In der Sottrumer Kleintierklinik spenden Hunde Blut für Artgenossen

Lebensretter auf vier Pfoten

Als Dank für den geduldigen Spender gibt es ein rotes Halstuch – und natürlich nach der Spende ein paar Snacks.
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Als Dank für den geduldigen Spender gibt es ein rotes Halstuch – und natürlich nach der Spende ein paar Snacks.

Manchmal muss es schnell gehen, das gilt auch bei der Rettung von Hundeleben. Wenn ein verletzter Vierbeiner in der Sottrumer Kleintierklinik eine Transfusion benötigt, kann diese tierische Blutspender aktivieren – doch es könnten gerne mehr sein.

Sottrum – In der Sottrumer Klinik für Kleintiere herrscht an diesem Tag ein reges Kommen und Gehen. Vorrangig Hunde verlassen mit Herrchen oder Frauchen das Gebäude. Einer auf dem Arm, einer mit einer Binde um ein Bein. Ein größerer Hund dreht mit seinem Herrchen noch ein paar Runden an der frischen Luft, auf der grünen Wiese neben dem Gebäude, unter den schattenspendenden Bäumen. Doch manchmal gibt es besonders schwere Fälle, die über die Türschwelle getragen werden. Verletzte Hunde nach einem Unfall beispielsweise. Wenn sie eine Bluttransfusion brauchen, hat die Klinik eine Kartei mit Vierbeinerspendern parat.

Mehrmals im Monat kann eine Spende gebraucht werden – die Palette der Gründe ist breit. „Wir hatten mal einen Hund, dessen Herrchen einen Unfall auf der Autobahn hatte“, erinnert sich Dr. Franziska Werhahn Beining, die sich in der Klinik intensiv mit dem Thema befasst. Während der Mann ins Krankenhaus gebracht wurde, brachten Retter den Hund in die Klinik – die Milz zerrissen, die Leber angerissen, extreme Blutungen überall. Ohne eine Blutspende, so die Ärztin, hätte das Tier nicht überlebt. „Dann hätte er keine Chance gehabt.“

Ein ruhiges Gemüt ist eine Voraussetzung für die tierische Blutspende.

Anders als beim Menschen gibt es für Tiere keine regelmäßigen Blutspende-Aktionen. Das Blut könnte nicht gelagert werden – dazu sind die Auflagen zu hoch, so Werhahn Beining. „Das ist rechtlich schwierig, so etwas kann sich keine Klinik leisten.“ Benötigt also ein Tier dringend eine Blutspende, bleibt den Ärzten nur, die Tierhalter aus ihrer eigenen Kartei anzurufen und zu hoffen, dass einer von ihnen direkt vorbeikommen kann. Daher kommen die Halter auch aus der Region. Blutkonserven werden immer direkt verwendet. Wichtig ist: Die Blutgruppe muss passen – genauso wie beim Menschen. Das wird bei Typisierungen festgestellt.

Grundsätzlich würde Werhahn Beining eine Art Blutbank für Vierbeiner begrüßen, die Umsetzung sei aber schwierig: „Das ist eine gute Idee, aber gar nicht so einfach zu bewältigen. Die Gesetze machen das zu schwer.“ In Gedanken spielt sie aber mit einer größeren Typisierungsaktion an einem oder mehreren Tagen, um die Kartei der Spender noch ein wenig zu erweitern.

Für eine Spende komme erst mal jeder Hund infrage, aber es werden nur bestimmte Vierbeiner ausgewählt: Sie müssen gesund sein und mehr als 20 Kilogramm wiegen sowie regelmäßig geimpft und entwurmt sein. Pro Blutabnahme werden ihnen 400 bis 450 Milliliter Blut abgenommen. Vier mal im Jahr dürfen die am besten zwischen einem und zehn Jahre alten Hunde zur Blutspende kommen. Ältere Hunde kommen grundsätzlich auch infrage, wenn sie fit genug sind. Auch dürfen die Spender nicht dauerhaft Medikamente bekommen und sollten noch nicht selber eine Transfusion erhalten haben. Auslands-Hunde werden ebenfalls abgelehnt – zu groß ist die Gefahr, dass sie Parasiten übertragen könnten. „Die kommen in der Regel gar nicht in die Kartei.“

Dr. Franziska Werhahn Beining hofft auf weitere Spender.

Etwa 30 Spender hat die Klinik derzeit in ihrer Kartei, doch es könnten gerne mehr sein, wünscht sich Werhahn Beining. Die Halter müssen nicht dauerhaft erreichbar sein, „keiner wird dazu verpflichtet“. Sie würden angerufen, wenn ein anderes Tier Hilfe braucht – das kann auch mal nachts sein. Und es gibt Vorteile: Bei jeder Blutabnahme erhält der Hund eine allgemeine und eine Blutuntersuchung. Außerdem gibt es kleine Aufmerksamkeiten für den Spender: einen Sack Futter oder ein markantes rotes Halstuch, auf dem in dicken Lettern das Wort „Lebensretter“ prangt.

Nebenwirkungen gibt es für die Tiere kaum. Manchmal ist es an heißen Tagen für sie eine größere Belastung, dann erhalten sie eine Infusion, um ihren Flüssigkeitshaushalt auszugleichen. Außerdem bekommen die geduldigen Spender natürlich ein paar Snacks – ganz wie bei einer menschlichen Blutspende auch. „Die Hunde machen das ganz toll mit, es ist beeindruckend, wie tapfer sie sind“, lobt Werhahn Beining. Übrigens: Bei Katzen ist das schwieriger. Da sie nicht so lange still halten, muss man die Blutspende bei ihnen unter Narkose machen. „Das ist ein Geduldsspiel. Hunde sind im Handling oft unkomplizierter. Aber sollte einer mal Panik haben, wenn er reinkommt, fällt er auch raus – wir zwingen das Tier nicht.“

Kontakt zur Klinik

Wer seinen Hund gerne als Spender registrieren lassen möchte, kann sich unter der Nummer 04264/2240 bei der Sottrumer Kleintierklinik melden.

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