingende „Mazar“ auf dem Flügel zu Gehör brachte. Laut Bildhauer betitelt es unter anderem das Neujahrsfest, das am 21. März in Afghanistan gefeiert wird: „In diesem Sinne: Ein frohes neues Jahr,“

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