Zollhausboys thematisieren Flucht und Integration mit Tanz und Musik auf der Bühne

Vom Leben in zwei Welten

Die Zollhausboys haben ernste Themen unterhaltsam auf die Bühne gebracht. Foto: Daus

Sottrum - Von Matthias Daus. Die Zollhausboys haben bei ihrem Auftritt im Sottrumer Gymnasium ihr Publikum mit einer Mischung aus Satire, persönlichen Geschichten, Tanzeinlagen und jeder Menge Musik zum weiten Thema der Flüchtlingssituation in Deutschland begeistert.

Auf einem großen blauen Gymnastikball mit einer tänzerischen Performance darzustellen, wie es sich anfühlt, wenn man in einem Schlauchboot über das Mittelmeer fährt, kann auch schon mal in die Hose gehen. Nicht so bei den Zollhausboys. Denn mit seinem vollen Körpereinsatz macht Azad Kour begreifbar, was sich dabei abspielen kann. Und im Zusammenspiel mit der musikalisch über jeden Zweifel erhabenen Formation ergibt sich ein emotionaler Höhepunkt des Abends. Besonders, weil Sängerin Selin Demirkan hier in einer Ballade ihren Gesang voll entfaltet.

Aber auch sonst ist jede Menge los auf der Bühne, und musikalische und gesprochene Beiträge wechseln sich ebenso ab, wie auch die Musiker an den verschiedensten Instrumenten. Die Musik ist dabei rockig, poppig und hin und wieder auch orientalisch angehaucht. Was kein Wunder ist, denn die meisten Mitglieder der Zollhausboy haben einen Migrationshintergrund. Wie beispielsweise Gitarrist Ismael Foustok, der aus Aleppo stammt, oder Schlagzeuger Shvan Scheikho, der kurdische Wurzeln hat. Sie sind junge Leute, die in ihren Liedern und Geschichten davon erzählen, wie sie ihre Heimat verlassen mussten und wie das Leben im neuen Land für sie ist. Begleitet werden sie vom deutschen Schauspieler und Musiker Pago Balke, der Thüringen scherzhaft als seinen Migrationshintergrund nennt, und dem aus Bolivien stammenden Pianisten Thomas Krizsan.

Vieles, was es zu hören und zu sehen gibt, ist nachdenklich und bewegend, aber auch Humor kommt nicht zu kurz. Der geneigte Zuschauer erfährt, wie einfach Integration funktionieren kann, wenn man als frisch in Bremen angekommener Flüchtling ein Werder-T-Shirt als Spende erhält und damit durch die Stadt geht. Aber sie beschreiben ebenso die Gefühlslage, wenn man als junger Mensch seine Heimat und seine Familie verlässt, ohne zu wissen, was am anderen Ende des Fluchtwegs wartet.

Natürlich darf an einem solchen Abend die Tatsache nicht fehlen, dass es Dinge wie Fremdenfeindlichkeit und Rassismus auch in Deutschland gibt. Und wenn Pago Balke unkommentiert verliest, was AfD-Funktionäre so alles in ihren Reden von sich geben, dann ist das beklemmend.

Mehr als zwei Stunden dauert der kurzweilige Auftritt, bei dem die Gruppe das Publikum restlos überzeugt hat.

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